E-Learning-Netzwerktag 2020

5. E-Learning-Netzwerktag

Der E-Learning-Netzwerktag 2020 hat den Lehrenden und Studierenden der Universität Duisburg-Essen die Möglichkeit geboten, sich über Erfahrungen mit der Digitalisierung in Studium und Lehre auszutauschen und neue Impulse für das eigene Lehren und Lernen gegeben. Gerade, weil das digitale Sommersemester und die damit zusammenhängende 'Erprobungszeit' vorausgegangen, haben wir vermehrt einen Redebedarf über die Zukunft des digitalen Lehrens und Lernens sowie über das anstehende Semester wahrgenommen.

Im Rahmen des 5. E-Learning-Netzwerktags wurden unter dem Motto "Diversität und gesellschaftliche Verantwortung" spannende Inhalte und Vorträge präsentiert und diskutiert.
 

Allgemeine Begrüßung und Vorstellung der E-Learning-Koordination

Durch den Netzwerktag führte als Moderatorin Dr. Anke Petschenka (UB), die die Teilnehmer*innen als erste begrüßte und in das Programm einführte. Zu Beginn stellte sich die E-Learning-Koordinatorin Marianne Wefelnberg vor und erläuterte ihren Tätigkeitsbereich. Dieser umfasst in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der E-Learning-Allianz unter anderem die Begleitung von laufenden E-Learning-Projekten und -Maßnahmen, die Unterstützung neu entstehender Projekte und die Vernetzung der E-Learning-Interessierten sowie den bereits aktiven Akteuren an der UDE. Bei Fragen und Anliegen rund um das Thema E-Learning und Digitalisierung in Studium und Lehre können sich Lehrende und Studierende der UDE an sie wenden.

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Begrüßung Prof. Dr. Isabell van Ackeren

Die Prorektorin für Studium und Lehre, Frau Prof. Dr. Isabell van Ackeren, begrüßt die Teilnehmer*innen des E-Learning-Netzwerktages. Sie verweist darauf, dass die Digitalisierung in Studium und Lehre an der UDE nicht erst seit Corona-Zeit Relevanz besitzt und mit dem 5. E-Learning-Netzwerktag ein kleine Jubiläum zu feiern ist. Der Fokus liege dabei vor allem auf die Verbindung von Online- und Präsenzlehre (Blended Learning) und darum, den Studierenden das Beste aus beidem bieten zu können. Dieses Jahr, so van Ackeren, sei die Universität Duisburg-Essen durch die Pandemie vor besondere Herausforderungen gestellt worden, die jedoch mit großer Bereitschaft aufseiten aller involvierten Fakultäten, Serviceeinrichtungen, den Verwaltungen und den Fachschaften angegangen wurde. Sie dankt allen Akteuren ganz herzlich für ihr Engagement. Es sei wichtig, während der Pandemie, aber auch außerhalb davon, auf die Herausforderungen, die durch unterschiedliche Bedingungen sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden entstehen, einzugehen und Barrieren abzubauen, soziale Integration zu fördern und somit alle Beteiligten zu unterstützen.

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Begrüßung Prof. Dr. Barbara Buchenau

Die Prorektorin für Gesellschaftliche Verantwortung, Diversität und Internationales, Prof. Dr. Barbara Buchenau, begrüßt alle Teilnehmer*innen und stellt die Verbindung zwischen der Vielfalt und gesellschaftlichen Verantwortung und der Universität Duisburg-Essen her. Den hürdenarmen Zugang zu universitären Inhalten auch digital zu ermöglichen, ist, laut Prof. Buchenau, eine Herausforderung und die Teilnehmer*innen hätten mithilfe des Netzwerktags eine Möglichkeit, gemeinsam zu diskutieren, wie dies erfolgreich bewältigt werden könne. Weiter betont Buchenau, wie wichtig es ist, dass die Universität und auch der universitäre Werdegang in diesen Zeiten aufrecht und offen gehalten werden.

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Keynote Dr. Simone Adams

Ein besonderes Highlight dieses Netzwerktages war nicht zuletzt der Vortrag von Dr. Simone Adams, Mitarbeiterin am Zentrum für digitales Lehren und Lernen des Universität Graz, zum Thema „Digital Diversity – Ansätze zur digitalen Inklusion in der Hochschule“. Digitalisierung und Diversität sind, so Adams, Schlagwörter im Zeitalter von „Bildung 4.0“ und Querschnittsthemen in der Hochschulpolitik. Gerade, weil es gleichsam Herausforderungen und Chancen birgt, müsse man dem mit einem kritischen Bewusstsein begegnen und E-Learning-Angebote kompetenzorientiert und nicht defizitorientiert bereitstellen. Dazu gehöre, Menschen als komplexe Individuen mit verschiedenen Identitätskategorien anzusehen. Diese Kategorien könnten schließlich Einfluss darauf nehmen, wie die Lebensrealität von Menschen an der Hochschule aussieht. Im Anschluss daran gab Frau Adams kurze, jedoch nicht weniger prägnante Definitionen zu Inklusion und Diversität. So meint Inklusion die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, die sich nur auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen, sondern auf alle Menschen beziehen würde. Weiter müsse sich nicht der Lernende in ein bestehendes System integrieren, sondern müsse sich das Bildungssystem dieser Bedürfnisse anpassen. Inklusion begreife Vielfalt als Chance dafür und eben nicht als Probleme, die es zu überwinden gilt. Diversität wiederum schließe die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten von Menschen ein. Sichtbare und unsichtbare Merkmale, die uns Menschen konstituieren, sollten nicht als eindimensional, binär oder additiv betrachtet werden, sondern als intersektional, das heißt es gibt multiple Überlagerungen von verschiedenen Identitätskategorien. Im Umkehrschluss hieße das auch, dass Menschen mehrfach privilegiert und/oder benachteiligt sein könnten – verschiedene Arten der Diskriminierung stünden nicht in Konkurrenz zueinander und dürften somit nicht verwischt werden. Um dem zu begegnen, sei eine Selbstreflexion der eigenen Privilegien (auch: privilege awareness) und unbewusster Vorannahmen nötig. Anders könnten selbst harmlose Handlungen als Mikroaggressionen aufseiten der Benachteiligten wahrgenommen werden. Dafür bräuchte es stets kritische Fragen vor Semesterbeginn und einen offenen Umgang und Austausch mit allen Studierenden – man müsse proaktiv an Diversität herangehen. Schließlich würden nicht nur Menschen mit Behinderung von inklusiven Maßnahmen profitieren, sondern beispielsweise auch Menschen mit einer anderen Erstsprache, Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung, aber auch Menschen mit ganz individuellen Bedürfnissen. Wichtig zu betonen sei, dass Technik zwar als Motor für digitale Barrierefreiheit dient, dass Digitalisierung jedoch nicht Barrierefreiheit meint. Auch im digitalen Umfeld könnten Menschen (weiter) benachteiligt werden. Nachfolgend stellte Frau Adams praktische Beispiele aus dem Lehralltag vor, um digitaler Inklusion zu begegnen. Dazu gehörte beispielsweise, dass trans* Studierende, die Möglichkeit haben, beim Einloggen in das verwendete Videokonferenztool ihren Namen selbst einzutragen. Digitale Kommunikationsregeln in einer Lehrveranstaltung vorab gemeinsam mit den Studierenden zu definieren (z.B. Netiquette über Wortmeldungen), erleichtere es Menschen mit einer Hörbehinderung oder einer Konzentrationsschwäche der Veranstaltung gut folgen können. Zu Beginn und zum Abschluss ihres Vortrages lud Frau Adams zu einer angeleiteten Selbstreflexion hinsichtlich Diversität in der eigenen Lehrveranstaltung ein.

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Keynote Daniela de Wall-Kaplan

Daniela de Wall-Kaplan, die an der UDE in der Beratung bei Behinderung und chronischer Erkrankung im Studium tätig ist, spricht in ihrem Vortrag über die Bedeutung einer chronischen Erkrankung oder einer Behinderung für das Studium, die Lehre und den universitären Alltag. Gleich zu Beginn verdeutlicht sie, dass Chancengleichheit auch bedeutet, dass eine Aufgabenstellung – sei es geistig oder körperlich – nicht für alle Menschen gleich lösbar ist. Indem sie den Screenreader Jaws, eine Hilfe für Menschen mit einer Sehbehinderung, vorführt, zeigt sie auf, dass es zwar technische Lösungen für Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung gibt, dass diese Lösungen häufig jedoch noch nicht vollends entwickelt sind und eigene Herausforderungen mit sich bringen. Je nach Erkrankung oder Behinderung könne das für den Alltag von Studierenden wiederum bedeuten, dass sie z. B. morgens nicht rechtzeitig fertig werden können und somit häufiger zu spät kommen (oder aus Scham gar nicht mehr kommen), dass sie den Weg zur Universität nicht bewältigen können, dass sie chronische Schmerzen haben oder dass sie angewiesen sind auf Helfer*innen, Dolmetscher*innen oder Studienassistenzen. Trotz ihrer Erkrankungen würden sie im Umgang mit anderen Studierenden oder Lehrenden häufig auf wenig Verständnis stoßen. Das Lernen in der digitalen Welt bringe wiederum eigene Besonderheiten mit sich, z.B. eine andere Beanspruchung der Konzentration, des Körpers (z. B. der Augen), Herausforderungen bei sozialen Ängsten oder eine soziale Isolation. Nachteilsausgleiche, die beeinträchtigungsbedingte Benachteiligungen (sowohl körperlich als auch geistig) individuell und situationsbezogen kompensieren, gebe es zwar, z.B. in Form einer Schreibzeitverlängerung und Verlängerung der Vorbereitungszeiten, Verlängerung der Prüfungszeit oder Verlängerung von Fristen für Haus- und Abschlussarbeiten. Doch liege es laut Frau de Wall-Kaplan auch an den Lehrenden, für Chancengleichheit zu sorgen. Dabei sei zu betonen, dass Lehrende nicht alleine dastehen und sich beratende Unterstützung holen können – so gebe es an der UDE und auch außerhalb ein umfassendes Unterstützungsnetzwerk. Lehrende müssten keine Berührungsängste haben und für einen aktiven – gleichwohl sensiblen – Austausch sorgen. In der digitalen Welt könne das bedeuten, dass Lehrende beispielsweise Bedarfe zu Beginn einer Lehrveranstaltung und auch im Verlauf abfragen, dass sie die Möglichkeit des Austauschs der Studierenden bieten, virtuelle Sprechstunden abhalten oder asynchrone Veranstaltungen durchführen. Durch den Kontakt zu Studierenden mit besonderen Bedarfen, so Frau de Wall-Kaplan, könnten neue Perspektiven entstehen, die auch allgemein die Lehre und Kommunikation erleichtern können.

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Posterpräsentationen

Auch im Rahmen der Posterpräsentationen wurden viele interessante, auf E-Learning bezogene Themen und Projekte vermittelt. In insgesamt fünf Blöcken wurden die verschiedenen Themenbereiche und Projekte der Lehrer*innenbildung, digitale Services und Weiterbildung, Diversität und Inklusion sowie digitale Tools und Good-Practice-Beispiele behandelt.


Im ersten Block wurden Bildungs- und Förderungsmaßnahmen für das Lehramt von Prof. Dr. Florian Schacht vorgestellt, ein Tool (StuP digital) zur Veröffentlichung von Studienprojekten thematisiert, das Projekt „Communities of Practice NRW für eine innovative Lehrerbildung (ComeIn) sowie die Plattform zum Informationsaustausch TauschbUDE und der Universitätsverbund digiLL vorgestellt.

 
Im zweiten Themenblock wurden der Digitalisierungsservice für Sehbehinderte von Katrin Falkenstein-Feldhoff und der DigiCoach, eine habitussensible Unterstützung für die Studieneingangsphase der Hochschule Niederrhein von Prof Dr.-Ing. Gudrun Stockmanns vorgestellt. Außerdem erläuterte Filipa Stoyanova ein Tool zur Unterstützung von E-Learning-Lerngruppen und das ZIM präsentierte Dienste, die einen geringeren CO2-Ausstoß versprechen. Darüber hinaus beleuchtete das LearningLab die wissenschaftlichen Weiterbildungsmöglichkeiten, die an der UDE absolviert werden können.


Im dritten Block der Postervorstellungen thematisierte Prof. Dr. Anne-Friederike Hübener digitale Diversität im Rahmen der sozialen Arbeit.  Corinna Kalkowsky ging im Kontext des Mottos des Netzwerktages auf digitales Handeln nach ethischen Grundsätzen ein und stellte die Inklusions-Suchmaschine vor. Außerdem wurden digitale Lehr-Lern-Module für die inklusionsbezogene Lehramtsausbildung im Fach Deutsch von den Dozierenden Dr. Liane Schüller, Manuel Fiedler und Björn Bulizek vorgestellt.

 
Im vierten Block, der digitale Tools und Good-Pracitce-Beispiele thematisierte, wurde von Daniel Diekmann die Plattform edutags vorgestellt, die bei der Suche nach freien Bildungsmaterialien unterstützt. Daniela und Christoph Schomaker thematisierten das digital game-based Learning im Breich der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und Prof. Dr. Stephanie Herbstreit erläuterte das Clinical-Decision-Maiking im Blended-Learning. Außerdem wurde die eigens entwickelte App „Wer wird Germanist?“ von Prof. Dr. Martin Schubert und Mirko Zick präsentiert und die Arbeitsgruppe XR-Learning vorgestellt, welche Möglichkeiten von AR, MR und VR behandelt.

 
Der letzte Block (zur gleichen Thematik wie der vorherige) beinhaltete Prof. Dr. Inga Gryls Postervortrag zu Geomedienspielräumen – einem Projekt mit dem Ziel, die Kompetenz in der Nutzung von Geomedien in der geographischen Lehrkräftebildung aufzubauen. Außerdem wurde von Dr. Bettina Oeste das Projekt „Autor vor Ort – Wissenschaft und Praxis im Netz“ präsentiert, welches zum Ziel hatte, Inhalte vom Lehramtsstudiengang „Sprachliche Grundausbildung“ (d.h. Grundschullehramt) aufzubereiten und mithilfe eines Forums zugänglich zu machen. Dr. Lisa Mense und Stephanie Sera thematisierten außerdem das Gebiet des Genders als intersektionale Kategorie im onlinebasierten Lehren und Lernen.