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Wie man Wissenschaft beim Kochen erklärt

Der Leckerwisser

  • von Julia Uehren
  • 15.08.2019

Forscher an den Herd!, findet Argang Ghadiri. In seiner Online-Kochshow brutzelt er mit ihnen gemeinsam für Hirn und Gaumen.

Herr Ghadiri, sind Sie Wissenschaftler oder Koch? Oder doch eher Moderator?
Ich würde mich am ehesten als Wissenschaftskommunikator bezeichnen. In meine Sendung „Wissen schmeckt“ auf YouTube lade ich Forscher*innen ein, um mit ihnen über ihre Arbeit zu sprechen. Allerdings nicht an der Uni, sondern bei mir in der Küche, vor der Kamera. Wir bereiten zum Beispiel Labskaus zu und erklären die chemischen Prozesse des Haltbarmachens. Dabei steht die Wissenschaft für mich im Vordergrund. Sie hat es verdient, schmackhaft gemacht zu werden – genauso wie Rosenkohl oder Spinat.

Rosenkohl??
Ah doch, gegrillt ist der super toll! Auf dem Backblech mit ein bisschen Parmesan, Speck, Knoblauch, Olivenöl und Balsamico ... Da konnte ich so manchen überzeugen.

Wie wird man Wissenschaftskoch?
Indem man für beide Themen brennt, lernen kann man das nicht. Ich habe immer viele Ideen im Kopf, aber bei dieser einen war alles so rund, dass ich sie einfach umsetzen musste. Es macht unheimlich viel Spaß.

Den Zuschauern offenbar auch: Das Video „Physik der Nudel“ mit Professor Thomas Vilgis hat über 1.300 Aufrufe. Wer sind Ihre Gäste?
Knapp 30 Forscher*innen waren bereits hier, wie zum Beispiel Thomas Vilgis. Er ist Molekularphysiker am Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Vor der Kamera präsentierte er, wann Pasta eigentlich al dente ist, und erklärte dabei die physikalischen Zusammenhänge von weicher und harter Materie an einer Nudel. Oder von der UDE war Professor Tobias Kollmann zum Thema Digitalisierung da. Wir haben mit dem Thermomix gekocht und gezeigt, wie digital die Küche werden kann und welche Geschäftsmodelle aus betriebswirtschaftlicher Sicht dahinterstecken. [Anmerkung d. Redaktion: siehe auch S. 22]

Viele Gäste kommen über den Springer-Verlag, der auch ein Buch mit den Themen und Rezepten zur Sendung rausgebracht hat. Wir holen die Wissenschaftler*innen zu uns ins Studio – oder besser gesagt an den Herd – und lassen sie persönlich über ihre Themen referieren. Die können das viel besser erklären als Außenstehende. Das finde ich in der Wissenschaftskommunikation wichtig.

Was gehört noch zum „Rezept“?
Eine Leidenschaft fürs Kochen und Forschen bringen alle Gäste von sich aus mit. Ich trage in meiner Rolle dazu bei, dass das Ganze ein Schema hat, und bringe eine gewisse Art von Unterhaltung mit rein. Alles andere entwickelt sich eigentlich erst, wenn die Kamera eingeschaltet ist.

Hat das Studium Sie darauf vorbereitet?
Sehr gut! Die Leidenschaft für Theorien und Abstraktes, sich Inhalte selbst zu vergegenwärtigen und zu verstehen, dazu hat die Uni einen großen Teil beigetragen, durch Professor*innen, die etwas toll erklären und einen Anwendungsbezug herstellen. Ich glaube, da gibt es an der UDE wirklich sehr, sehr gute Leute. Diese Begeisterung ging dann irgendwann über. Bei mir halt in Kombination mit kochen. (lacht)

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Als Wissenschaftler? Artikel lesen, schreiben, E-Mails beantworten, Telefonate führen, Vorträge und Vorlesungen vor- und nachbereiten, Abschlussarbeiten und Klausuren korrigieren. Und dann arbeite ich an meiner Promotion. Gesundheitsmanagement ist das Oberthema.
Es geht vor allem um Arbeitspausen und wie sie im ökonomischen Kontext sinnvoll eingesetzt werden.

Ein Produktionstag für ‚Wissen schmeckt‘ sieht da ganz anders aus: Lebensmittel einkaufen, Prof vom Bahnhof abholen, gemeinsam den Sendeablaufplan durchgehen und besprechen, was es zu essen gibt, kochen, reden, Spaß haben, essen, ein Glas Wein trinken. Den Rest macht das Filmteam.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Weiterhin hoffentlich in Forschung und Lehre. Im Idealfall mit einer Professur, das würde ich mir wünschen.

Auch das Kochen werde ich beibehalten, ob vor oder hinter der Kamera, werden wir sehen. Mit einem Nobelpreisträger würde ich zum Beispiel gerne mal kochen oder mit Alfred Biolek, er war mein Vorbild für die Sendung. Ich kann mir schon vorstellen, dass „Wissen schmeckt“ noch professioneller wird, aber das eher perspektivisch. Das Ganze soll seinen Hobbycharakter behalten.

 

Zur Person:
Argang Ghadiri (34) ist der kreative Kopf hinter und vor der Kamera von ‚Wissen schmeckt‘. 2016 gestartet, wurden bis jetzt knapp 40 Folgen auf YouTube veröffentlicht. Ghadiri ist Wissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, dort studierte er auch BWL. Seinen Master erlangte er an der UDE, wo er nun in der Allgemeinen BWL promoviert. Die 15-minütigen 
Sendungen gibt es auf www.wissenschmeckt.de, die Themen und Rezepte zum Nachlesen und -kochen im gleichnamigen Buch.

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