PD Dr. Nora Bruns (l.)leitet das App basierte Forschungsprojekt zur ambulanten Versorgung von Kindern mit mildem Schädelhirntrauma. Unterstützt wird sie von Prof. Dr. Christian Dohna-Schwake.
© UDE/Burkhard Büscher

Schädel-Hirn-Trauma bei Kindern

App hilft bei ambulanter Überwachung

  • von Martin Rolshoven
  • 05.01.2024

In elf Kinderkliniken in Deutschland werden im Zuge eines großen Forschungsprojektes ab September 2025 Kinder und Jugendliche mit Schädel-Hirn-Trauma (SHT) mithilfe einer neuen App ambulant überwacht. Geleitet wird SaVeBRAIN.Kids* von einem Team der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die App kann den Schweregrad eines SHT schnell und zuverlässig erkennen und hilft den Behandelnden bei der Entscheidung, ob Betroffene stationär aufgenommen werden müssen oder ob eine ambulante Versorgung genügt. Ist der Test erfolgreich, könnten Krankenhäuser, die die App einsetzen, entlastet werden. Gefördert wird das Projekt ab September 2024 durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses für 3,5 Jahre mit 5,9 Millionen Euro. Davon fließen knapp 2,8 Millionen Euro an die UDE und Universitätsmedizin Essen.

Das Schädel-Hirn-Trauma zählt zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter. In Deutschland werden pro Jahr mehr als 90.000 Kinder stationär überwacht. Davon verlaufen die meisten Fälle allerdings mild. Genau diese Gruppe steht im Fokus der Beobachtungen. „Die App kommt nur bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz, bei denen ein sehr geringes Risiko für eine Verletzung des Gehirns besteht“, sagt Konsortialführerin PD Dr. Nora Bruns von der Klinik für Kinderheilkunde I des Universitätsklinikums Essen (UK Essen). „Denn aus der Praxis wissen wir, dass diese Gruppe oft hospitalisiert wird, weil man sichergehen möchte, dass keine schwerwiegende Verletzung übersehen wurde.“

Bei dem Projekt werden Ärzt:innen in der Notaufnahme bei der Erhebung einer strukturierten Anamnese und Untersuchung unterstützt. Darauf basierend wird entschieden, ob ein Kind sofort nach Hause gehen kann oder noch für einige Stunden in der Notaufnahme beobachtet wird. Die App soll die Eltern im Alltag daran erinnern, ihr Kind regelmäßig zu beobachten. Sie helfe ihnen einzuschätzen, ob möglicherweise doch eine Verletzung des Gehirns vorliegt, die behandelt werden müsste. Durch den neuen Versorgungspfad sollen Krankenhausaufnahmen seltener werden. Dies käme vor allem den Patient:innen und ihren Familien zugute. Für das Gesundheitssystem würden zudem weniger Kosten entstehen.

Die neue App-gestützte Versorgungsform bei mildem Schädel-Hirn-Trauma wird gemeinsam mit Krankenkassen und weiteren Projektpartner:innen wie der LMU München und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof (HAH) erprobt.

*SaVeBRAIN.Kids steht für „Sichere ambulante Versorgung von Kindern mit mildem Schädelhirntrauma“

Im Bild: PD Dr. Nora Bruns (l.) Kinderklinik I, leitet das App basierte Forschungsprojekt zur ambulanten Versorgung von Kindern mit mildem Schädelhirntrauma. Unterstützt wird sie von Prof. Dr. Christian Dohna-Schwake, Kinderklinik I.

Weitere Informationen:
PD Dr. Nora Bruns, PhD, Fachärztin für Kinderheilkunde mit Zusatzbezeichnung „Pädiatrische Intensivmedizin“, Klinik für Kinderheilkunde I des UK Essen, nora.bruns@uk-essen.de, Tel. 0201/723-83308

Redaktion: Martin Rolshoven, Medizinische Fakultät, Tel. 0201/723-6274, martin.rolshoven@uk-essen.de

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