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Resümee zum Afghanistan-Einsatz

Lehren für die neue Bundesregierung

  • von Cathrin Becker
  • 30.09.2021

Eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Bundesregierung wird die Aufarbeitung der gescheiterten Afghanistanmission sein. Mit einer öffentlichen Stellungnahme an die künftige Bundesregierung und den Bundestag haben sich heute (30. September) die führenden deutschen Friedensforschungsinstitute, darunter das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der UDE, gewandt. Darin resümieren sie den zwanzigjährigen Bundeswehreinsatz, analysieren Fehler und geben klaren Handlungsempfehlungen

Für Deutschland war die Afghanistan-Intervention ein gravierender Einschnitt in seine Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik. Sie war der erste Bündnisfall innerhalb der NATO – mit Zielen, die, wie sich im Nachhinein gezeigt hat, zu hochgesteckt waren. Deutschlands führende Friedensforschungsinstitute, die einmal jährlich das renommierte Friedensgutachten herausgeben, haben dazu Stellung bezogen.

Für die UDE hat daran Prof. Tobias Debiel vom Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) mitgearbeitet. Beteiligt sind außerdem die Leitungen des Bonn International Centre for Conflict Studies (BICC), des Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und des Instituts für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Hamburg (IFSH).

Die Friedensforschenden kommen zu dem Schluss, dass sich die Afghanistan-Erfahrungen nur bedingt auf andere Missionen übertragen lassen und künftige Einsätze bereits während der laufenden Mission kritisch überprüft werden sollten. Zudem müssten auch Mindestanforderungen für Einsätze beachten werden, wie z.B. die politische Stabilität und eine funktionierende staatliche Infrastruktur im jeweiligen Land. Auch sei es wichtig, dass die Risiken des Einsatzes klar benannt würden und realistische Ziele gesteckt werden.

UDE-Professor Tobias Debiel, stellvertretender INEF-Direktor, hebt für künftige Friedensmissionen drei Punkte hervor: „Erstens: Man kann nicht gleichzeitig einen Krieg führen und eine Nation aufzubauen versuchen. Stabilisierung ist stattdessen das realistischste Ziel. Zweitens gilt das Gebot der Bescheidenheit: Erreichbar ist nur, was lokale Akteure mittragen können. Drittens: Ein nachhaltiger Frieden kann nicht dadurch erreicht werden, dass riesige Geldsummen in ein Land fließen. Vielmehr tragen diese zu Korruption und Selbstbereicherung bei.“

Die ausführliche Meldung zur Stellungnahme

Weitere Informationen:
INEF-Seite zur Sonderstellungnahme
Prof. Dr. Tobias Debiel, INEF, Tel. 0203/37 9-2021, tobias.debiel@uni-due.de

 

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