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IAQ untersuchte Motive und Strategien

Rentnerarbeit im Betrieb

  • von Claudia Braczko
  • 22.05.2017

Über eine Million Rentner arbeiten derzeit in Betrieben. Sie gelten als zuverlässige und flexible Gelegenheitsarbeitskräfte mit oft guten Qualifikationen und langer Berufserfahrung. „Dies spart zwar Personalkosten, doch es ist keine nachhaltige Lösung“, warnt das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE). Langfristig riskiert man Nachwuchsprobleme und Wissensverlust im Betrieb.

Die IAQ-Forscherinnen Jutta Schmitz und Lina Zink werteten im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) Mikrozensusdaten aus und führten betriebliche Fallstudien durch. Paradox ist, dass hochqualifizierte Ruheständler oft einfache Jobs, Hilfstätigkeiten oder Aufgaben mit geringer Verantwortung übernehmen. Ihre Beweggründe sind soziale Kontakte, Freude an der Arbeit, geistige Fitness, aber auch das Halten des Lebensstandards oder das Aufstocken der Urlaubskasse. Jeder Dritte ist gezwungen zu jobben.

Vor allem Teilzeit- und Mini-Jobs

Etwa die Hälfte der arbeitenden Rentner ist selbständig tätig. Weit verbreitet sind Teilzeit und Minijobs, 70 Prozent der abhängig Erwerbstätigen sind geringfügig beschäftigt. Ungünstige Arbeitszeiten werden dabei möglichst vermieden, es besteht hohes Interesse, die Arbeit mit der Freizeit zu vereinbaren. Vor allem in kleinen Betrieben ist die Zusammenarbeit auf Dauer angelegt: hier waren die Rentner häufig seit zehn oder mehr Jahren angestellt.

Für die Betriebe sind die weiterhin einsatzbereiten Rentner ein flexibler Personalpuffer, die das tägliche Geschäft entlasten und helfen, Auftragsspitzen abzuarbeiten. Hier spielt auch der Wissenserhalt und die Kundenbindung eine Rolle: Man kennt die Gesichter, auch wenn sich ihre Position ändert. Häufig arbeiten sie auch für vergleichsweise wenig Geld ihre Nachfolger ein. Gefragt sind ihre Fachkenntnisse, Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Disziplin.

„Nachwuchslücken lassen sich allerdings mit der Beschäftigung von Ruheständlern immer nur auf Zeit schließen“, warnen die IAQ-Forscherinnen. Vielen gehe es eher um „Tätigsein“ und einen kleinen Zuverdienst, ihr Personaleinsatz lässt sich nicht strategisch im Betrieb einplanen. „Die Hoffnung, so dem Fachkräftemangel zu begegnen, wird unerfüllt bleiben. Dafür stimmen weder die Erwartungen, die die Rentner an ihre weitere Erwerbstätigkeit stellen, noch das Arbeitsplatzangebot der Betriebe!“

Weitere Informationen:
Jutta Schmitz, Tel. 0203/379-2254, jutta.schmitz@uni-due.de, Lina Zink,Tel. 0203/379-2196, lina.zink@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0157/71283308, claudia.braczko@uni-due.de

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