Symbolbild Pflege
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Erneute Förderung für SFB „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“

Wie Pflegepolitik Vertrauen und politisches Verhalten prägt

  • von Juliana Fischer
  • 27.11.2025

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Sonderforschungsbereich (SFB) „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“ in einer dritten Phase bis Ende 2029 mit über neun Millionen Euro. Der von der Universität Bremen geleitete Verbund untersucht, wie sich Sozialpolitik weltweit verändert – und wie Gesellschaften darauf reagieren. Die Universität Duisburg-Essen bringt ein zentrales Teilprojekt ein: Es erforscht, wie Langzeitpflegepolitik politisches Vertrauen und politisches Verhalten beeinflusst.

Der demografische Wandel setzt die Gesellschaft doppelt unter Druck: Der Pflegebedarf steigt, zugleich fehlen Fachkräfte. In diesem Spannungsfeld wächst die Bedeutung der Langzeitpflegepolitik – eines vergleichsweise jungen, aber dynamisch expandierenden Politikfelds. Doch welche politischen Folgen hat dieser Ausbau? Und wie reagieren Bürgerinnen und Bürger, Interessengruppen und Parteien auf neue Leistungen, neue Belastungen und neue Erwartungen?

Diese Fragen untersucht Professorin Dr. Simone Leiber von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen gemeinsam mit Kolleg:innen der Universität Bremen. Ihr Projekt analysiert, wie die Gestaltung der Pflegepolitik Einstellungen, Vertrauen und politisches Verhalten verändert – und wie solche Rückwirkungen die politische Arena selbst formen.

„Von der wachsenden ‚grauen Macht‘ älterer Wähler ist oft die Rede, doch in der Pflegepolitik zeigt sie sich nur begrenzt“, sagt Leiber. „Trotz ausgebauter Leistungen bleiben große Lücken. Sie belasten ältere Menschen, ihre Angehörigen und professionell Pflegende.“ Ziel des Projekts sei es daher, nicht nur die Gestaltung der Pflegesysteme zu analysieren, sondern auch ihre Rückwirkungen auf politische Prozesse.

Im Zentrum steht der Einfluss der Pflegepolitik auf drei Bereiche:

  1. Einstellungen und Verhalten der Bevölkerung,
  2. Entstehung und Wandel von Interessengruppen,
  3. Veränderungen in Parteien und politischen Eliten.

Angehörige leisten weiterhin den Großteil der Pflege, während die professionelle Pflege wächst. Beide Gruppen spüren die Politik direkt – mit Folgen für Alltag, Erwerbsverlauf, finanzielle Lage sowie Erwartungen an den Staat, Vertrauen und politische Mobilisierung.

Methodisch kombiniert das Projekt umfangreiche Umfragedaten aus 51 Ländern mit vergleichenden Fallstudien in Deutschland, Südkorea und Uruguay, gestützt auf Expert:inneninterviews und Dokumentenanalysen.

 

Weitere Informationen

Zur Pressemitteilung der Universität Bremen anlässlich Verlängerung des SFBs: https://www.uni-bremen.de/universitaet/hochschulkommunikation-und-marketing/aktuelle-meldungen/detailansicht/sonderforschungsbereich-globale-entwicklungsdynamiken-von-sozialpolitik-geht-in-die-dritte-foerderphase

Prof. Dr. Simone Leiber, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Tel. 0201 183 2319, simone.leiber@uni-due.de

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