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Neues DFG-Transferprojekt

Familiensprachen

  • von Cathrin Becker
  • 11.02.2021

Familien hierzulande reden Deutsch – und viele weitere Sprachen. Die besondere Kompetenz der Menschen, die die Mehrheits- und Herkunftssprachen beherrschen, will Prof. Dr. Judith Purkarthofer von der UDE untersuchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt, das eng mit einer nationalen Forschungsgruppe (RUEG*) verknüpft ist, für die nächsten drei Jahre.

„In unserem Transferprojekt schauen wir uns Familien und ihre sprachlichen Dynamiken an, wir wollen die bisherigen und neuen RUEG-Ergebnisse in den Alltag von Eltern und Erzieher*innen übertragen, z.B.: Wie verändert sich die Wortstellung in dem Türkisch, das hier gesprochen wird, wenn es in Textnachrichten verkürzt wird? Wie werden Verben im Russischen verändert? Welche Rolle spielen Emojis für Mehrsprachige?“, erklärt Purkarthofer. Sie hat das Projekt mit Prof. Dr. Rosemarie Tracy (Universität Mannheim) eingeworben.

„Sprache ist wichtig für polyglotte Familien und die, die engen Kontakt zu ihnen haben, z.B. Lehrende.“ Purkarthofer betont, es gehe nicht nur darum, Kinder und Jugendliche beim Erwerb von Majoritätssprachen zu unterstützen. Man müsse auch fragen, wie folgende Generationen die Herkunftssprachen als Ressourcen weitergeben und erhalten können.

„Bei der Arbeit mit Eltern, Kita- und Schulpersonal nutzen wir ihre alltäglichen Beobachtungen zu den eigenen Sprachen: Wie rede ich, wie meine Kinder, meine Eltern? Wir bringen sie mit Forschung zur Weiterentwicklung von Türkisch, Russisch, Griechisch sowie Deutsch in Deutschland und Deutsch und Englisch in den USA zusammen“, so Purkarthofer.

Das Projekt wendet sich nicht nur an Familien, sondern auch an Lehrende in ein- und mehrsprachigen Bildungseinrichtungen und Universitäten. Texte, Grafiken, Videos und Audiomaterial, mit Partnern aus der Praxis entwickelt, sollen Eltern und pädagogischen Fachkräften zeigen, wie sich grammatische und lexikalische Ressourcen von Mono- und Multilingualen verändern. Dieser Prozess findet in allen Sprachen jederzeit statt, mit Einfluss von Herkunftssprachen sogar besonders schnell. „Wir wollen die Beziehung zwischen Spracherwerb, familiärer Sprachpolitik und gesellschaftlicher Akzeptanz vorhandener sprachlicher Kompetenzen verbessern“, so Purkarthofer. Das Material soll später kostenlos mit Beispielen für Workshops, Kitas, Schulen und Unis bereitstehen.

Mit dem Transferprojekt kommt auch eine neue Promotionsstelle in die UDE-Germanistik. „Es findet hier eine perfekte Heimat, da Mehrsprachigkeit im Ruhrgebiet verankert sowie an der Uni selbst sehr präsent ist“, freut sich Purkarthofer.

* Sprachwissenschaftliche Forschungsgruppe RUEG (Research Unit Emerging Grammars in Language Contact Situations)

Weitere Informationen:
https://www.uni-due.de/germanistik/purkarthofer/familien.php
Prof. Dr. Judith Purkarthofer, Germanistische Linguistik und Sprachdidaktik, Tel. 0201/18 3-3577, judith.purkarthofer@uni-due.de

Redaktion: Cathrin Becker, Tel. 0203/37 9-1488, cathrin.becker@uni-due.de

 

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