© Fabian Strauch/UDE

Neu an UDE/UK Essen: Barbara T. Grünwald

Organisationskünstler Krebs

Tumoren kämpfen für ihr Leben gern: Der Krebs versorgt und verändert sich stetig. Damit kann er sich der Überwachung des Körpers sowie vielen Therapien entziehen. Dr. Barbara T. Grünwald, neue Professorin für Tumorheterogenität und Translationale Systembiologie an der Medizinischen Fakultät der UDE, beschreibt die Überlebensstrategie der Krebszellen. Sie entwickelt neuartige Krebstherapien am Westdeutschen Tumorzentrum Essen des UK Essen.

In Deutschland leiden mehr als 4,6 Mio. Menschen an Krebs. Pro Jahr kommen über 500.000 neue Fälle hinzu. Die Hälfte von ihnen hat Tumoren in Brust, Dickdarm, Lunge oder Prostata; die Häufigkeit von Brust- und Prostatakrebs ist geschlechtsbedingt stark unterschiedlich, bei der Lunge trifft es Männer deutlich häufiger.

Krebserkrankungen sind in Deutschland die zweithäufigste Todesursache – das ist Anlass für die Forschungsfrage: Warum ist der Krebs so wandlungs- und widerstandsfähig? „Tumoren passen sich verschiedenen Gegebenheiten an. Das gilt sowohl für die Region des Organismus, auf die sie während der Metastasierung treffen, als auch für biologische und therapeutische Widrigkeiten. Tumorgewebe sind ein komplexes, adaptives Netzwerk, das sich in hohem Maß selbst organisiert. Das haben wir bisher nicht angemessen erfasst“, sagt Professorin Grünwald. Zu diesem Netzwerk zählt neben den Tumorzellen auch eine diverse Vielzahl an Zellen des Bindegewebes sowie des Immunsystems.

Professorin Grünwald möchte am UK Essen ein tieferes Verständnis vom Aufbau des Tumorgewebes gewinnen. „Die Zusammensetzung und Funktion des Gewebes variiert in verschiedenen Bereichen desselben Tumors erheblich. Diese Organisationseinheiten vermitteln wichtige Eigenschaften eines Tumors: schnelleres Wachstum, aggressive Ausbreitung, Therapieresistenz. So erhält jeder Tumor sein spezifisches klinisches Profil. Wir wollen verstehen, wie die unzähligen Komponenten im Gewebe der Tumoren aufeinander einwirken und so diese Funktionen vermitteln. Erst dann werden wir das maligne Verhalten effektiv begreifen und manipulieren können“, so die UDE-Wissenschaftlerin.

Nach einem Studium der Molekularen Biotechnologie (2005-2011) wurde Barbara Grünwald 2016 an der Technischen Universität München mit Auszeichnung promoviert. Danach forschte sie in Kanada am Princess Margaret Cancer Centre (Toronto) – zunächst als Postdoc (2017-2022), dann als Affiliate Scientist (2022/23). Sie hat dort weiterhin eine Stellung als Adjunct Scientist inne (seit 2023).

Weitere Informationen:
Prof. Dr. rer. nat. Barbara T. Grünwald, Westdeutsches Tumorzentrum Essen, Tel. 0201/86535 barbara.gruenwald@uk-essen.de

Redaktion: Alexandra Nießen, Tel. 0203/37 91487, alexandra.niessen@uni-due.de

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