UDE-Tretboot close to perfection
© Irina Eckmeier

close to Perfection

UDE-Tretboot in ZDF-Serie

  • von Jennifer Meina
  • 21.01.2024

Tretboot fahren – da denkt man an gemütliches Schippern auf einem riesigen Schwan. Aber damit hat „close to Perfection“ wenig zu tun. Das Hightech-Renntretboot der Schiffsbaustudierenden hat nicht nur mächtig viel Power, sondern hatte jetzt auch einen rasanten Auftritt in der ZDF-Vorabendserie Soko Köln. Wie es dazu kam und warum der Dreh nicht ganz so einfach war, erklärt Lucian Wohlers im Interview. Er ist Student und Vorstand im Verein Duisburger Schiffbaustudenten e.V.

Wie kam es zum Dreh?
Im vergangenen Jahr suchte die Redaktion der SOKO Köln nach einem außergewöhnlichen Tretboot für eine besondere Szene. Während ihrer Recherche stießen sie auf die Website der IWR 2023 in Kiel – der jährlich stattfindenden International Waterbike Regatta. So wurden sie auf uns aufmerksam und kontaktierten uns. Unser Tretboot, die "close to Perfection", wurde schließlich für die Abschlussszene ausgewählt. Das hat uns schon ziemlich stolz gemacht.

Was ist das Besondere an der close to Perfection?
Bei uns im Institut für Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme hat es Tradition, dass einige Studierende selbst Tretboote bauen. So kann im Studium erlerntes Wissen direkt angewendet werden, um die Boote zu optimieren. Wir messen uns dann jährlich in verschiedenen Disziplinen mit unseren drei Tretbooten close to Perfection, KATastrophe und Phoebastria Nigripes auf der IWR mit Uni-Tretbootteams aus ganz Europa.

Der Name „close to Perfection“ beruht auf dem Vorgänger, der KATastrophe: Sie wurde unter anderem mit Hilfe von Faserverbundwerkstoffen verbessert und damit sozusagen nahe an die Perfektion gebracht worden. Die „close to Perfection“ ist ein Katamaran. Obwohl schon 1997 gebaut, lässt das Boot noch heute viele andere, teils deutlich jüngere Boote alt aussehen und stellt regelmäßig neue Rekorde im Pfahlzug, unserer Königsdisziplin, auf. Der zweiflügelige Antrieb mit großer Propellerfläche ist einzigartig, und durch den simplen Antriebsstrang, der ohne Getriebe auskommt, kann die Kraft der beiden Fahrer:innen nahezu ohne Verluste an die Propeller abgegeben werden. Ebenso können beide Fahrer:innen mit voller Kraft treten, da jede:r eine eigene Welle antreibt. Man kann dadurch das Beste aus sich und dem Material herausholen.

Wie war der Drehtag?
Wir waren zu dritt vor Ort am Heider Bergsee in Köln Brühl. In der Zeit, in der wir das Boot aufbauten und auf unseren Einsatz warteten, konnten wir einige Einblicke in die Dreharbeiten erhaschen. Das war schon aufregend und interessant. Als wir dann an der Reihe waren, haben wir unser Boot ins Wasser gebracht, haben den Schauspielern eine kleine Einweisung gegeben und sind selbst mit einem kleinen Tretboot des Segelvereins dort mit aufs Wasser gegangen. So konnten wir direkt auf dem Wasser Hilfestellung geben. Das war auch notwendig, da der Schauspieler sich nicht sofort mit der Steuerung unseres Tretbootes zurechtfand. Als es dann aber klappte, hatte auch er ordentlich Spaß an der Sache. Selbst mitgewirkt haben wir in den Szenen leider nicht.

Nach den gedrehten Szenen waren die beiden Darsteller auch ziemlich aus der Puste und haben unser Angebot, noch länger zu fahren, dankend abgelehnt. Die Beiden haben wohl nicht damit gerechnet, wie anstrengend richtiges Tretbootfahren sein kann. Allgemein war das Aufsehen, das wir dort erregt haben, doch sehr groß. Fast jeder wollte irgendwas wissen, da man diese Art Tretboot nicht sehr häufig sieht.

Tretbootbauen klingt spannend, aber das ist sicherlich nicht alles. Wie genau muss man sich euer Studium vorstellen?
Im Studium des Maschinenbaus mit der Vertiefung Schiffs- und Offshoretechnik lernen wir im Grunde alle Aspekte des Schiffbaus: angefangen beim ersten Entwurf, über die hydrodynamischen und sicherheitstechnischen Aspekte bis hin zur endgültigen Auslegung der Schiffsstruktur von Binnenschiffen, Fähren, Containerschiffen und später im Master auch U-Booten, angetrieben von konventionellen aber auch mit neuen, nachhaltigen Technologien. Dabei lernen wir an Computer-Programmen, mit denen später auch im Beruf gearbeitet wird. Außerdem begleiten wir praktische Versuche im Labor des Instituts für Schiffstechnik, Meerestechnik und Transportsysteme oder im Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST) der Uni. Gleichzeitig bekommen wir mit den Fächern des allgemeinen Maschinenbaus, beispielsweise der Thermodynamik, ebenso alle Grundlagen mit auf den Weg, um ein Schiff als ganzheitliches System entwickeln zu können.

Was macht euer Verein?
Wir sind ein studentischer Verein und unternehmen so immer wieder etwas, sei es einen Ausflug mit den Tretbooten oder unser jährliches Poseidonfest, bei dem wir Ehemalige und Freund:innen einladen und das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Im schon erwähnten Labor haben wir außerdem eine kleine Werkstatt, wo unsere Tretboote gelagert sind. Da doch immer mal wieder kleiner und größere Reparaturen oder Optimierungen anstehen, können wir dort daran arbeiten.

Weitere Informationen:
https://www.uni-due.de/metazentrum/tretbootteam.php

Hier geht es zum Auftritt der close to Perfection.

Die Folge kann von Soko Köln kann hier angeschaut werden: https://www.zdf.de/serien/soko-koeln

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