Felix Maximilian Gerach
„Ich könnte mir ehrlich gesagt keine bessere Promotionsstelle vorstellen.“
„Mein Herz schlägt fürs Gehirn!“
Eigentlich wollte Felix Gerach vor allem Arzt werden. Heute steht er neben dem Medizinstudium oft bis spätabends im Labor und erforscht einen der aggressivsten Hirntumoren, das Glioblastom. Im Interview erzählt er, warum ihn gerade die Verbindung aus Klinik und Wissenschaft so begeistert, weshalb hitzige Datendiskussionen für ihn „echte Hardcore Science“ sind – und wie ihn die Forschung endgültig gepackt hat.
(von Janina Balzer)
Felix, du stehst neben dem Medizinstudium oft bis spätabends im Labor. Was begeistert dich so sehr an Forschung?
Vor allem dieses Gefühl, Teil von etwas wirklich Relevantem zu sein.
Gleichzeitig macht mir das wissenschaftliche Arbeiten einfach unglaublich Spaß. Wir beschäftigen uns ständig mit neuen Fragen und suchen gemeinsam nach Antworten.
Wolltest du schon immer in die Forschung?
Überhaupt nicht. Zu Beginn wollte ich eigentlich „nur“ Medizin studieren und Arzt werden. Die Laborarbeit im Studium hat mich anfangs eher wenig begeistert.
Und dann ist der Funke trotzdem übergesprungen?
Ein bisschen zufällig. Nach dem Physikum hat mich ein Dozent aus der Herzinfarktforschung angesprochen und mir die Option gegeben, bei ihm eine Promotion zu beginnen. Also habe ich mir sein Labor angeschaut.
Plötzlich hat mir Laborarbeit richtig Spaß gemacht. Ich habe gesehen, wie wichtig und spannend Forschung eigentlich ist. Ich habe aber auch gemerkt: Mein Herz schlägt fürs Gehirn. Also habe ich mich in der Neuroonkologie vorgestellt und dort als studentische Hilfskraft angefangen – und da hat es wirklich Klick gemacht.
(Bild: UDE/Fabian Strauch)
Was fasziniert dich an der Neuroonkologie besonders?
Die Verbindung aus Klinik und Forschung. Wir arbeiten am aggressivsten Hirntumor im Erwachsenenalter, dem Glioblastom. Die Prognose für Betroffene ist nach wie vor schlecht – ein echter Durchbruch in der Behandlung fehlt bisher leider. Deshalb ist die Suche nach neuen Therapieansätzen so wichtig.
Sich das in der Klinik zu vergegenwärtigen und diese Fragestellungen ins Labor zu übertragen, um vielleicht irgendwann Türen für Behandlungen zu öffnen – das motiviert mich total.
Ich könnte mir ehrlich gesagt keine bessere Promotionsstelle vorstellen.
Wie sieht dein Alltag zwischen Studium und Forschung aus?
Ziemlich intensiv. Das heißt oft: morgens Uni, davor und danach Labor, manchmal bis 22 Uhr. Die Tage sind lang, aber sie gehen unglaublich schnell vorbei.
Manche Tage verbringe ich durchgehend im Labor und mache Experimente, an anderen sitze ich am Schreibtisch, werte Daten aus oder lese Studien und an manchen kommt alles zusammen.
Diese Welt begeistert mich einfach. Ich arbeite mit unglaublich klugen Menschen zusammen, oft auch in internationalen Teams. Das ist schon etwas Besonderes.
„Diese Welt begeistert mich einfach.“
© UDE/Fabian Strauch
„Ich bin jeden Tag mit Herzblut dabei.“
© UDE/Fabian Strauch
Welche Momente machen für dich die Forschung besonders spannend?
Richtig intensive Meetings.
Da sitzen Professor:innen, die seit Jahrzehnten forschen, gemeinsam mit Doktorand:innen wie mir am Tisch und jede Meinung zählt. Wenn dann hitzig über Daten diskutiert wird und alle gemeinsam versuchen, ein Problem zu lösen, merke ich oft: Das ist gerade echte „Hardcore Science“ und genau das macht Spaß.
Nach solchen Meetings ist die Luft im Raum komplett verbraucht und gleichzeitig ist der Kopf voller neuer Ideen. Solche Momente beflügeln mich total.
Was macht dir im Laboralltag besonders viel Spaß?
Wenn wir mit mehreren Leuten zusammen an der Workbench stehen, nebenbei Musik läuft und wir gemeinsam arbeiten und lachen, entstehen oft richtig schöne Momente.
Diese Mischung aus wissenschaftlicher Neugier und Teamgefühl macht Forschung für mich besonders.
Forschung klingt oft nach großen Durchbrüchen. Gibt es auch schwierige Phasen?
Auf jeden Fall. In der Wissenschaft braucht man eine hohe Frustrationstoleranz. Vieles funktioniert nicht auf Anhieb, weil man Fehler macht oder Experimente fehlschlagen. Manchmal wird auch im Labor laut geflucht, wenn gerade mal alles schiefläuft. Aber das gehört dazu.
Felix kurz vor dem Beginn einer Glioblastom-OP.
Felix verarbeitet das Probenmaterial aus dem OP an der Workbench im Labor und gibt der aus dem Knochenmehl gewonnenen Zellkultur der Immunzellen eine Nährstofflösung.
Was motiviert dich trotzdem, dran zu bleiben?
Die Momente, in denen plötzlich etwas klappt, tragen einen durch die schwierigeren Phasen. Genauso wie das Team und natürlich die Begeisterung für unser Thema.
Als Neuling dieses wissenschaftliche Leben zu erlernen, das ist total aufregend!
Was macht die Promotion für dich so besonders?
Es gibt immer wieder diese Aha-Momente, wenn man Daten plötzlich anders versteht oder jemand einen neuen Blickwinkel reinbringt. Das ist für mich das Spannendste.
Und manchmal entstehen daraus sogar Ansätze, die am Anfang fast ein bisschen unwahrscheinlich wirken. Genau das macht Forschung für mich so faszinierend.
Felix Gerach studiert Medizin und promoviert in der Translationalen Neuroonkologie.
In seiner Forschung beschäftigt er sich mit neuartigen immunonkologischen Ansätzen bei Hirntumoren, insbesondere dem Glioblastom. Am Universitätsklinikum arbeitet er an einem neuen Ansatz, um tumorreaktive Immunzellen aus dem Schädelknochen zu gewinnen – unter anderem aus sogenanntem „Knochenmehl“, das bei Operationen entsteht und bislang ungenutzt blieb. Ziel seiner Arbeit ist es, diese Zellen besser zu verstehen und langfristig für neue immuntherapeutische Strategien nutzbar zu machen.
Weitere Informationen:
Felix möchte wichtige Erkenntnisse für die Krebsforschung gewinnen und setzt dabei auf eine ungewöhnliche Quelle, den Operations-„Bohrstaub“: Forschung fasziniert! Was im OP entsorgt wird, hilft der Krebsforschung.
Felix Maximilian Gerach, Translationale Neuroonkologie, Felix.Gerach@uk-essen.de
Redaktion: Janina Balzer, janina.balzer@uni-due.de