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Ausstellung zur Wahlbeteiligung in NRW

Nichtwähler: arm und abgehängt

von Ulrike Bohnsack | 08.05.2017 | Campus|Presseinfo

Immer mehr Bürger gehen nicht wählen. Das gefährdet die Demokratie. Da vor allem Menschen in armen Wohnvierteln darauf verzichten, ihr Kreuz zu machen, wird Politik schließlich für die Bessergestellten gemacht. Wie sich die soziale Schieflage einer Kommune auf die Wahlbeteiligung auswirkt, zeigt eine Posterausstellung am Beispiel von sechs NRW-Großstädten. Sie ist ab sofort bis zum 6. Juni in der Duisburger Unibibliothek zu sehen.

 

Aachen, Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Köln und Oberhausen: Für diese Städte haben die UDE-Wissenschaftler vom Jean-Monnet-Lehrstuhl für Europäische Integration und Europapolitik jeweils Daten ausgewertet und grafisch aufbereitet. Dabei haben sie auf die Stimmabgaben bei verschiedenen Landtagswahlen geschaut wie auch auf soziale Merkmale wie Einkommen oder Wohnverhältnisse.

 

Für alle Städte lässt sich festhalten: In Stadtteilen mit niedriger Wahlbeteiligung ist die Arbeitslosigkeit um ein vielfaches höher als in Vierteln mit hoher Stimmabgabe; Mietskasernen säumen die Straßen, viele Migranten und Jüngere leben hier, und die Kaufkraft ist deutlich niedriger.

 

„In den abgehängten Stadtteilen findet Politik häufig kaum noch statt, weil auch Parteien diese Gegenden vernachlässigen. Die Menschen dort fühlen sich ausgeschlossen“, erklärt Joel Wächter, der an der kleinen Ausstellung mitgewirkt hat. „Dass viele folglich nicht wählen gehen, ist mehr ein Nicht-Können als ein Nicht-Wollen.“

 

Somit gibt es zwar keine rechtliche, aber dennoch eine immense faktische Hürde, sich an Wahlen zu beteiligen. Und das ist ein Problem: Ist nicht ein Grundgedanke moderner Demokratien, dass die Stimme eines jeden Wählers gleich viel gilt?

 

Die Schieflage ist übrigens in ganz Europa zu beobachten: Politik wird nicht fürs Volk gemacht, sondern für die Wählenden.

 

Weitere Informationen:
http://regierungsforschung.de/kategorie/kaeding-die-soziale-schieflage-der-wahlbeteiligung

Joel Wächter, Stefan Haußner; Jean-Monnet-Lehrstuhl für Europäische Integration und Europapolitik, Tel. 0203/379-3608, joel.waechter@uni-due.de; stefan.haussner@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/379-2429