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Smarte Küche

Eieruhr war gestern

  • von Ulrike Bohnsack
  • 15.08.2019

Zutaten rein, Knopf drücken: Warum sollten wir automatisiert kochen? Fragen an den Digital-Experten Professor Tobias Kollmann.

Herr Kollmann, wie digital ist Ihre Küche?
Wenn ich an Geräte wie Herd, Kühlschrank und Küchenmaschine denke, dann ist sie schon digitaler, als man denken mag. Und die Entwicklung wird weitergehen! Der vernetzte Kaffeeautomat, der mit einer App steuerbare Eierkocher, der programmierbare Toaster und so weiter. Wir sehen gerade erst den Beginn eines Internet of Things, bei dem alle Alltagsgegenstände mit dem Web verbunden und miteinander vernetzt werden.

Können wir nicht mehr selbst denken?
Doch, werden wir auch in Zukunft können, aber mit Hilfe einer ganz anderen digitalen Entscheidungs- und Unterstützungsmöglichkeit. Beispiel: Wir finden im Internet ein Rezept, das direkt zum Nach­kochen mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung auf ein Küchengerät übertragen wird. Gleichzeitig teilt mir der Kühlschrank aufgrund eines Barcode-Scans der dort vorhandenen Lebensmittel per SMS mit, dass dafür nicht alle Zutaten da sind. Mit einem einfachen Klick bestelle ich diese und lasse sie rechtzeitig nach Hause liefern. So wird nicht nur das Kochen smart, sondern auch ich selbst.

Kochen ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Warum sollten wir dafür plötzlich WLAN brauchen?
Die Digitale Transformation macht eben auch vor der Küche nicht halt. Wo früher die Kochzeit noch mit einer Eieruhr gemessen wurde, übernimmt dies heute ein intelligenter Herd. Er steuert die Herdplatte direkt und verhindert damit vielleicht das Überkochen. Wer schon mal eine verbrannte Pizza seiner Kinder im Ofen hat entdecken und riechen müssen, der weiß eine eingebaute Sensorik zu schätzen, die eine Warnmeldung an die WhatsApp-Familiengruppe sendet.

Angeblich bringt die smarte Küche mehr Zeit fürs Kochen. Wie das?
Ganz einfach: Statt alle Zutaten selbst zu zerhacken, erledigt eine rezeptgesteuerte Küchenmaschine dies für mich, und zwar in der entsprechenden Reihenfolge. Die Automatisierung und Unterstützung in der Küche schafft Freiraum. Vielleicht bleibt dann mehr Zeit, um schon neben dem Kochen eine schöne Flasche Wein aufzumachen und nicht erst zum Essen.

Was bringt die Digitalisierung den Großküchen und Kochprofis?
Für Großküchen sicherlich viel, wenn es um das automatisierte Kochen großer Mengen bei gleichem Standard geht. Bei den Profis bleibt es dagegen vielleicht nur eine partielle Unterstützung einzelner Kochschritte. Hier stehen die persönlichen, kreativen Nuancen außerhalb des eigentlichen Rezeptes mehr im Mittelpunkt.

Brutzeln wir künftig noch selbst? Oder sind Kochvollautomaten vielleicht schon ein Vorläufer des Kochroboters?
Digitalisierung bedeutet nicht, dass ein Erlebnis verloren geht bzw. verloren gehen muss. Wie in vielen anderen Bereichen muss es nicht ein ‚Entweder/Oder‘ sein, es kann ein sinnvolles Miteinander geben. Jeder wird für sich selbst entscheiden, wann er wie auf die digitalen Helfer zurückgreift. Ein Kochroboter, den es übrigens schon seit der Hannover Messe 2015 gibt, kann dann auch zum Kochpartner werden.

Wie realistisch ist es für Sie, dass unsere Nahrung aus dem 3D-Drucker kommt?
Wenn man ein Fan der Fernsehserie ‚Star Trek – The Next Generation‘ ist, dann ist man gedanklich schon mit der Replikator-Technologie groß geworden. Und auch jenseits dieser Zukunftsvision gibt es schon jetzt die ersten Foodtech-Anwendungen mit dem 3D-Druck. Wer das gut finden wird, wonach das schmecken wird, und wie wir überhaupt einen Genuss wahrnehmen oder definieren werden, das werden nicht wir entscheiden, sondern das wird die nächste Generation tun. Ob dann die guten alten Fritten immer noch angesagt sein werden statt oder neben einem ausgedruckten Saibling unter Maronenkruste? Wer weiß das heute schon …

 

Zur Person:
Tobias Kollmann (49) ist Professor für E-Business und E-Entrepreneur­ship. Er gilt als einer der führenden Experten auf diesem Gebiet, hat zahl­reiche Start-ups in der Net Economy unterstützt und leitet außerdem den Beirat Junge Digitale Wirtschaft (BJDW). Dieser berät das Bundeswirtschaftsministerium in Digitalfragen.

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