Der Teich vor Gebäude S05
Der Teich vor S05Sind Da Fische Drin?
Ehrlich gesagt hoffen wir, dass keine oder nur wenige Fische im Teich vor dem Gebäude S05 schwimmen und möglichst nicht in den Uferzonen. Wir haben natürlich nichts gegen Fische, aber in kleineren Teichen kann ein zu starker Besatz mit Fischen für viele andere Tierarten zu Problemen führen, wie es auch in unserem Teich der Fall war.
Auf dieser Seite berichten wir über den Einbau von geschützten Uferzonen in den Teich und wie wir durch das Entfernen von einigen Tierarten, die Biodiversität letztlich gesteigert haben.
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Von einer trüben Fischsuppe zu einem wertvollen Biotop
Viele viele Fische und sonst?
Der Ursprung des Teiches Eine eingetiefte Sitzfläche wird zum Zierteich
Gut dreißig lang Jahre hatte der Campus Essen ein großes Biotop direkt vor der gelben Cafeteria, welches 2008-2010 zum heutigen Veranstaltungsplatz umgebaut wurde. Bereits Jahre vor dieser Baumaßnahme wurde der UDE von der Philipp Holzmann AG ein Glaspavillon geschenkt und es entstand die Idee, diesen Pavillon als repräsentatives Gebäude auf dem Campus Essen zu platzieren. Aufstellort sollte eine Fläche vor dem S05-Gebäude sein, die bis dahin von einer großen eingetieften, betonierten Sitzfläche dominiert wurde. Dieser Bereich sollte abgedichtet und als Reflexionsteich für den Glaspavillon ausgebaut werden: die Geburtsstunde unseres heutigen Biotops.

Teich mit Pavillon, 2025, Foto: André Kreft
Dieser Teich wurde mit wenigen großen Steinen strukturiert und eine Seerose (Nymphea spec.) gepflanzt, später kam punktuell noch eine Uferbepflanzung mit Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), Blaugrüner Binse (Juncus inflexus) und Schwanenblume (Butomus umbellatus) hinzu.
Als vielfältiger Lebensraum war der Teich also nicht angelegt, aber flugfähige Insekten, wie z.B. verschiedene Libellenarten, Wasserläufer und Rückenschwimmer fanden ihren Weg hinein. Selbstständig schaffen Fische diesen Weg zwar nicht, aber Wasservögel können über ihr Gefieder Fischlaich in Gewässer eintragen. Im Siedlungsraum sind es allerdings häufig Menschen, die Fische und andere wasserlebende Tiere, wie Schmuckschildkröten in Gewässer einbringen. Fische vermehren sich teilweise sehr stark und werden dann häufig zu einem Problem für das Ökosystem: Sie fressen andere Lebewesen, insbesondere Wasserflöhe, die sich als Filtrierer im freien Wasser von Mikroalgen ernähren. Werden die Filtrierer zu stark dezimiert, kommt es, auch wegen der Düngung durch die Ausscheidungen der Fische, zu Algenblüten, die das Wasser eintrüben.
Auch andere Tierarten werden von den Fischen gefressen und sind bei starkem Fischbesatz einem hohen Fraßdruck ausgesetzt. Diesem Druck können sie bei ausreichenden Versteckmöglichkeiten, wie dichtem Pflanzenbestand, Totholz oder Steinen ausweichen, die im Teich vor S05 allerdings nur spärlich vorhanden waren. Zudem sind alle Stillgewässer Sedimentfallen: Alles was hineingerät, verbleibt im Gewässer und trägt Masse und Nährstoffe ein.
Natürlicherweise führt die Nährstoffanreicherung oder Eutrophierung über lange Zeiträume zu einer vermehrten Produktion von Biomasse und einem allmählichen Verlanden eines Teiches oder Sees. Auf diese Weise entstehen aus größeren Stillgewässern Niedermoore und unter bestimmten Bedingungen Hochmoore.

Teich vor Einbau der Fachwasserzonen, Foto: André Kreft, 2024
In unserem Teich enstand über die Jahre eine Situation, in der der Teich mit einer großen Umwälzpumpe zur Sauerstoffanfreicherung ausgerüstet wurde, um anaerobe Verhältnisse durch den übermäßigen Abbau organischer Substanz zu vermeiden. Zusätzlich wurde der Teich alle, zwei bis drei Jahre, durch eine externe Firma abgelassen und gereingt: eine kostspielige Maßnahme, die zudem die Lebewesen im Teich stark unter Stress setzte und den Verbrauch von großen Trinkwassermengen bei der Wiederbefüllung erforderte.
Fische, Fische, Fische Wo sind all die Schnecken hin?
Im Oktober und November 2024 erhielt der Glaspavillon einen neuen Korrosionsschutzanstrich und der Teich musste für diese Arbeiten wieder einmal abgelassen werden. Diesen Zeitpunkt haben wir genutzt um den Teich mit zwei geschützten Flachwasserbereichen naturnäher zu gestalten und die Fische aus dem Teich zu entnehmen. Es wurden weit über 500 Fische gefunden, darunter heimische Arten wie Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), Rotauge (Rutilus rutlius), Karpfen (Cyprinus spec.) und ein Wels (Silurus glanis) und zahlreiche, nicht heimische Goldfische (Carassius auratus).
Die heimischen Arten wurden mit Genehmigung in natürliche Gewässer ausgewildert, während die Goldfische in einen privaten Goldfisch-Teich umgesiedelt wurden.
Neben den Fischen wurden nur sehr wenige andere Tierarten mit nur wenigen Individuen gefunden: Wasserasseln und Libellenlarven. Besonders auffällig war das Fehlen von Wasserschnecken, obwohl Besatzmaßnahmen von Spitzschlammschnecken (Lymnaea stagnalis) und Posthornschnecken (Planorbis planorbis) durch die Arbeitsgruppe Aquatische Ökologie häufig durchgeführt wurden. Es wurde im gesamten Teich nicht einmal ein leeres Schneckenhaus gefunden, was den Rückschluss zulässt, dass der Fraßdruck der vielen Fische, zum Verlust dieser Arten im Teich geführt hat.
Im Vorfeld wurden von der Arbeitsgruppe Aquatische Ökosystemforschung auch mehrfach Wasserproben genommen, die über eDNA-Analysen einen Überblick über die aquatische Fauna ermöglichten. Diese Beprobungen werden weitergeführt, um die Entwicklung des Biotops zu verfolgen.
Auf zu neuen Ufer(n)zonen Zwei geschützte Uferzonen entstehen
Im Herbst 2024 haben wir zwei, durch Trockenmauern vom übrigen Teich getrennte Flachwasserzonen, eingebaut. Die Trockenmauern wurden zum größten Teil aus recycelten Pflastersteinen errichtet, die beim Rückbau des Parkplatzes (heute Parkhaus) am Reckhammerweg angefallen sind. Nur die oberste Schicht besteht aus Ruhrsandstein.
Die Flachwasserzonen sind mit Kies gefüllt und reichen von einer Wassertiefe von 5 cm bis rund 70 cm. Für die Kiesfüllung wurde einerseits feiner Kies (Korngrößen bis 5 mm) recycelt, der vorher auf dem Dach des Pavillons aufgebracht war (dort wurde durch die UDE ein Sedum-Trockenrasen mit Lava-Granulatschüttung eingerichtet) und Kies vom Niederrhein mit einer Korngröße von 8/16 mm. Auf die Zugabe von Teicherde wurde komplett verzichtet, so dass die Pflanzen ihre Nährstoffe aus dem Wasser beziehen müssen.
Zu der Seerose, dem Gilbweiderich, der Blaugrünen Binse und der Schwanenblume wurden heimische Sumpf- und Wasserpflanzen gepflanzt, so dass die Liste der Gefäßpflanzen nun rund
Zusätzlich wurden drei Totholzstämme in die Flachwasserzonen eingebracht und der Teich anschließend wieder befüllt, wobei das Trinkwasser mit Wasserproben aus verschiedenen Gartenteichen angeimpft wurde.