Eingang Westseite Forschungsbau Active Sites
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Neue Methoden für verschiedene Disziplinen

Wissenschaftsrat empfiehlt Forschungsbau zu Katalyse

Meilenstein für die Grundlagenforschung an der UDE: Der Wissenschaftsrat hat den geplanten Forschungsbau ACTIVE SITES als förderungswürdig eingestuft. Das Vorhaben wird damit – vorbehaltlich der abschließenden Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) – realisiert. Die Kosten für Bau und Ausstattung von 69 Millionen Euro übernehmen jeweils zur Hälfte der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen. Die UDE erhält mit ACTIVE SITES ein Zentrum von internationaler Strahlkraft, an dem sogenannte aktive Zentren erforscht werden.

Das aktive Zentrum ist die entscheidende Stelle eines Katalysators oder eines Proteins, an dem in einer chemischen Reaktion aus einem oder mehreren Ausgangsstoffen etwas Neues entsteht. Katalysatoren sind für natürliche chemische und biologische Prozesse essenziell, spielen aber auch eine Schlüsselrolle in vielen technischen Bereichen von der Wasserreinigung bis zur Energiekonversion. Ein besseres Verständnis kann dazu beitragen, Antworten auf aktuell drängende Fragen zu finden, etwa wie es gelingen kann, der Atmosphäre CO2 zu entziehen und in Energieträger umzuwandeln. Ziel ist es deshalb, nicht nur neue Erkenntnisse zu gewinnen, wie genau diese ultraschnellen Prozesse ablaufen, sondern auch, wie man sie beeinflussen kann.

Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sagt: „Die Förderempfehlung des Wissenschaftsrats ist ein eindrucksvoller Beleg für das hohe wissenschaftliche Potenzial des Forschungsbaus ACTIVES SITES. Er wird dazu beitragen, die Material- und Stoffentwicklungsforschung auf dem Gebiet der Energietechnologie und Biomedizin an der Universität Duisburg-Essen weiter zu stärken. Der neue Forschungsbau wird zugleich der Research Alliance Ruhr der drei Ruhrgebiets-Universitäten zugutekommen und so die internationale Sichtbarkeit der Universität und der gesamten Wissenschaftsregion Ruhr erhöhen.“

Einzigartiger Ansatz zur Entwicklung neuer Methoden

In dem neuen Forschungsgebäude werden Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Disziplinen wie der Chemie, der Physik, der Biologie und den Ingenieurwissenschaften zusammenarbeiten. Der Ansatz, sowohl disziplinübergreifend als auch stoffübergreifend vorzugehen, ist bisher einzigartig. Rektorin Prof. Barbara Albert betont: „Nicht nur für die UDE ist das ein wichtiger Schritt und ein großartiger Erfolg. Jetzt können neue Methoden entwickelt werden, die das Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen nutzen, um große, übergeordnete Themen und Fragen zu erforschen.“ Profitieren wird von dem neuen Gebäude auch die Research Alliance Ruhr: „Die gewonnenen Erkenntnisse werden insbesondere die Research Center ‚One Health‘, ‚Chemical Sciences and Sustainability‘ und ‚Future Energy Materials and Systems‘ für ihre Forschung nutzen können“, so Albert weiter.

Das Besondere ist die Vorgehensweise der Forschenden: „Wir wollen chemische, biologische und physikalische Prozesse an aktiven Zentren in ihrer natürlichen Umgebung untersuchen“, sagt die Chemieingenieurin und stellvertretende Sprecherin von ACTIVE SITES, Prof. Corina Andronescu. „Bisher werden aktive Zentren zumeist entweder in künstlicher Umgebung oder nur indirekt analysiert, indem man sie vor und nach der Reaktion vergleicht. Das reicht aber nicht aus, um ihre Funktionsweise vollständig zu verstehen.“

Die Erwartung ist, dass die Wissenschaftler:innen aus den unterschiedlichen Disziplinen direkt voneinander profitieren: „Wir gehen davon aus, dass ein Methodensatz, den zum Beispiel ein Biologe bei der Analyse einer Zelle in einem Zellverbund entwickelt hat, auch von einer Ingenieurin bei der Analyse eines Einzelpartikels in einer Masse von Katalysatorpartikeln angewandt werden kann“, führt Andronescu aus.

Architektur soll interdisziplinären Austausch fördern

Der Neubau wird den interdisziplinären Ansatz widerspiegeln. Die Pläne sehen viele offene Arbeitsflächen und gemeinsame Labore vor. Diese sollen zum Austausch anregen und lassen sich flexibel an die Erfordernisse unterschiedlicher Forschungsgruppen anpassen. Das Gebäude wird eine Gesamtnutzfläche von rund 4.800 m2 haben und 125 Arbeitsplätze bieten. Entstehen soll es auf dem Gelände Am Thurmfeld, das sich nördlich an den bestehenden Essener Campus anschließt. „Besonders freut mich, dass wir selbst Bauherr sind und dieses Projekt auf eigenem Grund realisieren können“, sagt Kanzler Jens Andreas Meinen. Der Baubeginn ist für 2023 geplant, die ersten Forschenden sollen 2026 einziehen.

Redaktion: Dr. Thomas Wittek, 0203/37 9-2430, thomas.wittek@uni-due.de

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