Meldungen aus der UDE

Dr. Aimi Muranaka
© privat

Qualifikation und Migration in Ostasien

Japan lockt ausländische Fachkräfte

Japan wird zu einem Einwanderungsland. Weil die Gesellschaft überaltert und die Wirtschaft händeringend Arbeitskräfte sucht, ändert die Regierung ihre Politik. Die Anwerbung und Integration vietnamesischer IT-Fachleute untersucht Dr. Aimi Muranaka. Die Ostasienwissenschaftlerin der UDE gehört zu einer vom Bund geförderten Nachwuchsgruppe, die die Rolle von Qualifikation bei Migrationsprozessen in Asien erforscht.*

Zwei Prozent ausländische Bewohner hat Japan. Das ist wenig im Vergleich zu Europa, und doch war ihre Zahl noch nie so hoch wie jetzt. Vietnamesen sind die drittgrößte Gruppe nach Migranten aus China und Südkorea. Neue Visaregeln sollen künftig mehr Gastarbeiter ins Land bringen. Sie haben es leichter, was Visadauer und Familiennachzug angeht. Aber auch sie müssen Japanisch lernen und Prüfungen zu ihren Fachkenntnissen ablegen.

„Japan hat großes Interesse an Vietnam: einmal als Absatzmarkt für seine Produkte, zum anderen wegen seiner billigen und guten Arbeitskräfte. In Vietnam hingegen wächst der Tech-Sektor enorm“, erklärt Dr. Muranaka. „Ein Handelsabkommen zwischen beiden Ländern erleichtert es Vietnamesen, in Japan zu arbeiten. Das gilt für Branchen wie die Krankenpflege, aber auch für solche wie die IT, in der höhere Bildung verlangt wird.“

Muranaka untersucht in ihrem mit mehr als 500.000 Euro geförderten Projekt, wie vietnamesische IT-Beschäftigte angeworben und in den japanischen Arbeitsmarkt integriert werden. In Japan gibt es keine staatliche Arbeitsvermittlung. Das übernehmen private Unternehmen. Deren Rolle und die von Sprachschulen möchte die 31-jährige japanische Wissenschaftlerin näher beleuchten. „Es gibt zum Beispiel Vermittlungsunternehmen, die an vietnamesischen Universitäten Trainingsprogramme für IT-Kenntnisse und Japanisch finanzieren.“

„Sich in den japanischen Arbeitsmarkt zu integrieren, fällt den meisten ausländischen Fachkräften – auch den vietnamesischen – nicht leicht“, erklärt die Migrationsexpertin. Das liegt u.a. daran, dass Arbeitgeber Sprachkenntnisse und Wissen über die japanische Geschäftskultur verlangen. Deshalb haben sich Dienstleister darauf spezialisiert, das zu vermitteln.“

* „’Qualifikation‘ im Migrationsprozess ausländischer Fachkräfte in Asien“ wird von der Goethe Universität geleitet. Die Nachwuchsgruppe, der insgesamt fünf Ostasienwissenschaftlerinnen angehören, wird für vier Jahre mit 2 Mio. Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Weitere Informationen:
Dr. Aimi Muranaka, Institut für Ostasienwissenschaften IN EAST, aimi.muranaka.@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/37 9-2429, ulrike.bohnsack@uni-due.de

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