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Porträtbild Stefanie Schäfer
© UDE/Bettina Engel-Albustin

Vorgestellt: Stefanie Schäfer

„Wir haben zwei Zuhause“

  • von Ulrike Bohnsack
  • 21.03.2022

Viele Jahre leitete Stefanie Schäfer in Spanien eine Sprachschule. Mit vollbepacktem Wohnwagen und mit Familie kehrte sie letztes Jahr ins Ruhrgebiet zurück. Aus gutem Grund, wie sie uns erzählt.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Schäfer! Sie haben kurz vor Weihnachten Ihre letzte Referendariats-Prüfung gehabt. Jetzt sind Sie Lehrerin für das deutsche Schulsystem. Und mit 40 erstmals so richtig vom Land angestellt. Ein Personaler würde sagen: Ganz schön spät! Was sagen Sie?
Stimmt, nach klassischen Vorstellungen war mein Weg nicht gradlinig. Aber alles, was ich in meinem Leben bisher entschieden habe, hat mich schlauer gemacht und mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Von daher werden Sie von mir niemals den Satz hören: Rückblickend hätte ich besser dieses und jenes getan.

Sie sind auf Umwegen zum Studium gekommen?
Ja. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Nach der Realschule habe ich Fachabi gemacht, eine Banklehre begonnen und mittendrin wieder abgebrochen, um mein Vollabi nachzuholen. Denn in mir war der Wunsch gereift zu studieren – Politikwissenschaften! 2004 im Herbst habe ich mich für den Diplomstudiengang eingeschrieben. Ein Semester später habe ich gewechselt: Spanisch und Sowi auf Lehramt, Sek II. Mein erstes Staatsexamen habe ich dann 2012 abgelegt.

Also nach 14 Semestern.
Richtig. Studieren ist anstrengender, wenn man zusätzlich arbeiten muss. Ich habe nebenher bei der Caritas in Oberhausen unterrichtet. Außerdem war ich ein Semester als Erasmus-Stipendiatin in Huelva, das ist in Südandalusien. Es war toll. Das Leben dort ist so vollkommen anders, so viel lockerer; Uhrzeiten interessieren nicht. Ich habe mich in das Land verliebt, und das hat mich im Studium richtig vorangebracht. Ich kann allen Studierenden nur raten, unbedingt ins Ausland zu gehen. Egal, wohin. Man wächst sehr daran.

Haben Sie gerne studiert?
Auf jeden Fall. Besonders an die Romanistik habe ich eine sehr schöne Erinnerung. Dort ging es sehr familiär zu, was mir geholfen hat. Denn als Arbeiterkind habe ich mich an der Uni zuerst etwas fremd gefühlt. Zu einigen Mitstudierenden und zu einer Dozentin, Dr. Pardellas, habe ich noch Kontakt.

Wie ging es nach der Uni weiter?
Zunächst habe ich mein Referendariat begonnen und nach einem Jahr aus familiären Gründen ausgesetzt. Als ich dann meinen Mann kennenlernte, bin ich ihm 2013 nach Castellón gefolgt, das ist eine Kleinstadt etwa 60 km von Valencia entfernt. Er hat dort seine Wurzeln und ist Grundschullehrer. Ich habe zunächst Deutschkurse gegeben und 2015 eine Sprachschule eröffnet für Spanier, die in Deutschland eine Ausbildung absolvieren wollten. Es gab da ein entsprechendes EU-Programm. Meine Schule war sehr erfolgreich. Familiär war es allerdings schnell sehr fordernd. Denn der Unterricht fand immer erst ab nachmittags statt, und 2016 kam unser Sohn zur Welt. Nach der Geburt unserer Tochter, im Sommer 2019, war klar: So geht es nicht weiter. Also habe ich kurz darauf im Oktober die Sprachschule verkauft. Eine glückliche Fügung.

Warum?
Weil wenige Monate später die erste Coronawelle anfing, und die war in Spanien sehr hart, für viele Familien auch finanziell schwierig; große staatliche Unterstützung gab es nicht. Mein Mann hatte da bereits unbezahlte Elternzeit genommen für drei Jahre. Es ist übrigens nicht so, dass in Spanien die Arbeitswelt familienfreundlicher ist als in Deutschland. Im Gegenteil. 2020 hatten wir dann viel Zeit zu überlegen, wie es weitergeht. Irgendwann fragte mich mein Mann: Willst du nicht dein Referendariat fortsetzen? So sind wir schließlich mit vollbepacktem Wohnwagen im Frühjahr 2021 in Duisburg gelandet.

Haben Sie jetzt Ihren Traumjob?
Ja! Ich wollte Lehrerin werden, das war ich natürlich auch schon vorher, aber jetzt eben mit einer Ernennungsurkunde des Landes NRW. Ich habe seit diesem Januar eine volle Stelle an der Europaschule Rheinberg; die passt von der Ausrichtung gut zu mir.

Was sind Ihre nächsten Pläne?
Unser Glück ist, dass wir zwei Zuhause haben. Leider liegen sie über 1.700 Kilometer voneinander entfernt. Pendeln ist da schlecht möglich. Mein Mann und ich werden bald abwägen müssen, in welchem Land es unserer Familie am besten geht, und eine Entscheidung treffen. Klar, Lehrkräfte in Spanien sind schlechter bezahlt, aber Geld ist nicht alles. Mein absoluter Traum wäre der: über den Winter hinweg ein halbes Jahr in Spanien sein und die restliche Zeit in Deutschland, denn die Sommer sind hier nicht so furchtbar heiß. Wer weiß, wo wir in fünf Jahren sind? 
                                                                                                              

Stefanie Schäfer
... ist in Moers geboren und aufgewachsen. Die heute 40-Jährige ist mit einem Spanier verheiratet, mit ihm hat sie zwei Kinder (2 und 5 Jahre).
Stefanie Schäfer ist entscheidungsfreudig: Die Fachabiturientin beginnt eine Banklehre, wirft hin, um Vollabi zu machen und entdeckt dabei ihr Faible für Spanisch. Ab 2004 studiert sie an der UDE und schließt 2012 das Lehramtstudium Spanisch und Sowi ab. Mitten im Referendariat geht sie 2013 nach Südspanien – u.a. der Liebe wegen. Ab 2015 leitet sie in Castellón ihre eigene Sprachschule. 2019 verkauft sie das kleine Unternehmen und ist „zwei Jahre mal nur Mami“. 2021, nach acht Jahren Pause, beendet Stefanie Schäfer erfolgreich ihr Referendariat. Sie lebt mit ihrer Familie in Duisburg und ist Gesamtschullehrerin am Niederrhein.

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