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Politikverdrossen? UDE stellt Studie zum Ruhrgebiet vor

Die Lösung liegt vor der Tür

von Ulrike Bohnsack | 06.07.2018 | Forschung|Presseinfo

Wir hier, ihr dort: So scheinen viele Menschen ihr Verhältnis zu Volksvertretern und Journalisten zu sehen. Wie ist das im Ruhrgebiet?, wollte die NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen (UDE) wissen. Das Team um Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte kam dabei zu einem spannenden Ergebnis: Die Revierbürger fühlen sich sowohl von der Lokalpolitik als auch in den örtlichen Medien vertreten, und das obwohl ihr Unbehagen gegenüber Politik allgemein groß ist.

Seit Oktober 2016 untersucht die Forschungsgruppe den „Kommunikationsstress im Ruhrgebiet: Die Gesprächsstörung zwischen Politikern, Bürgern und Journalisten“. Sie hat für dieses von der Essener Brost-Stiftung geförderte Projekt auch die Bevölkerung befragt. Die Ergebnisse stellt das Team derzeit ausführlich auf Zollverein in Essen vor.

Vertrauen in Medien hoch
Demnach findet fast die Hälfte der Befragten, dass Lokalpolitiker sich um einen engen Kontakt zur Bevölkerung bemühen; nur 20 Prozent hingegen sehen das für Abgeordnete allgemein.

Bundesweit ist das Vertrauen in die Medien groß – ganz ähnlich verhält es sich im Ruhrgebiet: So erachten gut zwei Drittel der Befragten (67%) die öffentlich-rechtlichen Medien als besonders glaubwürdig; bei den lokalen Angeboten werden Tageszeitungen (60%) und Radiosender (54%) positiv bewertet. Dennoch spiegelt sich in den Zahlen auch Kritik und Skepsis gegenüber der Berichterstattung insgesamt, sagt die UDE-Forschungsgruppe.

Gestörtes Verhältnis zur Politik
Wie informieren sich die Bürger über Politik? Die wichtigste Quelle im Ruhrgebiet sind die Tageszeitungen – mit Ausnahme für die jüngere Generation. Nicht nur bei allen Altersgruppen, sondern auch bei politik-kritischen Personen genießt hingegen das Lokalradio großes Vertrauen.

„Überrascht hat uns, wie deutlich sich die Befragten in der lokalen Politik wiederfinden und wie gestört hingegen ihr Verhältnis zur Politik allgemein ist“, erklärt Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte. „Das Gute daran ist, dass unsere Zahlen zeigen: Es gibt eine Chance, dass sich Politik, Medien und Bürger über die lokale Ebene annähern.“

Altschuldenfonds für klamme Kommunen gefordert
Nur, die Voraussetzungen im Schmelztiegel Ruhrgebiet sind nicht einfach: Die Kassen sind leer, soziale Ungleichheit groß und der Lokaljournalismus befindet sich in einem radikalen Umbruch. Wie man dennoch den gesellschaftlichen Bund mit Politik und Medien im Ruhrgebiet wieder stärken könnte, diskutierte das Forscherteam gestern Abend (5. Juli) mit anderen Ruhrgebiets-Experten.

Einen Altschuldenfonds für klamme Kommunen und dann „aufhören zu jammern“ fordert beispielsweise Prof. Dr. Jörg Bogumil von der Ruhr-Universität Bochum. „Politik und Medien sollten zudem den Mut haben, in abgehängten Stadtteile präsent zu sein – auch wenn sich dort weniger Wählerstimmen gewinnen oder Zeitungsabos verkaufen lassen“, schlägt Jan Dinter von der NRW School of Governance vor.

Weitere Informationen: Jan Dinter, NRW School of Governance, Tel. 0203/379-4344, jan.dinter@uni-due.de