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App zur Kindesentwicklung

Mehr als Momentaufnahmen

  • von Jennifer Meina
  • 23.02.2022

Eltern kennen ihre Kinder doch immer noch am besten. Das zeigt jetzt auch eine Studie*, an der Dr. Anja Gampe vom Mercator Graduiertenkolleg der UDE beteiligt ist. Wichtig sind diese Erkenntnisse vor allem für die „kleineWeltentdecker“-App, mit der Eltern ihren Nachwuchs beim Entdecken der Welt begleiten können. Herausgeberin ist die Universität Zürich. Die Daten der App sollen außerdem Hinweise liefern, wie sich der kulturelle Hintergrund aber auch die Corona-Pandemie auf die Entwicklung von Kindern auswirkt.

Der erste Schritt, das erste Wort, endlich allein Fahrrad fahren – Eltern beobachten täglich die Weiterentwicklung ihrer Kinder. Für Wissenschaftler:innen ist die Forschung mit Kindern indes deutlich aufwendiger und lückenhaft. „Meist kommen Eltern mit ihren drei Monate alten Kindern ins Labor und dann nach sechs Monaten erneut. Das ist nur eine Momentaufnahme. Der tatsächliche Fortschritt bleibt verborgen“, erklärt Dr. Anja Gampe. Die „kleineWeltentdecker-App“ ist deshalb wie ein digitales Tagebuch – an dem Gampe von der Idee über den technischen und wissenschaftlichen Aufbau bis hin zu Datenschutz und -auswertung maßgeblich beteiligt ist.

Über die vergangenen Jahre haben Wissenschaftler:innen und Programmierer:innen an dieser App getüftelt, die es erlaubt, die kindliche Entwicklung der ersten sechs Jahre fast in Echtzeit zu begleiten. Eltern werden mit Illustrationen und Beschreibungen durch verschiedene Fragen geleitet und dokumentieren die Entwicklung ihrer Kinder. Die App kann so bestimmen, wann bestimmte Fähigkeiten erstmals aufgetreten sind und verschiedene Meilensteine miteinander in Bezug setzen. Wie gut das funktioniert, zeigt die gerade veröffentlichte Studie. „Die Angaben der Eltern wurden mit Daten verglichen, die unter kontrollierten Bedingungen an der Universität erhoben wurden“, erläutert Gampe. Das Ergebnis: Eltern kommen zu ähnlichen Einschätzungen wie die Expert:innen. Und sind so gute Beobachter:innen wie die Wissenschaft sie benötigt.

Da die kostenfreie App weltweit und in mehreren Sprachen verfügbar ist – bisher Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch – ist es auch möglich, die Entwicklung von Kindern in verschiedenen Ländern zu dokumentieren. „Die Norm, was Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt können, geht derzeit häufig von Kindern aus Europa oder Nordamerika aus. Ziel ist es aber, noch mehr Sprachen und damit noch mehr Länder und Kulturen miteinzubeziehen“, so Gampe. Bisher werden die Daten von über 3000 Kindern erfasst. Die Psychologin analysiert zusammen mit Koleg:innen der Universität Zürich, ob die Pandemie Einfluss auf die Entwicklung von Kleinkindern hat.

*Daum, M. M., Bleiker, M., Wermelinger, S., Kurthen, I., Maffongelli, L., Antognini, L., Beisert, M., & Gampe, A. (2022). The kleineWeltentdecker App – A smartphone-based developmental diary. Behavior Research Methods. https://doi.org/10.3758/s13428-021-01755-7

Im Bild:
Wissenschaftliche Illustrationen und Beschreibungen leiten die Eltern durch verschiedene Fragen. Hier können sie die Entwicklungsschritte ihrer Kinder dokumentieren.

Weitere Informationen:
https://www.psychologie.uzh.ch/de/bereiche/dev/devpsy/Weltentdecker-App.html

Dr. Anja Gampe, Mercator Graduiertenkolleg, Tel. 0203/37 9-7066, anja.gampe@uni-due.de

Redaktion: Jennifer Meina, Tel. 0203/37 9-1205, jennifer.meina@uni-due.de

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