Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des INEF veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse sowohl in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und Buchpublikationen als auch im Rahmen institutseigener Formate wie dem INEF-Report. Zusammen mit drei anderen deutschen Friedensforschungsinstituten (BICC / HSFK / IFSH) gibt das INEF zudem das einmal jährlich erscheinende Friedensgutachten heraus. Darüber hinaus publiziert das Institut gemeinsam mit der Stiftung Entwicklung und Frieden (sef:) die Reihe Globale Trends. Analysen.

Neuerscheinungen

Scheper, Christian

Synthesebericht: Auswirkungen von COVID-19 auf die Textilindustrie

Berlin/ Bonn: Femnet/ INKOTA-netzwerk/ Südwind

Der Synthesebericht führt bisherige Erkenntnisse zu den Folgen der COVID-19-Pandemie auf die Textilindustrie zusammen, um eine Orientierungshilfe für Mitglieder des Bündnisses für nachhaltige Textilien zu bieten. Besonderes Augenmerk wird dabei auf menschenrechtliche Auswirkungen und Risiken gelegt. Unter Berücksichtigung einschlägiger normativer Leitdokumente zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht werden Handlungsempfehlungen für Marken- und Einzelhandelsunternehmen am Ende der Lieferkette abgeleitet. Sie zeigen vor allem die Notwendigkeit, die menschenrechtliche Sorgfalt systematisch in den eigenen Einkaufs- und Managementpraktiken zu verankern.

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Scheper, Christian / Vestena, Carolina

Die Pandemie offenbart die Defizite des transnationalen Menschenrechtsschutzes: Ein Plädoyer für eine Konfliktperspektive auf globale Lieferketten

Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung (2020)

Die Corona-Pandemie hat zu massiven Disruptionen globaler Lieferketten geführt und damit die Exportökonomien vieler Produktionsländer existenziell getroffen. Besonders dramatisch ist dies für die Arbeiter:innen am Anfang der Wertschöpfungskette. Die Verletzungen international anerkannter sozialer und ökonomischer Rechte in globalen Lieferketten sind heute massiver als vor der Krise und offenbaren ein weitreichendes Konfliktpotenzial. Der Beitrag verdeutlicht diese Situation beispielhaft für Brasilien und Indien und problematisiert auf dieser Grundlage globale Lieferketten als Thema der Friedens- und Konfliktforschung. Lieferketten sind Räume politischer Auseinandersetzungen um materielle und ideologische Bedingungen der Produktion, die durch eine Vielzahl institutioneller Kontexte und Akteure mitgestaltet werden. Ein umkämpfter Gegenstand ist dabei der mangelnde Arbeits- und Menschenrechtsschutz. Der dominante Weg zur Adressierung dieses Mangels sind die Institutionen und Praktiken der transnationalen privaten Governance durch Standards, Zertifizierung, Monitoring und Audits. In der Pandemie offenbaren diese ohnehin lückenhaften Ansätze, dass sie gerade in Krisenzeiten ungeeignet sind, um grundlegende Arbeits- und Menschenrechte zu sichern und bestehende Konflikte zu befrieden. Der Beitrag betont abschließend die Verbindung zwischen globalen Lieferketten und lokalen Konflikten und plädiert für eine Forschungsagenda zu „Lieferketten und Konflikt“.

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Sondermann, Elena

Globale Gesundheitspolitik zwischen Anspruch und Widersprüchlichkeiten

Aus Politik und Zeitgeschichte 46-47/2020

Globale Gesundheitspolitik ist geprägt von Fragmentierung und Ungleichheiten. "Health for all" bleibt ein fernes Ziel. Die Covid-19-Pandemie rückt fehlende Steuerung, Einflussgefälle und konfligierende Ziele in die Öffentlichkeit, bietet aber auch Gelegenheit für Veränderungen. In einem Beitrag zur APuZ-Ausgabe "Weltgesundheit" zeichnet Elena Sondermann vor diesem Hintergrund Herausforderungen für global health governance nach.

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Sondermann, Elena / Ulbert, Cornelia

The Threat of Thinking in Threats: Reframing Global Health during and after COVID-19

Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung (2020)

Narrative und Metaphern prägen, wie Akteure die Welt wahrnehmen und welche Handlungsspielräume für Politiker*innen möglich erscheinen. Das Bild des Krieges und das Narrativ der nie dagewesenen Bedrohung durch COVID-19 vermitteln wirkungsvoll die Dringlichkeit der Situation. Damit sind aber auch schwerwiegende Folgen verbunden: Ein Denken in Kategorien von „Gesundheitsgefahren“ geht mit einer Logik des Ausnahmezustands einher, die Vorstellungen von „uns“ gegen einen „Feind“ befördert. Dadurch werden komplexe Kausal- und Verantwortungsketten unzulässig verkürzt und eine rein nationale Vorgehensweise privilegiert. Das schafft jedoch keine normative Grundlage für langfristige, systemische Herangehensweisen. Im vorliegenden Beitrag setzen wir uns kritisch mit Narrativen globaler Gesundheitssicherheit auseinander und diskutieren, wie die „Handlungslogik des Ausnahmezustands“ die derzeitigen Reaktionen auf COVID-19 prägt und begrenzt. Wir skizzieren ein alternatives Narrativ, das sich auf die „Logik von Solidarität“ stützt, und zeigen, dass damit politische Vorgehensweisen einher gehen werden, die einen nachhaltigeren und letztendlich gerechteren Umgang mit übertragbaren Krankheiten ermöglichen.

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