Victoria Momand

„Mein Kopf, mein Wissen, meine Kreativität“

Einblicke

Wie fühlt sich Forschung im Alltag an? Victoria Momand gibt Einblicke in ihre Promotion, die von Neugier, Ideen und dem Wunsch geprägt ist, Zusammenhänge auf kleinster Ebene wirklich zu verstehen. Die Biologin zeigt, wie aus Fragen, Geduld und vielen kleinen Schritten Stück für Stück neue Erkenntnisse entstehen und warum Grundlagenforschung so wichtig ist.

(von Janina Balzer)

Wie sieht dein Alltag aus – oder gibt es den überhaupt?

Ehrlich gesagt: nicht wirklich. Genau das mag ich, kein Tag ist wie der andere.

Ich plane Experimente, stehe im Labor, bestelle Materialien oder bereite Zellkulturen vor. Ich arbeite mit Studierenden, werte Ergebnisse aus oder sitze in Meetings. Und dazwischen: Wartezeiten, Paper lesen, neue Ideen, Probleme, Lösungen. Es ist eine ständige Mischung aus Lernen und Arbeiten.

Was macht für dich den Reiz der Promotion aus?

Die Chance, wirklich tief in ein Thema einzutauchen und eigenständig zu forschen. Man kann nicht einfach irgendwas nachmachen. Man muss selbst etwas beitragen und daraus entsteht dann die erste eigene wissenschaftliche Arbeit.

Viele Kinder träumen davon, Astronaut oder Ärztin zu werden. Hattest du schon früh den Wunsch, in die Wissenschaft zu gehen?

Als Kind hätte ich nicht gesagt: „Ich möchte einmal Wissenschaftlerin werden.“ Aber mich haben schon früh Dokumentationen über Forscher:innen fasziniert. Die Vorstellung, mit Forschung etwas beizutragen, das über den Moment hinaus geht, begeistert mich bis heute.

Im Studium kommt dann der Reality-Check. Trotzdem finde ich genau das spannend: Teil dieser Gemeinschaft zu sein, die Schritt für Schritt neue Erkenntnisse gewinnt. Ich möchte auch nach meiner Promotion in der Forschung bleiben.

Warum ausgerechnet die Biologie?

In der zehnten Klasse haben wir uns den Aufbau der Zelle angeschaut. Das hat mir total Spaß gemacht. Ich fand spannend, wie logisch alles aufgebaut ist. Später wurde mir klar: Die Biologie ist eigentlich das Einzige, was mich wirklich brennend interessiert. Ich möchte alles über den Menschen wissen und darüber, wie das Leben im kleinsten Detail funktioniert.

Im Studium habe ich vieles kennengelernt – von Botanik über Ökologie bis hin zur Biochemie – aber schnell gemerkt: Die Humanbiologie ist meine Leidenschaft.

(Bild: UDE/Fabian Strauch)

Wie erklärst du Außenstehenden, warum Grundlagenforschung wichtig ist?

Ich werde oft gefragt: „Was bringt das konkret? Kann man damit Krebs heilen oder Alzheimer?“ Die Antwort ist: nicht direkt. Aber: Wir beschäftigen uns mit Fragen, die noch niemand beantwortet hat. Denn bevor Therapien entwickelt werden können, muss man erst verstehen, welche Mechanismen überhaupt eine Rolle spielen. Ohne die Grundlagenforschung gäbe es viele spätere Entwicklungen nicht.

Welche Rolle spielt deine Promotion dabei?

Ich wünsche mir, dass ich wissenschaftlich relevante Erkenntnisse zu Parvulin17 gewinnen kann und damit einen kleinen Beitrag leiste. In vielen Bereichen wissen wir noch erstaunlich wenig. Jede Erkenntnis ist ein weiterer Teil des großen Puzzles des Lebens.

Was erreicht man realistisch in einer Promotion?

Keinen Nobelpreis, aber man wird Expertin auf einem sehr speziellen Gebiet und lernt vor allem, wissenschaftlich zu denken und sauber zu arbeiten: Hypothesen aufstellen, Experimente planen, Daten kritisch hinterfragen und mit Rückschlägen umgehen. Gute Wissenschaft klingt selbstverständlich, ist es aber nicht – und genau das zu lernen ist genauso wichtig wie die Ergebnisse selbst.

(Bild: UDE/Fabian Strauch)

Man könnte sagen, du wurdest ziemlich „ins kalte Wasser geworfen“. Wie denkst du darüber?

Ich finde es toll, dass ich schon zu Beginn so viel Neues ausprobieren konnte. Auch wenn mich mein Betreuer, Prof. Dr. Peter Bayer, jederzeit unterstützt hat, hatte ich gleichzeitig viel Raum für Entwicklung und habe deshalb schnell gelernt, eigenständig zu arbeiten und mich fachlich breit zu vernetzen.  Beispielsweise habe ich die hochauflösende Mikroskopie als Erste in unserer AG genutzt. Also habe ich mir ein Netzwerk aufgebaut, mich selbst eingearbeitet und somit schon früh Verantwortung übernommen. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung.

Wie wichtig ist es, sich Hilfe zu holen?

Sehr wichtig. Gerade am Anfang wollte ich aber nicht, dass Andere denken, ich hätte keine Ahnung von dem, was ich tue. Ich war mir zum beispielsweise nicht sicher, wie ich Konzentrationen im Labor berechne. Dabei muss das sehr präzise sein. Wenn kleine Fehler passieren, wenn zum Beispiel die Salzkonzentration im Puffer falsch ist, kann das ganze Experiment scheitern. Deshalb ist es wichtig, Fragen zu stellen anstatt aus Unsicherheit Fehler zu machen.

Welchen Einfluss hat das Umfeld auch auf eine erfolgreiche Promotion?

Meine Promotion läuft zu einem großen Teil so gut, weil ich mich in meiner Arbeitsgruppe wohlfühle und einen wirklich guten Betreuer habe. Ich werde ernst genommen und unterstützt. Das gibt Sicherheit.

Außerdem muss man gerne ins Labor gehen – vor allem dann, wenn nichts klappt. Und das funktioniert hier echt gut.

Wie erlebst du die wissenschaftliche Community?

Man trifft viele Menschen mit der gleichen Begeisterung, das ist toll. Man vernetzt sich, findet auch Freunde, tauscht sich aus. Und auf Konferenzen trifft man Leute, mit denen später oft Kooperationen entstehen.

Du betreust mittlerweile auch selbst Studierende.

Ja, ich mache das sehr gerne, denn ich erkenne mich darin selbst wieder. Viele haben die gleichen Sorgen wie ich am Anfang. Und ich finde es wichtig, ihnen ehrlich zu sagen: „Du wirst im Labor zunächst scheitern. Das gehört dazu. Wichtig ist, dranzubleiben.“

(Bild: UDE/Fabian Strauch)

Gab es Momente, in denen du dachtest: „Das habe ich wirklich selbst geschafft“?

Zum Beispiel als ich ein Protokoll komplett selbst etabliert habe – wirklich von Grund auf – und es dann funktioniert hat. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, das gerade seine Lieblingstorte bekommt.

Ein Protokoll ist im Labor so etwas wie eine erprobte Anleitung für ein Experiment. Es beschreibt genau, wie man vorgeht, damit die Ergebnisse zuverlässig sind und auch von anderen nachvollzogen werden können. Wenn eine Methode, zum Beispiel zur Lokalisation von Proteinen, immer wieder gute Ergebnisse liefert, gilt sie als etabliert.

Dafür habe ich viele Varianten ausprobiert: unterschiedliche Zelllinien, verschiedene Antikörper-Färbungen, Fixierlösungen, Fusionsproteine und Mikroskope. Schritt für Schritt habe ich die Bedingungen so angepasst, dass alles optimal zusammenpasst.

Das war meine eigene Leistung: mein Kopf, mein Wissen, meine Kreativität. Auch wenn es nur kleine Anpassungen sind, steckt da unglaublich viel drin. Solche Momente bleiben.

Was hat dich an der Promotion am meisten überrascht?

Wie oft man scheitert – und dass genau das dazugehört. Ich dachte am Anfang, man arbeitet sich einfach Schritt für Schritt voran. In Wirklichkeit funktioniert vieles nicht. Aber genau daraus lernt man am meisten. Am Ende sind es nicht die perfekten Experimente, die einen weiterbringen, sondern die, die nicht geklappt haben.

Victoria Momand promoviert seit Februar 2025 an der Fakultät für Biologie.

Am Zentrum für Medizinische Biotechnologie im Institut für strukturelle und medizinische Biochemie erforscht sie mithilfe von Gen-Editierung, Proteomics und superauflösender Mikroskopie das Enzym Parvulin17, das nur in Menschen und Menschenaffen vorkommt und dessen Rolle in den Mitochondrien noch unbekannt ist.

Weitere Informationen:

Victoria Momand, Strukturelle und Medizinische Biochemie, Tel. 0201 183-4679, victoria.momand@uni-due.de

Redaktion: Janina Balzer, janina.balzer@uni-due.de