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Neuer IAQ-Report zum Niedriglohnsektor

Nicht alle profitieren

  • von Claudia Brazko
  • 13.05.2020

Die Niedriglohnbeschäftigung nimmt ab, aber die Stundenlöhne von gering Qualifizierten und Minijobber*innen liegen weiter meist deutlich unterhalb der Niedriglohnschwelle – das ist das Fazit des neuesten Reports des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der UDE. Die Schwelle hat sich von 10,22 Euro im Jahr 2015 auf 11,21 Euro brutto pro Stunde im Jahr 2018 um fast 1 Euro deutlich erhöht.

Die Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland ist im Jahr 2018 erstmals seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns leicht auf 21,8 Prozent zurückgegangen. Nach Berechnungen des IAQ hat sich der Anteil der Betroffenen in Ostdeutschland seit 2015 um mehr als vier Prozentpunkte reduziert, in Westdeutschland gab es kaum spürbare Veränderungen.

Wie Dr. Thorsten Kalina und Dr. Claudia Weinkopf feststellen, haben vom gesetzlichen Mindestlohn besonders Gruppen mit einem überdurchschnittlich hohen Risiko (Frauen, Jüngere und Ältere, Ausländer*innen und befristet Beschäftigte) profitiert. Eine Besonderheit der Niedriglohnbeschäftigung hierzulande, die im Vergleich der EU-Länder ohnehin auf besonders hohem Niveau verharrt, sieht Dr. Weinkopf darin, „dass von Niedriglöhnen weiter in hohem Maße auch Kerngruppen der Beschäftigten betroffen sind.“ Dr. Kalina ergänzt: „Fast drei Viertel der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss und gut 40 Prozent sind in Vollzeit beschäftigt.“

Mit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Januar 2015 sind die unteren Stundenlöhne 2018 teils deutlich gestiegen. Ob und wie sich das über sogenannte „Ripple-Effekte“ auch auf Erhöhungen der Stundenlöhne oberhalb des Mindestlohns auswirkt, hängt vor allem damit zusammen, wie viele Beschäftigte gewerkschaftlich organisiert sind, vermuten die Forschenden: „Je höher die Tarifbindung, desto geringer das Niedriglohnrisiko.“

In den letzten Jahren ist es in Deutschland jedoch – anders als mit dem Tarifautonomiestärkungsgesetz von 2015 beabsichtigt – nicht gelungen, den Rückgang der Tarifbindung zu stoppen oder diese gar wieder zu erhöhen. Nach Einschätzung des IAQ führt daher weiterhin kein Weg daran vorbei, Allgemeinverbindlichkeitserklärungen von Tarifverträgen wieder häufiger zu nutzen, von denen nicht nur gering Verdienende, sondern auch die mittleren Einkommensgruppen profitieren würden.

Weitere Informationen:
https://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/
Dr. Thorsten Kalina, Tel.: 0203 37 91352 , thorsten.kalina@uni-due.de;
Dr. Claudia Weinkopf, Stellvertretende Direktorin des IAQ und Leiterin der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit, Tel.: 0203 37 91353, claudia.weinkopf@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0157/71283308, claudia.braczko@uni-due.de

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