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Interview mit dem Kanzler

Ruhe und Tatkraft

  • von Ulrike Bohnsack
  • 08.04.2020

Seit einem dreiviertel Jahr ist Jens Andreas Meinen Kanzler der UDE. Wir haben ihn gefragt, wie Corona seinen Arbeitstag verändert hat und wo er derzeit die größten Herausforderungen sieht.

Herr Meinen, wo sind Sie gerade?
Ich bin gerade im Homeoffice. Die Dinge, die sich von zuhause aus regeln lassen, versuche ich von hier zu erledigen. Per E-Mail, Telefon- oder Videokonferenz. Sehr viel läuft in den Leitungsrunden digital – und das immer besser. Wer hätte das vor drei bis vier Wochen gedacht?

Zwei- bis dreimal die Woche bin ich aber im Büro, um die notwendigen persönlichen Gespräche zu führen und Vorgänge zu unterschreiben.

Wie sieht ist Ihr Arbeitstag aus?
Mein Arbeitsrhythmus ist mehr ein Wechselbetrieb zwischen Privatem und Dienstlichem geworden. Die erste Schicht ist zwischen 8.30 und 12.30 Uhr. Im Anschluss versuche ich, eine längere Mittagspause mit etwas Bewegung an der frischen Luft zu machen – ein Spaziergang oder eine Runde mit dem Rennrad. Dann folgt noch eine lange zweite Schicht, die häufig bis spät in den Abend geht, weil viele Dinge neu zu durchdenken und zu entscheiden sind. Der Rektor und ich organisieren immer noch auf kurzem Wege einen Austausch.

Insgesamt kommt mir dieser Rhythmus durchaus entgegen, auch das Arbeiten mit digitalen Medien ist für mich seit langem normal, wenngleich nicht mit bis zu 10 Telefon- oder Videokonferenzen am Tag wie jetzt. Die Zahl der E-Mails hat sich locker verdoppelt. Das muss sich noch optimieren. Als Kanzler habe ich das Privileg, viele helfende Hände zu haben.

Wie waren die letzten Wochen für Sie?
Aufregend, mit sich ständig ändernden Gegebenheiten und auch geprägt von einer sehr großen Bandbreite an Meinungen und Einschätzungen – quer durch die Uni und die gesamte Gesellschaft. Auch im Rektorat hatten wir lebhafte Diskussionen über den richtigen Weg. Das war notwendig und wichtig.

Eigentlich glaubte ich ja, an der UDE noch in der Kennenlern-Phase zu sein. Plötzlich erlebe ich meine Universität unter völlig neuen Bedingungen. Und ich finde sie sehr engagiert und professionell.

Dass Arbeitswelt und Privatleben weitgehend entgrenzt sind, ist sehr schnell über uns gekommen. Das wird uns verändern. Natürlich hat die Corona-Krise Zusammenhalt und Austausch gestärkt, sie bringt aber auch neue Herausforderungen für jeden ganz persönlich. Ich würde mein Zwangs-Homeoffice vermutlich auch anders sehen, wenn ich noch Kinder zu betreuen oder Pflegeaufgaben hätte.

Was können Sie als Kanzler tun?
Ich sehe meine Aufgabe verstärkt darin, mit den Führungskräften der Universität echte Führungsaufgaben zu übernehmen, das heißt: Mitarbeiter*innen Orientierung in dieser herausfordernden Zeit zu geben – auch indem man Ruhe und Tatkraft vorlebt –, Unterstützung zu organisieren, vor allem bei sich anbahnenden Belastungssituationen, und alle darauf einzuschwören, umsichtig, aber engagiert mit den neuen Gegebenheiten umzugehen. Ganz wichtig ist mir ein wertschätzendes Miteinander.

Und was ist Ihre Aufgabe als Leiter der Taskforce Corona?
Ich hatte die Taskforce zum Glück schon sehr früh ins Leben gerufen. Der Beginn der Corona-Krise war entscheidend: die Lage richtig zu beurteilen und erste Grundlagen zu schaffen für den aktuellen „Minimal“-Betrieb. Ich gebe aber zu: Die Arbeit in der Verwaltung umzuorganisieren, Homeoffice-fähig zu machen, das war eine Herausforderung. Dabei hat uns der PC-Service des ZIM sehr geholfen. Er hat innerhalb kürzester Zeit fast 200 Rechner organisiert und eingerichtet, sodass man diese Geräte unter den Arm klemmen und mit nach Hause nehmen konnte. Das hat uns einen echten Schub gegeben.

Information und Kommunikation ist in einer solchen Lage immens wichtig. Nicht zu viel, nicht zu wenig, das ist eine sehr schwierige Balance, vor allem wenn – wie im Fall Corona – keiner so richtig weiß, wie es übermorgen aussieht.

Jetzt müssen wir uns über den Anlauf des Semesters und über die schrittweise Rückkehr zum „Normalbetrieb“ Gedanken machen. Wann immer die Phase beginnt.

Wenn die Krise vorbei ist: Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf den persönlichen Austausch in Besprechungen, auf die Gespräche im Fahrstuhl oder in der Mensa – insgesamt den Menschen wieder unbeschwert begegnen zu können. Und gespannt bin ich darauf, wie Corona die Uni oder sogar uns als Gesellschaft verändern wird.

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