Meldungen aus der UDE

Roboter Nao streichelt die Hand einer Probandin
© RUB/Marquard

Psychologie-Studie

Wenn der Roboter die Hand tätschelt

  • 06.05.2021

Berührt ein humanoider Roboter Menschen während einer Unterhaltung mit ihnen, fühlen sie sich besser und sind eher bereit, einer Aufforderung nachzukommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Prof. Dr. Laura Hoffmann, Juniorprofessorin für Human Centered Design für sozio-digitale Systeme an der Ruhr-Universität Bochum (RUB), und Prof. Dr. Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie – Medien und Kommunikation an der UDE, mit 48 Studierenden durchgeführt haben. Sie berichten in der Zeitschrift PLoS ONE*.

Es ist bekannt, dass Berührungen zwischen Menschen sich positiv auswirken. Sie können zum Beispiel Stress reduzieren und das Immunsystem stärken. Ob das auch für den Kontakt mit Roboter gilt, ist unklar: Einige Studien haben im Kontakt zwischen Mensch und Roboter ebenfalls Effekte von Berührungen nachweisen können, andere nicht.

In der aktuellen Studie schickten Laura Hoffmann und Nicole Krämer 48 Proband:innen in eine Unterhaltung mit dem humanoiden Roboter NAO. Während des Gesprächs, in dem es um ein Studienberatungsthema ging, tätschelte der Roboter einigen Teilnehmenden scheinbar spontan kurz die Hand. „Darin unterscheidet sich unsere Arbeit von bisherigen Untersuchungen, bei denen die Berührung bislang von den Menschen ausging, oder ein offensichtlich funktionaler Grund für die Berührung bekannt war, wie das Waschen einer Patientin“, erläutert Laura Hoffmann.

Keiner zog die Hand weg

Die so berührten Versuchspersonen reagierten durchweg positiv: Die meisten lächelten oder lachten, niemand zog die Hand weg. Die Bereitschaft, dem Ratschlag des Roboters zu folgen, indem sie ein bestimmtes Studienangebot in Betracht zogen, war bei den Versuchspersonen, die der Roboter berührt hatte, größer als bei denen, die keine Berührung erfahren hatten.

Im Anschluss an das Gespräch mit dem Roboter gaben alle Proband:innen Auskunft über ihre Eindrücke. Diejenigen, die der Roboter berührt hatte, fühlten sich emotional besser als die anderen. Die Bewertung des Roboters und der Interaktion mit ihm unterschied sich allerdings zwischen den beiden Gruppen nicht.

„Eine vom Roboter ausgehende Berührung während des Gesprächs kann also positive Effekte auf die Erfahrung der Menschen haben“, schließen die Autorinnen. Die Tatsache, dass die berührten Menschen den Aufforderungen eher Folge leisten, könne man sich zunutze machen, etwa um die Motivation für sportliche Betätigung zu steigern.

Sie geben jedoch zu bedenken, dass affektive Berührung ohne funktionalen Grund ein komplexes Phänomen darstellen, welches nicht isoliert betrachtet werden sollte. Dies gilt ebenso für Berührungen zwischen Menschen und Robotern, die insbesondere durch das Aussehen und Material des Roboters unterschiedlich empfunden werden können. „Wir müssen noch viel darüber lernen, was die Wirkung der Berührung zwischen Mensch und Roboter bestimmt und inwiefern es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Berührungen unter Menschen gibt.“

* Laura Hoffmann, Nicole C. Krämer: The persuasive power of robot touch. Behavioral and evaluative consequences of non-functional touch from a robot, in: PLoS ONE 2021.
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0249554

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Nicole Krämer, Sozialpsychologie/UDE, Tel. 0203/37 9-2482, nicole.kraemer@uni-due.de
Prof. Dr. Laura Hoffmann, Human Centered Design für sozio Digitale Systeme/RUB, Tel. 0234/32-19531, laura.hoffmann-d5y@rub.de

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