Meldungen aus der UDE

Klasse einer nordschwedischen Dorfschule in den 1920ern.
© Lars Enarsson/Jamtlis fotosamlingar

Annahme in Frage gestellt

Bildung schützt nicht zwingend vor Demenz

Die Studienlage schien klar zu sein: Schulbildung schützt vor Demenz. Um bis zu sieben Prozent sollte jedes Schuljahr das Risiko verringern, im Alter daran zu erkranken. Ein Team um den UDE-Gesundheitsökonom Professor Dr. Martin Karlsson hat einen langen Atem bewiesen und diesen kausalen Zusammenhang nun widerlegt – anhand einer Schulreform, die vor 80 Jahren die Schulzeit in Schweden verlängerte. Das American Journal of Epidemiology berichtet darüber.*

Bildung galt als vielversprechender Faktor, mit dem sich das Risiko einer Demenzerkrankung aktiv verringern ließ – und tatsächlich ist eine Korrelation zu erkennen: Alzheimer und ähnliche Krankheiten treffen häufiger Menschen mit geringem Bildungsabschluss als Akademiker. Doch ist es tatsächlich die Bildung an sich, die den schützenden Effekt hat?

Nicht unbedingt, sagt Professor Karlsson. Jahrelang haben er und seinTeam Archive durchforstet nach Informationen zur Reform der schwedischen Volksschule zwischen 1930 und 1950. Damals wurde nach und nach landesweit die Schulpflicht von sechs auf sieben Jahre verlängert. „Genau das ist der springende Punkt“, erklärt Karlsson. „Sie war verpflichtend für alle 13-Jährigen, unabhängig von Intelligenz, Charakter, sozialem Umfeld oder anderen Faktoren, die normalerweise die Entscheidung beeinflussen, wie lange man zur Schule geht.“ So verglichen die Forschenden die unterschiedlich lange Ausbildung mit Demenzdiagnosen von 1,3 Millionen Menschen der Geburtsjahrgänge 1920 bis 1936.

Mehr Bildung, aber nicht mehr Geld

Eine parallele Studie zum Arbeitsmarkterfolg zeigte, dass die verlängerte Ausbildung keinen nennenswerten Einfluss auf den Status im späteren Leben hatte – Berufswahl und Einkommen veränderten sich nach der Reform im Durchschnitt nicht, damit ebenso wenig die Möglichkeiten zur gesunden Ernährung oder Krankenversorgung.

So konnten die beteiligten Ökonomen, Epidemiologen und Psychologen sicher sein, tatsächlich nur den Einfluss des zusätzlichen Schuljahres zu untersuchen. Dass es zwar eine Korrelation zwischen beiden Aspekten, aber keine Kausalität gibt, erklärt Karlsson wie folgt: „Wichtige Faktoren für den schulischen Erfolg –zum Beispiel Intelligenz oder sozioökonomischer Hintergrund – beeinflussen auch unseren Alterungsprozess.“

* An der internationalen Studie unter Karlssons Leitung waren auch das Karolinska-Institut in Stockholm, die Universität Lund (beide Schweden) sowie das Irving Medical Centre der Columbia University (New York City, USA) beteiligt. Publikation: https://doi.org/10.1093/aje/kwaa255

im Bild:
Eine Klasse in einer nordschwedischen Dorfschule in den 1920ern.

Weitere Informationen:
Prof. Martin Karlsson, Gesundheitsökonomik, Tel. 0201/18 3-3716, martin.karlsson@uni-due.de

Redaktion: Birte Vierjahn, Tel. 0203/37 9-2427, birte.vierjahn@uni-due.de

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