Forschungsschwerpunkte der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften

Entwicklung der Forschungsschwerpunkte

Entsprechend der Vielzahl an Professuren und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften und der damit einhergehenden Vielfalt an Themen und Schwerpunkten, zeigt sich das Forschungsprofil der Fakultät als eine diversifizierte Landschaft, die jedoch klare Schwerpunktsetzungen aufweist.

Die Fakultät verfolgt eine zweigleisige Forschungsstrategie: Erstens wird die Heterogenität von Forschungsanstrengungen bewusst zugelassen und gefördert. Gleichzeitig wird zweitens eine Profilbildung durch entsprechende Institutionalisierungen und finanzielle Förderungen unterstützt.

Die Forschungsprofile

Institut für Soziologie

Das Forschungsprofil des Instituts für Soziologie ist durch einen Schwerpunkt in grundlagenorientierter empirischer Sozialforschung gekennzeichnet. Die Forschungsschwerpunkte der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler umfassen eine große Bandbreite von Teildisziplinen in der Soziologie, u.a. die Arbeits- und Industriesoziologie, die Familiensoziologie, den Gesellschaftsvergleich, die Migrationssoziologie, die Sozialstrukturanalyse, die Techniksoziologie und die Transnationalisierungsforschung bis hin zur soziologischen Methodenentwicklung, die mit den Mitteln der quantitativen wie der qualitativen empirischen Sozialforschung bearbeitet werden.
Die Forschungsaktivitäten der letzten Jahre sind entlang der nachfolgend dargestellten Schwerpunkte konturiert. Zugleich sind Synergien zwischen den Schwerpunkten vorhanden, die sich nicht nur in einzelnen laufenden Forschungsprojekten, sondern auch in der 2017 begonnenen, von Prof. Dr. Shire koordinierten gemeinsamen Arbeit zur Vorbereitung eines DFG-Forschergruppenantrags „Transnational Labor“ dokumentieren (Prof. Dr. Bongaerts, Prof. Dr. Kleemann, Prof. Dr. Liu, Prof. Dr. Quack, Prof. Dr. Shire, Prof. Dr. Weiß, in Kooperation mit Forscherinnen und Forschern des IAQ und der Ruhr-Universität Bochum).

1. Entwicklung und Erforschung fortgeschrittener Methoden der empirischen Sozialforschung

Im Bereich der Methodenentwicklung sind im Zeitraum ab 2015 mehr als zehn Forschungsprojekte abgeschlossen worden bzw. aktuell laufend, davon acht von der DFG geförderte. Bewilligt und kurz vor dem Start ist außerdem die DFG-Forschergruppe „Sektorenübergreifendes kleinräumiges Mikrosimulationsmodell (MikroSim)“, die Prof. Dr. Schnell und Prof. Dr. Stein gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Trier und dem Statistischen Bundesamt beantragt haben. Zentrale Forschungsthemen der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Schnell sind Fragen der Datensatzverknüpfung (Record Linkage) und statistische Probleme, die aus den Besonderheiten der Datenerhebung an Menschen resultieren (u.a. Nonresponse, Underreporting und mathematische Techniken des Datenschutzes). Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung neuer Techniken für die Nutzung identifizierbarer Big Data Quellen. Schwerpunkte der Forschung der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stein sind Mikrosimulationen (mit thematischem Fokus auf migrationssoziologische Fragestellungen) sowie die Modellierung sozialer Prozesse mit Fokus auf die dyadische Modellierung von Entscheidungsprozessen (insbesondere zu Familiengründungs- und -erweiterungsprozessen) und Erweiterungen auf mehrere Stufen sowie mehreren Ebenen (insbesondere zum Thema räumliche Mobilität). Darüber hinaus ist sie im Rahmen verschiedener Verbundprojekte für die Planung, Durchführung und Auswertung repräsentativer Bevölkerungsumfragen verantwortlich.

2. Gesellschaftsvergleich, Migration und Transnationalisierung

In diesem Bereich sind seit 2015 über zehn Forschungsprojekte abgeschlossen worden bzw. aktuell laufend, davon fünf von der DFG geförderte. Schwerpunkte der Forschung sind zum einen Migration und Arbeitsmigration, wie die als Langfristprogramm der DFG angelegte German Emigration and Remigration Panel Study (Prof. Dr. Erlinghagen), die Forschungen zu grenzüberschreitender Arbeitsvermittlung oder der Analyse von Menschenschmuggel (Prof. Dr. Shire) und zur weltweiten Diffusion und Aneignung professionellen medizinischen Wissens und professioneller Praxis in lokalen und landesspezifischen Kontexten (Prof. Dr. Weiß und Prof. Dr. Liu); zum anderen mit Fokus auf China zur Industrialisierung in Nordostasien (Prof. Dr. Christiansen) und zur Emergenz neuer Strukturen und Institutionen in Prozessen der Urbanisierung Chinas (Prof. Dr. Christiansen) und der Entwicklung der chinesischen Sozialpolitik (Prof. Dr. Liu) sowie zum Vergleich des chinesischen und deutschen Katastrophenrisikomanagements in der Landwirtschaft (Prof. Dr. Liu); und schließlich wirtschafts- und institutionensoziologische Fragestellungen in lokalen, nationalen und transnationalen Kontexten, die von der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Quack in mehreren Projekten (insbesondere zur Regulation von Immaterialgüterrechten und zur globalen Einbettung der Hochzeitsökonomie im Duisburger Stadtteil Marxloh), erforscht werden.

3. Analyse von sozialer Ungleichheit im Kontext von Familie, Arbeit und Geschlecht

Die sieben Forschungsprojekte seit 2015 (davon drei DFG-gefördert), die sich diesem Themenfeld zuordnen lassen, bearbeiten Forschungsfragen in den Bereichen Familie, Arbeit und Arbeitsmarkt, Sozialpolitik und Geschlecht: geschlechterbezogene Arbeitsmarktungleichheiten und Arbeitsbedingungen im betrieblichen Kontext (Prof. Dr. Busch-Heizmann); soziale Partizipation von jugendlichen Migrantinnen und Migranten und deren Arbeitsmarktintegration (Prof. Dr. Erlinghagen), gleichstellungsbezogene Handlungsorientierungen und Handlungsweisen von Professorinnen und Professoren vor dem Hintergrund gleichstellungspolitischer Regelungen (Prof. Dr. Klammer), soziale Ungleichheiten und die Ausdehnung der Sozialversicherungen in der Volksrepublik China (Prof. Dr. Liu in einem Teilprojekt am DFG-Sonderforschungsbereich „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“ an der Universität Bremen), die berufliche Integration von Migrantinnen und Migranten unter Berücksichtigung sozialer Disparitäten (Prof. Dr. Stein), die Bedeutung des Wechselmodells für das kindliche Wohlbefinden nach elterlicher Trennung oder Scheidung (Prof. Dr. Steinbach), und Auswirkungen der Zuwanderung auf die Organisation und Diversität der deutschen Polizei (Prof. Dr. Weiß).

4. Arbeit und Technik; Organisations-, Arbeitsmarkt- und Professionsforschung

Eine Reihe von Forschungsprojekten der letzten Jahre, drei davon gefördert durch die DFG, erforschen zum einen arbeits- und techniksoziologische Fragen, die in einer technisierten Arbeitswelt häufig eng ineinandergreifen. Den aktuellen Forschungsschwerpunkt bildet das Themenfeld Digitalisierung: Die Entgrenzung von Berufs- und Privatleben durch IuK-Technologien (Prof. Dr. Busch-Heizmann), der Stellenwert der Beschäftigten im Prozess der Digitalisierung der industriellen Arbeit und Crowdfunding als neue internetbasierte Form der Projektfinanzierung (beide Prof. Dr. Kleemann). Zum anderen hat sich in der Schnittmenge mit anderen Forschungsschwerpunkten des Instituts für Soziologie in den letzten Jahren ein neuer Fokus auf arbeitsbezogene Fragestellungen in arbeitsmarkt-, organisations-, professions- und wirtschaftssoziologischer Perspektive herausgebildet: Glokalisierung von medizinischem professionellem Wissen und professioneller Praxis (Prof. Dr. Liu und Prof. Dr.Weiß), Regulation von Immaterialgüterrechten in der Musik- und Pharmaindustrie (Prof. Dr. Quack), grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung (Prof. Dr. Shire) und die Organisation der deutschen Polizei im Kontext von Migrationsprozessen (Prof. Dr. Weiß).

5. Theorie moderner Gesellschaften

Die Forschungsprojekte dieses Schwerpunktes sind vor allem längerfristig angelegte Theorieprojekte wie das Projekt der Entwicklung einer prozeduralen Handlungstheorie sowie die weitere Ausarbeitung einer Theorie sozialer Felder als Theorie gesellschaftlicher Differenzierung. Zum anderen geht es um die theoriegeleitete Er-forschung gesellschaftstheoretischer Einzelfragen wie aktuell die Verschiebungen im Feld der Macht am Beispiel des kirchlichen Arbeitsrechts (beides Prof. Dr. Bongaerts). Hierzu zählen auch die Arbeiten von Prof. Dr. Weiß zur Soziologie globaler Ungleichheiten, aus denen 2017 die von ihr verfasste Monographie "Soziologie Globaler Ungleichheiten" (Berlin: Suhrkamp) hervorgegangen ist, und die 2018 bei Springer VS erschienene Neuauflage des renommierten Lehrbuches „Grundbegriffe der Soziologie“ (Prof. Dr. Steinbach).

Institut für Politikwissenschaft

Das Institut für Politikwissenschaft ist eines der großen politikwissenschaftlichen Institute Deutschlands. Es repräsentiert in Forschung und Lehre die Bandbreite des Faches der Politikwissenschaft und bildet zugleich profilbildend Schwerpunkte. Für die Forschungsausrichtung des Instituts für Politikwissenschaft sind die folgenden konzeptionellen Aspekte kennzeichnend:

  • Die Forschung am Institut für Politikwissenschaft verbindet grundlagenorientierte Forschung mit einer im Sinne von Politik- und Gesellschaftsberatung wirksamen Wissenschaft. Es trägt so zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch die Universität Duisburg-Essen bei („Third Mission“). Das Profil der umfangreichen Drittmitteleinwerbungen zeichnet sich dementsprechend durch eine Pluralität der genutzten Förderinstrumente aus (DFG, BMBF/ weitere Bundes- und Landesministerien, Forschungsförderung durch Stiftungen etc.).
  • Die Politikwissenschaft ist auch Integrationswissenschaft. Die Forschungsaktivitäten am Institut für Politikwissenschaft sind vernetzt mit jenen anderer Institute der Fakultät und der zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen. Mitglieder des Instituts für Politikwissen-schaft bringen sich engagiert – insbesondere auch in Leitungsfunktionen – in die interdis-ziplinären Forschungszusammenhänge der Universität Duisburg-Essen ein, z.B. mit Blick auf zentrale wissenschaftliche Einrichtungen (Profilschwerpunkt Wandel von Gegenwarts-gesellschaften, KHK, InZentIM, InEast) oder im Zusammenwirken mit An-Instituten (RISP, ZfTI).
  • Im Sinne der Einheit von Forschung und Lehre folgt das Institut für Politikwissenschaft dem Konzept des forschenden Lehrens und Lernens. Durch Forschungsaktivitäten gewonnene Erkenntnisse und Netzwerke kommen den Studierenden zugute. Insbesondere die Studierenden der profilierten und stark nachgefragten MA-Studiengänge des Instituts profitieren hiervon, was wiederum deren überregionale Attraktivität ausmacht.
  • Forschung am Institut für Politikwissenschaft wird nicht nur von den Professorinnen und Professoren geleistet. Sie lebt von den Mitwirkungs- und Entwicklungsperspektiven, die das Institut den Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern eröffnen kann. Die Einwerbung von Stipendien für Promotionsvorhaben und die Einrichtung von Nachwuchsforschergruppen erfolgt gezielt und ist in das Forschungskonzept des Instituts eingebettet.

Die Arbeitsgruppen der Professuren sind die Keimzellen der Forschung am Institut für Politikwissenschaft. Das „Mittagsforum“ des Instituts (seit 2012) ist ein institutsweiter Ort des wissenschaftlichen Austauschs, auch mit internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Zugleich werden Forschungsaktivitäten über spezialisierte Einrichtungen des Instituts gebündelt und nach außen sichtbar gemacht. Als Einrichtung im Institut für Politikwissenschaft stellt insbesondere die NRW School of Governance (www.nrwschool.de) als „Professional School“ eine enge Verbindung von Wissenschaft und anwendungsorientierter Wissensvermittlung her.
Die vielfältig vernetzten Forschungsaktivitäten am Institut für Politikwissenschaft lassen sich über die folgenden thematischen Zusammenhänge darstellen.

Internationale Beziehungen und Global Governance

Multilaterale Ordnungen sind zunehmend umstritten, Disruption und die Herausbildung von Ordnung rücken vermehrt in den Fokus der Internationalen Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft. Unter dem Leitmotiv „Hierarchien und Ungleichheit in der Weltgesellschaft“ stehen das Nord-Süd-Verhältnis sowie gesellschaftliche Umbrüche im globalen Süden im Zentrum empirischer Forschung. Vornehmend hierarchisch strukturierte oder multilateral regulierte globale Governance-Strukturen werden durch transnationale, polyzentrisch ausgerichtete Governance-Strukturen herausgefordert, was die Lehr- und Forschungseinheit von Prof. Dr. Tobias Debiel und PD Dr. Daniel Lambach unter in dem Forschungsfeld „Governance in umstrittenen Ordnungssphären“ untersucht. Prof. Dr. Nele Noesselt befasst sich mit dem zunehmenden Einfluss chinesisch geprägter Konzepte von Weltordnung. Durch regelmäßigen Austausch nutzt das Institut für Politikwissenschaft in diesen Bereichen Synergien mit dem INEF und dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research. Letzteres befasst sich in der zweiten Förderphase mit „Global Cooperation and Polycentric Governance“ und wirkt komplementär zum inhaltlichen Schwerpunkt des Institut für Politikwissenschaft im Bereich der Ordnungsbildung in umstrittenen Räumen. Zur Stärkung der Verbindungen von INEF, KHK und Institut für Politikwissenschaft wurde die Juniorprofessur für globale und transnationale Kooperationsforschung eingerichtet (Jun.-Prof. Dr. Theresa Reinold), die zu Verrechtlichungstendenzen im globalen Regieren und regionalen (afrikanischen) Integrationsprozessen arbeitet. Die Forschungsprojekte und Publikationsaktivitäten sind mit dem Themenschwerpunkt „Global and Transnational Governance“ des Profilschwerpunkts „Wandel von Gegenwartsgesellschaften“ verknüpft.

Friedens-, Konflikt- und Entwicklungsforschung

Die Friedens-, Konflikt- und Entwicklungsforschung bildet einen etablierten, interdisziplinär und kooperativ ausgerichteten Forschungsfokus am Institut für Politikwissenschaft, der sich aktuellen Problemfeldern im globalen Süden, ökonomischer Entwicklung, staatlicher Stabilität und Konsolidierung bzw. Verfall von Demokratie widmet. Die Forschung am Institut für Politikwissenschaft zeichnet sich dabei durch enge interdisziplinäre Kooperationsverhältnisse mit den Forschungsaktivitäten des INEF aus. Auf innerstaatlicher Ebene arbeiten verschiedene DFG-Projekte in empirisch fundierten Studien an der Eruierung des Erfolgs von Protest und Widerstand nicht-staatlicher Akteure unter autoritären Herrschaftsbedingungen. Im Anschluss an das DFG-Projekt „Staatskollaps“ (2011-2014) hat PD Dr. Daniel Lambach mit einem Forschungsteam unter dem Titel „Non-Violent Resistance and Democratic Consolidation“ (2015-2018) anhand von Revolutionen und Umbrüchen untersucht, wie sich gewaltlose Widerstandsformen langfristig auf demokratische Konsolidierung auswirken (PD Dr. Lambach). Dr. Miquel Pelicer forscht seit 2017 in einem DFG-Projekt entwicklungstheoretisch informiert zu „The Demand Side of Clientelism“. Entwicklungs- und sicherheitspolitische Effekte des afrikanischen Regionalismus gehören zu den Forschungsschwerpunkten der Lehreinheit von Prof. Dr. Chris-tof Hartmann.

Area-Studies und vergleichende Politikwissenschaft

Die international ausgerichtete Forschung am Institut für Politikwissenschaft gewinnt eine hohe empirische Sättigung durch die Verbindung einer stark vertretenen Regionalexpertise und einer methodisch vergleichenden Forschung. Ein erster regionaler Schwerpunkt ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Politik in den Staaten Südosteuropas. Über die am Institut für Politikwissenschaft angesiedelte Zweigstelle der Südosteuropa-Gesellschaft (SOG, Leitung: Prof. Dr. Susanne Pickel / Dr. Oliver Schwarz) ergeben sich langjährige Partnerschaften und Netzwerke mit Personen, Organisationen und Institutionen in Südosteuropa sowie der deutschsprachigen und internationalen Fachwelt. Zweitens steht das Institut für Politikwissenschaft für eine lange Tradition von Forschung zum Wandel politischer Institutionen in Sub-Sahara Afrika (insb. Westafrika, Prof. Dr. Christof Hartmann). Drittens ist am Institut herausragende Ostasien-Expertise angesiedelt, die sich durch die personellen Querverbindungen mit dem größten gegenwartsbezogenen Ostasieninstitut in Europa, dem Institute of East Asian Studies (IN-EAST) ergibt (Prof. Dr. Nele Noesselt, Prof. Dr. Axel Klein; Prof. Dr. Thomas He-berer). Das Institut und die darin eingebundenen Professorinnen und Professoren sind nicht nur forschungs- und drittmittelstark (DFG Graduiertenprogramm, BMBF- und DFG-geförderte Forschungsprojekte, u.a. „Konzeptionen von politischer Herrschaft und Entwicklungswegen in den Studien chinesischer Politikwissenschaftler“ 2014-2017) sondern pflegen seit Jahren zahlreiche Kontakte in die Region Ostasien. Viertens repräsentiert der von Prof. Dr. Michael Kaeding bekleidete Jean Monnet-Lehrstuhl exzellente Kenntnisse der Prozesse auf europäischer Ebene und in den Staaten Europas. Fünftens wird der regionale Horizont jüngst auf Zentrala-sien ausgeweitet: Prof. Dr. Michael Kaeding leitet für zwei Jahre (2018-2019) das Horizon 2020-Projekt SEnECA („Strengthening and Energizing EU-Central Asia Relations“). SEnECA etabliert ein nachhaltiges und transdisziplinäres Forschungsnetzwerk sowie ein entsprechendes Stakeholder-Netzwerk. Die Umsetzung des Projekts erfolgt mit elf weiteren Konsortialmitglieder, darunter Think Tanks, Universitäten und NGOs aus Europa und Zentralasien. Die differenzierte Regionalexpertise am Institut für Politikwissenschaft eröffnet komparative Potenzi-ale, die etwa im interdisziplinären, fakultätsübergreifenden Projekt „Big Risks“ (für das Institut für Politikwissenschaft: Prof. Dr. Achim Goerres) genutzt werden.

Politische Steuerung und Governance-Forschung

Die Politikwissenschaft entwickelt prozessbasiertes Gestaltungswissen, das in Situationen der politischen Unsicherheit und Komplexität gefragt ist. Forschungsprojekte am Institut für Politikwissenschaft behandeln kontinuierlich die Gestaltungsperspektive der Politik, welche von Grundfragen der politischen Steuerung bzw. Governance hin zu Fragen der Entwicklung der öffentlichen Verwaltung reicht. Entsprechende Projekte werden durch Bundesministerien sowie durch Stiftungen gefördert. Sie erzielen politischen Impact und öffentliche Resonanz gleichermaßen. Als Projekte zu nennen sind hier „Smart City Governance“ (Prof. Dr. Christoph Bieber), sowie Projekte von Prof. Dr. Dose zur Entwicklung des Beamtentums nach der Föderalismusreform und zur Policy-Gestaltung im Kontext der Wasserwirtschaft. Prof. Dr. Susanne Pickel leitet das Modellprojekt „Linke Militanz und Antisemitismus in heterogenen Jugendmilieus: Analyse - Zugänge – Maßnahmen“ (Mittelgeber: BMFSFJ). Profiliert ist der Forschungsbereich der Technikfolgenabschätzung“ durch Prof. Dr. Renate Martinsen, mit einem Projekt „Öffentliche Petitionen“ (im Auftrag des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag), aktuell im Rahmen eines politikwissenschaftlichen Teilprojekts im interdisziplinären und transuniversitären BMBF-Verbundprojekt „Multiple Risiken. Kontingenzbewältigung in der Stammzellforschung und ihren Anwendungen“. Zu nennen ist auch das laufende deutsch-französische DFG/ANR geförderte Forschungsprojekt „New Forms of Political Representation and Representational Claims: A Global View.
Brazil, China, France, Germany and India Compared (Prof. Dr. Thomas Heberer). Hinzu kommen kontinuierliche Arbeiten zur Migrations- und Integrationspolitik (Prof. Dr. Andreas Blätte, derz. Mercator-gefördertes Verbundprojekt mit TU Dresden „Migration und Demokratie / MIDEM“, Einbettung in InZentIM-Cluster „Politische Steuerbarkeit und Gestaltung“) sowie zur Gesundheits-, Familien und Wohnungspolitik (Prof. Dr. Ulrike Berendt). Zu Fragen der praktischen Umsetzung von EU-Recht, Werten und Normen in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union arbeitet Prof. Dr. Michael Kaeding.

Wahl- und Parteienforschung

Die Wandlungen des Wählerverhaltens und die Instabilität von Parteien und Parteiensystemen fordert politikwissenschaftliche Erkenntnis. Die Forschung am Institut für Politikwissenschaft leistet kontinuierlich Beiträge zur Wahl- und Parteienforschung. Das Augenmerk gilt hierbei den sich verändernden Wahlkämpfen zu Europawahlen (Prof. Dr. Michael Kaeding), den Gründen von Nichtwahl bzw. Wahlenthaltung (Prof. Dr. Michael Kaeding), dem Mitgliederschwund bei Volksparteien (Prof. Dr. Nico Dose), den Veränderungsprozessen im deutschen Parteiensystem und in den deutschen Parteien (Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte), dem Aufkommen neuer Parteien in Europa (Dr. Kristina Weissenbach), den Effekten wahrgenommener Responsivität durch Bürgerinnen und Bürger auf Wahlentscheidungen (Prof. Dr. Susanne Pickel / Prof. Dr. Andreas Blätte) sowie dem Wahlverhalten von Wählerinnen und Wählern mit Migrationshintergrund (Prof. Dr. Achim Goerres, hier: DFG-geförderte Migrantenwahlstudie). Auch die Forschung zu ‚electoral quality‘ in jungen Demokratien bzw. Wahlrechten von Migranten in ihren Heimatländern fügt sich hier ein (Prof. Dr. Christof Hartmann). Eine intensive Begleitung in medialen Formaten erfahren Wahlen in Deutschland kontinuierlich durch die NRW School of Governance (u.a. Prof. Dr. Christoph Bieber, Prof. Dr. Andreas Blätte, Dr. Martin Florack, Dr. Niko Switek und insbesondere Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte). Die wissenschaftliche Grundlage dessen ist eine kontinuierliche Parteien- und Wahlforschung, die ihren Niederschlag etwa in Buchreihen zu den politischen Parteien oder regelmäßig erscheinenden Konzeptbänden zu den Bundestagswahlen findet.

Politikmanagement, Regierungsforschung und digitaler Wandel

Die Gestaltung von Politik vollzieht sich an der Schnittstelle von Verwaltung und Regierungsapparaten, Parlamenten, Parteien und Öffentlichkeit. Eine dieser Prämisse folgende Politikmanagement-Forschung wird langjährig im Institut für Politikwissenschaft an der NRW School of Governance gebündelt (u.a. Projekte „Politikmanagement im Ungleichheitsdiskurs“, Prof.Dr. Karl-Rudolf Korte / Dr. Kristina Weissenbach und „Kommunikationsstress: Die Gesprächsstörung zwischen Politikern, Bürgern und Journalisten“, Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte / Dr. Kristina Weissenbach). Durch Digitalisierung verändern sich jedoch die Bedingungen des Regierens. Die „klassische“ Forschung zu Politikmanagement und Regierungsforschung wird daher ergänzt durch Projekte zum digitalen Wandel. Eine forschungspraktische Verankerung findet dies durch das im europäischen CLARIN-Verbund als Zentrum registrierten PolMine-Projekt (Prof. Dr. Andreas Blätte). Mit dem GermaParl-Korpus als „Flagschiff“-Korpus, einer von der IT der Fakultät begleiteten Server-Infrastruktur und diversen Software-Veröffentlichungen ist es ein Baustein der entstehenden digitalen Forschungsinfrastruktur der Politikwissenschaft. Das Projekt platziert das Institut für Politikwissenschaft (und die Universität Duisburg-Essen) auf der Landkarte der digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften bzw. der Computational Social Sciences. Seit der Einrichtung im Jahr 2011 befasst sich die Welker-Stiftungsprofessur für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft (Prof. Dr. Christoph Bieber) mit den Fragen zum verantwortlichen Umgang mit digitalen Daten, u.a. entlang der Beispiele Wikileaks, der Snowden-Affäre, E- und Open Government, Smart Cities sowie zuletzt der ethischen Dimension von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz. Einschlägig ist auch der Schwerpunkt „Digital Turn in Political Representation and Representational Claims in China“, im o.g. DFG-Forschungsprojekt „New Forms of Political Representation“, der neue Formen politischer Repräsentation im chinesischen Cyberspace untersucht. Für den Kernbereich politischer Systeme sind insbesondere die digital induzierten Veränderungen von Parteien relevant, was in 2017 zur Einrichtung einer Nachwuchsgruppe „Digitale Parteienforschung“ aus Mitteln der NRW-Förderlinie „Digitale Gesellschaft“ (Dr. Isabelle Borucki) an der NRW School of Governance geführt hat.

Fachdidaktik Sozialwissenschaften und Politische Bildung

Politisches Wissen bleibt folgen- und bedeutungslos, wenn es nicht konzeptionell reflektiert vermittelt wird. Das Institut für Politikwissenschaft hat die Entwicklung der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften zu einem stark aufgestellten Standort der fachdidaktischen Forschung bewusst unterstützt. An der Professur von Prof. Dr. Sabine Manzel werden vor allem empirische Studien im Bereich der schulischen Politischen Bildung vorangetrieben. Zu verweisen ist hier auf das aktuell abgeschlossene BMBF-Projekt „Schreiben im Fachunterricht unter Einbeziehung des Türkischen, SchriFT I“, drei neue BMBF-geförderte Projekte („SchriFT II“; „ProViel I“, Cassis), zwei videographische Projekte zu Schülerargumentationen und Planungskompetenz von Lehrkräften sowie die Beteiligung am Graduiertenkolleg „Übergänge Sachunterricht - SuSe I“, das vom MIWF NRW gefördert wird. Zudem beforscht Prof. Dr. Manzel die Berufswahlmotivation und das Professionswissen von Studierenden des Lehramts Sozialwissenschaften und war an der nationalen Lehrerstudie im Rahmen der ICCS-Studie 2016 beteiligt.

Theorie der Politik

Das Institut für Politikwissenschaft gewinnt aus der Ausdifferenzierung der politikwissenschaftlichen Teildisziplinen das Potenzial zur Profilbildung. Das Fach operiert wie die Akteure im politischen Raum oftmals mit jenen grundlegend umstrittenen Begriffen („essentially contested concepts“), die mindestens einer Klärung bedürfen, um über die Grenzen der Teildisziplinen hinweg eine Verständigung zu ermöglichen. Dies ist neben der Verständigung über die theoretischen Grundlagen einer demokratischen politischen Ordnung eine zentrale Leistung der Politischen Theorie. Die Politische Theorie am Institut für Politikwissenschaft (Prof. Dr. Renate Martinsen) hat sich in den letzten Jahren mit dieser Stoßrichtung dem Thema der konstruktivistischen Theorie in der Politikwissenschaft gewidmet und hier u.a. den Aufbau der entsprechenden DVPW-Themengruppe initiiert. Prof. Dr. Renate Martinsen ist auch Herausgeberin einer Publikationsreihe „Konstruktivistische Perspektiven - politologische Aufklärung“ (Sprin-ger VS). Zentrale Forschungsthemen in diesem Bereich waren u.a. die Frage der Kontingenz im politischen Prozess. Die Perspektive einer theoretischen Reflektion der politikwissenschaftlichen Grundbegriffe bleibt als Integrations- und Verständigungsperspektive für das Institut für Politikwissenschaft von elementarer Bedeutung.

Institut für Sozioökonomie

Das Forschungsprofil des kürzlich gegründeten Instituts für Sozioökonomie wird sich mit der Berufung der drei neuen Professuren und der Konstituierung der jeweiligen Arbeitsgruppen in den Bereichen Staatstätigkeit und Staatsfinanzen, Plurale Ökonomik und Empirische Ungleichheitsforschung erst vollständig schärfen. Aktuell gibt es bereits eine Schwerpunktsetzung im Bereich der sozioökonomischen Ungleichheit mit einem makroökonomischen und politökonomischen Fokus der bestehenden Arbeitsgruppen.
Die bestehenden Forschungsaktivitäten am Institut für Sozioökonomie lassen sich wie folgt thematisch einordnen:

Einkommensverteilung aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive

Im Rahmen eines durch das Institute for New Economic Thinking (INET) geförderten Forschungsprojekts von Prof. Dr. van Treeck mit dem Titel "Income Inequality, Household Debt, and Current Account Imbalances" wurde der Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Ungleichheit und makroökonomischer Stabilität untersucht. Auch ein aktuelles Forschungsprojekt zur politökonomischen Debatte um Growth Models und Varieties of Capitalism im Kontext steigender Ungleichheit (Prof. Dr. van Treeck) ist in diesem Forschungsbereich verortet.

Wirtschaftspolitische Einstellungen und Diskurse

Ein weiterer Forschungsbereich der Arbeitsgruppe Prof. Dr. van Treeck befasst sich mit der Untersuchung von wirtschaftspolitischen Einstellungen und deren Repräsentation in unterschiedlichen Medien. Im Rahmen eines von der Stiftung Mercator geförderten Forschungsprojekts wurden die Einstellungen von Studierenden im Zeichen der Wirtschafts- und Finanz-marktkrise untersucht. Weitere Forschungsprojekte untersuchen wirtschaftspolitische Diskurse im Bereich der Schulbuchforschung und der Analyse von Mediendebatten, woraus sich Schnittstellen mit weiterer Forschung an der Fakultät ergeben.

Politische und politökonomische Implikationen sozioökonomischer Ungleichheit

Ein drittes Forschungsfeld erstreckt sich im Bereich der politischen Ökonomie und politischen Soziologie, mit natürlichen Schnittstellen zu den Nachbarinstituten für Politikwissenschaft und Soziologie. Im Rahmen des NRW Rückkehrerprogramms der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Marx wird der Einfluss sozialer Probleme auf die politische Integration in Deutschland und in vergleichender Perspektive untersucht. Ähnlich gelagert ist ein Forschungsprojekt zu sozioökonomischer Ungleichheit und demokratischer Responsivität (Post-Doc Elsässer).

Sozioökonomische Bildung und ökonomischer Pluralismus

Weitere Forschungsaktivitäten am Institut für Sozioökonomie lassen sich im Bereich der sozi-oökonomischen Bildung und zu Fragen des ökonomischen Pluralismus verorten. Ein vom For-schungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) gefördertes Forschungsprojekt (Prof. Dr. van Treeck) zielt auf die Analyse und Neuentwicklung von (digitalen) sozioökonomi-schen Lehrbüchern und Lehrmaterialien. Bei der Erstellung von Lehr-Lern-Materialien kooperiert die AG van Treeck unter anderem mit der Bundeszentrale für politische Bildung. Derzeit in Vorbereitung ist die für den 21. und 22. Februar 2019 terminierte Jahrestagung der Gesell-schaft für Sozioökonomische Bildung (GSÖBW) am Institut für Sozioökonomie in Duisburg.

Institut für Entwicklung und Frieden

Ordnungsbildung und Verantwortung im Schatten von Hierarchien

Die Forschungsarbeiten des INEF bewegen sich an der Schnittstelle der drei Felder Friedens- und Konfliktforschung, Entwicklungsforschung sowie Global Governance-Forschung. Der verbindende empirische Fokus liegt dabei auf Strukturen von Gewalt, Armut und Rechtlosigkeit, die insbesondere fragmentierte Gesellschaften im Globalen Süden betreffen. Ein Akzent wird auf die Probleme internationaler Steuerungsversuche des globalen Nordwestens zur Kontrolle oder auch Beeinflussung dieser Strukturen gesetzt.

Das Forschungsprofil ab Oktober 2018 setzt zahlreiche Arbeiten des vorhergehenden Forschungsprogramms „Verantwortung in einer konfliktiven Weltgesellschaft“ (2013-2018) fort, entwickelt diese jedoch weiter und fokussiert sich inhaltlich stärker. Es richtet sich maßgeblich an der Lage prekär oder gar nicht abgesicherter armer und vulnerabler Bevölkerungsgruppen im globalen Süden sowie an der Krise und Transformation fragiler Staaten aus. Das INEF stellt mit dem Leitmotiv „Ordnungsbildung und Verantwortung im Schatten von Hierarchien“ ungleiche Macht- und Herrschaftsstrukturen in den Vordergrund. Es untersucht, wie unter diesen Bedingungen bestehende Ordnungen hinterfragt, fortentwickelt und über gesellschaftliche Praktiken auch neu herausgebildet werden. Zugleich nimmt es die Handlungsmacht von Akteuren ernst und stellt dabei relationale Zugänge zum Verständnis von moral agency in den Vordergrund. Aus kritischer Perspektive setzt es sich empirisch insbesondere mit (neo-)liberalen Interventionsparadigmen auseinander.

Aus diesen komplementären Zugängen heraus bearbeitet das INEF drei Forschungsbereiche:

1.   Transnationale Governance und die Verantwortung privater Akteure
(Fokus: Umsetzung von Menschenrechten; Internet-Regulierung)

2.   Entwicklungspartnerschaften in Zeiten der SDGs          
(Fokus: Armutsbekämpfung und politische Partizipation in Subsahara-Afrika)

3.   Intervention, Widerstand und die Disruption politischer Ordnungen    
(Fokus: Naher & Mittlerer Osten; Subsahara-Afrika)

Der Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis ist darüber hinaus ein wichtiges Kennzeichen des INEF und umfasst ein breites Portfolio: Politikberatung; wissenschaftliche Begleitung von Politikberatung; Netzwerkbildung und Multistakeholder-Austausch; Informationsvermittlung und Einordnung von Entwicklungen in den Medien sowie über Formate, die auf eine breitere Öffentlichkeit zielen wie etwa die „Globale Trends. Analysen“ und das „Friedensgutachten“ – ein Kooperationsprojekt der vier führenden Friedensforschungsinstitute in Deutschland. Ein maßgeblicher Anteil der Transferleistungen wird im Rahmen institutionalisierter Kooperationen mit Akteuren erbracht, die im politiknahen oder politikberatenden Feld tätig sind (Stiftung Entwicklung und Frieden, Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt)).

Leitmotiv „Ordnungsbildung und Verantwortung im Schatten von Hierarchien“

Zwischen 2018 und 2021 ist die INEF-Forschung unter das Leitmotiv „Ordnungsbildung und Verantwortung im Schatten von Hierarchien“ gestellt. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass sowohl die Herausbildung und Rechtfertigung als auch die Umstrittenheit und Dekonstruktion normativer wie politisch-institutioneller Ordnungen durch formelle und informelle Hierarchien geprägt ist, in denen entlang von Machtasymmetrien Spielregeln festgelegt werden. Regulative Autorität in zahlreichen Politikfeldern ist bei derartiger, häufig disruptiver Ordnungsbildung zunehmend zersplittert und unscharf geworden, die jeweils beanspruchten Sphären überlappen sich regelmäßig. Ordnung als Konzept lässt sich unter diesen Bedingungen nicht mehr mit einer dem Subsidiaritätsprinzip folgenden Mehrebenenarchitektur oder über hegemoniale Ordnungssetzung erfassen. Vielmehr hat sich in vielen Fällen eine transnationale Polyzentrik herausgebildet, die nicht zuletzt in sich überschneidenden Rechtssystemen zum Ausdruck kommt.

Die Ordnungsstrukturen sind von vielschichtigen Hierarchien durchdrungen. In enger Verbindung mit dem Lehrstuhl Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik (Prof. Dr. Tobias Debiel) am Institut für Politikwissenschaft und seinem Leitmotiv „Ungleichheit und Hierarchien in der Weltgesellschaft“ kommt zwei Fragen besondere Bedeutung zu:

a) Inwiefern werden Hierarchien dadurch aufrechterhalten bzw. verändert, dass vorherrschende, aber auch subalterne Akteure, sich durch Bestätigung oder Widerstreit auf vorherrschende Normen bzw. Diskurse zu normativen Ordnungen beziehen?

b) Wie spiegeln sich ungleich verteilte Machtverhältnisse in Formen globaler und transnationaler Governance über Felder mit umstrittener regulativer Kontrolle wider?

Ein damit verbundener, weiterer Fokus betrifft die Herausbildung von moral agency, also der Fähigkeit von Akteuren, eigenverantwortlich zu handeln und entsprechend rechenschaftspflichtig zu sein. Die eher Mächtigen werden immer wieder zu Rechtfertigungen und Aushandlungsprozessen gezwungen, die eher Machtlosen sind Hierarchien nicht als passive Subjekte ausgeliefert, sondern verstehen es, bestehende Spielräume zu nutzen. Auch hier stehen zwei Fragen im Vordergrund:

a) Wie rechtfertigen, verhandeln, teilen und delegieren unterschiedlichste Akteure Verantwortung in einer global verflochtenen Welt?

b) Wie kann man Machtasymmetrien und Defiziten in der Rechenschaftslegung bei zunehmend polyzentrisch strukturierten Steuerungsmechanismen begegnen?

Umsetzung des Leitmotivs in den drei Themenfeldern

Transnationale Governance und die Verantwortung privater Akteure   

(Fokus Umsetzung von Menschenrechten; Internet-Regulierung)

Schon vor der aktuellen Krise des Multilateralismus fand globale Ordnungsbildung zunehmend außerhalb internationaler Organisationen und fern von staatlicher Autorität statt. Von der Problemdefinition bis hin zur Ausgestaltung konkreter Policies stellt sich globale Governance in vielen Feldern als „polyzentrische“ und fragmentierte Governance- Netzwerke dar, in denen nicht nur private, sondern auch staatliche Akteure jeweils neue Rollen suchen, aushandeln und etablieren. Die empirischen Arbeiten des INEF in diesem Bereich konzentrieren sich etwa auf die transnationale Durchsetzung von Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in globalen Wertschöpfungsketten (z.B. im Textilbereich), die Umsetzung des Rechts auf Gesundheit in der globalen Gesundheitspolitik oder die Rolle des Staates in der globalen Internet-Governance. Wie bisherige Arbeiten in diesem Schwerpunkt gezeigt haben, erlangen private Akteure über transnationale Governance-Arrangements zunehmend politische Autorität, indem diese Prozesse von Selbst- und Fremdzuschreibung von Verantwortung macht- und legitimitätspolitisch nutzen sowie allgemeinverbindliche transnationale Regulierungen schaffen. Am Beispiel globaler Wertschöpfungsketten lässt sich dabei auch zeigen, wie stark Governance-Praktiken auf der Herausbildung (transnationaler) epistemischer Netzwerke basieren. Die spezifischen Formen von „Wissenspolitik“, die erkennbar werden, reflektieren zugleich auch zugrundeliegende Machtbeziehungen.

In dieser polyzentrischen Governance-Architektur spielt Meta-Governance, die Governance von Governance, eine wesentliche Rolle bei der institutionellen Ausgestaltung von Governance und deren Praxis. Meta-Governance ist dabei längst nicht mehr die Domäne staatlicher Akteure, sondern bildet sich in der Interaktion zwischen staatlichen und privaten Akteuren sowie inter- und transnationalen Institutionen heraus. Meta-Governance umfasst dabei Werte, Normen und Prinzipien, die Problemlösungen anleiten und als Maßstab für die Bewertung erbrachter Governance-Leistungen dienen. INEF-Arbeiten konzentrieren sich in diesem Feld stark auf die Umsetzung von Menschenrechten wie etwa dem Recht auf Gesundheit oder auch auf die Regulierung des Internets.

Trotz der wichtiger werdenden Funktion privater Governance-Initiativen, bleibt die Rolle des Staates in der globalen Governance in vielen Bereichen weiterhin zentral. Nicht allein im Fall konkreten Scheiterns von Self-Governance und bei Marktversagen ist der Staat weiterhin legitimer Vertreter des öffentlichen Interesses. Spätestens in der Meta-Governance stellt sich die Frage, ob staatliche Vertreter nicht entsprechende Verantwortung in der Ausgestaltung von Governance-Netzwerken ausüben sollten. In manchen Bereichen wie etwa der Internet-Governance stehen Staaten dabei vor der Aufgabe, sich in bereits privat regulierte Bereiche neu oder wieder stärker einbringen zu müssen. Da eine solche staatliche Meta-Governance nur mittels Reflexivität die Schwächen hierarchischer Steuerung überwinden kann, untersucht das INEF, wie es staatlichen Akteuren gelingt, eine angemessene Wissensdiffusion sicherzustellen, um die notwendigen Steuerungskapazitäten aufzubauen.

Entwicklungspartnerschaften in Zeiten der SDGs

(Fokus: Armutsbekämpfung, Partizipation und Bürgerrechte in Subsahara-Afrika)

Im Teilbereich „Entwicklungspartnerschaften in Zeiten der SDGs“ steht die in den Sustainable Development Goals (SDGs) formulierte Verantwortung für ausgewählte Ziele, insbesondere der Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit, im Vordergrund. Die Herausforderung dieser normativen Ordnung für die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) der nächsten anderthalb Dekaden zwischen 2015 und 2030 ist groß.

Wichtige Leitfragen sind: Wo lassen sich in bestehenden Projekten der EZ gute Praktiken zur Armutsminderung und Ernährungssicherheit identifizieren, die wirksam und nachhaltig sind und zu einer Neuordnung von Entwicklungspartnerschaften, auch im Sinne einer Überwindung von Ungleichheiten, beitragen können? Wird die Verantwortung seitens westlicher Geber tatsächlich relational in Bezug auf das Ownership und die Selbstverantwortung der Akteure vor Ort definiert oder eher top-down vorgegeben? Die Forschungen haben Schnittstellen u.a. zur globalen Ungleichheitsforschung am Käte Hamburger Kolleg (KHK)/Centre for Global Cooperation Research. Der Fokus der empirischen, auf Feldforschung beruhenden Analyse liegt auf der Integration partizipativer, gender-orientierter und sozio-kulturell sensitiver Dimensionen in die normativen Strukturen und operativen Praktiken der Entwicklungszusammenarbeit, wobei der regionale Fokus neben Südostasien maßgeblich auf Subsahara-Afrika liegt.

Darüber hinaus stellen Forschungen in dem Feld der SDGs die Frage, wie bestehende Modelle von Entwicklungspartnerschaften durch „neue Geber“ herausgefordert werden, wie insbesondere China, aber auch Indien, dies vorantreiben. Dabei geht es nicht nur, wie häufig betont wird, um neue machtpolitische Rivalitäten, die über das Instrument der Entwicklungszusammenarbeit zwischen „alten“ und „neuen Gebern“ ausgetragen werden. Vielmehr stehen auch die normativen und prozeduralen Standards auf dem Prüfstand, die die OECD-Staaten etwa im Rahmen des Development Assistance Committee (DAC) herausgebildet haben. Führt die neue Umstrittenheit normativer und institutioneller Ordnungen zu einer weiteren Fragmentierung von Entwicklungspartnerschaften? Oder ergeben sich hieraus neue Chancen, dass auch die „neuen Geber“ ihre Verantwortung für die Umsetzung der SDGs im globalen Süden umfassend wahrnehmen?

Im Unterschied zu den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten berücksichtigen die SDGs die bürgerlich-politischen Menschenrechte, wie der Zivilpakt der Vereinten Nationen sie definiert, eher beiläufig. Nur SDG 16 zu „Frieden, Gerechtigkeit und Starke Institutionen“, hat einen entsprechenden Schwerpunkt. Jedoch fordern nur verhältnismäßig wenige Unterziele von SDG 16 explizit, dass die bürgerlich-politischen Menschenrechte, wie z.B. die Informationsfreiheit, geschützt und unabhängige nationale Menschenrechtsinstitutionen errichtet werden sollen. Entsprechend spielen hier Fragen der Demokratieförderung und des Menschenrechtsschutzes kaum eine Rolle. Wie aber sind die Trends und Zielkonflikte in diesen Feldern? Wie gestaltet sich die EZ mit Partnerstaaten, die dem Modell des „Entwicklungsstaates“ („developmental state“) folgen, dem weder ein liberales Demokratieverständnis noch die Prinzipien individueller Partizipation und pluraler Repräsentation zugrunde liegen? Bildet sich angesichts der impliziten Prämisse der SDGs, dass es primär um soziale und wirtschaftliche Entwicklung geht, hier eine neue normative Ordnung heraus, deren „Tunnelblick“ auf die Erreichung der SDGs auf Kosten der bürgerlich-politischen Menschrechte geht? Die Forschungen in diesem Bereich verbinden die Analyse von Makro-Daten mit Fallstudien zu konkreter bilateraler Kooperation.

Intervention, Widerstand und die Disruption politischer Ordnungen

(Fokus: Gewaltkonflikte im Nahen & Mittleren Osten sowie in Subsahara-Afrika)

Seit den 1990er Jahren hat die Zahl externer Interventionen deutlich zugenommen, sei es über Militäreinsätze gegen den Willen der betroffenen Regierungen (mit und ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats), sei es über das Instrument UN-Friedensoperationen, die einvernehmlich mit den beteiligten Parteien ausgehandelt werden. Hinzu kommt, dass es zunehmend auch auf regionaler Ebene, z.B. bei der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS, Normbildungsprozesse und entsprechende Interventionspraktiken gibt. Die externen Initiativen um Steuerung und Stabilisierung fragiler Staaten stoßen auf institutionelle wie auch gesellschaftliche Strukturen, die geprägt sind durch Fragmentierung, oftmals ethnisch oder religiös definierte Identitätspolitiken und tiefgreifende Interessenkonflikte. Die intervenierenden Staaten und Organisationen haben oftmals selbst dazu beigetragen, Zerfalls- und Gewaltdynamiken zu beschleunigen. Hier kommt es darauf an, die konzeptionellen Vorstellungen der Interventen nachzuvollziehen. Interventionen stoßen in aller Regel auf lokale und transnationale Widerstände. Diese können friedlich verlaufen und sich etwa im Unterlaufen von Vereinbarungen oder gar in der Instrumentalisierung externer Ressourcen für eigene Zwecke ausdrücken. Sie können aber auch gewaltsam sein und die Form von Aufständen oder terroristischer Gewalt annehmen. Die daraus resultierenden Eskalationsspiralen führen häufig zur Disruption staatlicher und para-staatlicher politisch-institutioneller Ordnungsstrukturen. Sie fordern zudem mit Nachdruck die Legitimität westlicher Selbstzuschreibungen von Verantwortung für die Fürsorge und den Schutz in fragilen Staaten heraus, wie sie etwa im Rahmen der Responsibility to Protect (R2P) zum Ausdruck kommt, aber auch in karitativen und humanitären Ansprüchen von UN-Organisationen oder transnationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie bei Versuchen externen Nation-Buildings.

Mit Blick auf externe Zwangsmaßnahmen liegt der empirische Fokus auf dem Nahen und Mittleren Osten, wo es seit 2003 zu extern induziertem Regimewandel insbesondere im Irak und in Libyen kam und derzeit sowohl ein kriegerischer Zerfall als auch eine regionale Neuordnung zu beobachten sind. Hohe Bedeutung hat die Ursachenanalyse, insbesondere die Frage, wie und warum die von außen gewählten militärischen und zivilen Strategien und ihre Umsetzung zu den Zerfallsprozessen beitragen – und wie dies mit internen soziopolitischen Strukturen und Prozessen interagiert. Außerdem stehen folgende Fragen im Vordergrund: Was folgt auf den Zerfall der westfälisch geprägten Staatenordnung in dieser Region? Welche Verantwortung schreiben sich internationale, regionale, nationale und transnationale Akteure dabei zu? Lassen sich die damit verbundenen, oft hochproblematischen und rivalisierenden Legitimitätsansprüche im Rahmen von Nachkriegsordnungen konstruktiv berücksichtigen?

Bei der Analyse von Friedensoperationen der UN und von Regionalorganisationen liegt der empirische Fokus auf Subsahara-Afrika. Unter Bezug auf post-liberale Ansätze untersucht das Forschungsfeld sozial-technokratisch geprägte Projekte der Konflikttransformation und internationalisierter Steuerung, die in der Regel auf liberal-universellen Wissensbeständen und Verantwortungsverständnissen beruhen. Die Untersuchungsfragen sind: Wie wirken sich diese Unternehmungen auf die in der Regel durch hybride institutionelle Arrangements geprägten politischen und staatlichen Ordnungen im Globalen Süden aus? Lassen sich universell grundierte Vorstellungen von Ordnung und Verantwortungswahrnehmung mit den in der Regel anders, manchmal gar konträr gelagerten Alltagswelten und gesellschaftlichen Praktiken in den Krisenregionen in Einklang bringen? Besondere Beachtung finden dabei lokale Agenten, die sich zunehmend aus post-kolonialen Abhängigkeitsverhältnissen lösen oder eigene Agenden verfolgen sowie eigene Vorstellungen von Ordnung und Sicherheit an der Schnittstelle von nationalem, lokalem und transnationalem Regieren den westlich orientierten Konzepten entgegensetzen.

 

Institut Arbeit und Qualifikation

 

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) wurde 2007 als Forschungsinstitut in der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen gegründet. Im IAQ arbeiten (Stand: 31.12.2017) 46 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, darunter vier Senior Research Fellows. Seit April 2016 wird das IAQ von Prof. Dr. Ute Klammer (Geschäftsführende Direktorin) und Dr. Claudia Weinkopf (Stellvertretende geschäftsführende Direktorin) geleitet, seit April 2018 gemeinsam mit Ingrid Fitzek (administrative Geschäftsführung).
Das IAQ führt interdisziplinäre und international vergleichende sozialwissenschaftliche Forschung auf den Gebieten Arbeit/Arbeitsregulierung und Beschäftigung, Soziale Sicherung sowie Bildung und Erziehung durch. Kennzeichnend für das Forschungsprofil des IAQ ist die Kombination von grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung zur nachhaltigen Gestaltung von Arbeits-, Lohn-, Sozial- und Bildungssystemen im Kontext des gesellschaftlichen und technologischen Wandels. Das IAQ ist in internationale Forschungsnetzwerke eingebunden und führt Projekte mit Förderung und im Auftrag nationaler und internationaler Geldgeber durch. Förderer bzw. Auftraggeber sind u.a. die Europäische Kommission, die DFG, das BMBF, das BMAS, die HBS und weitere Stiftungen sowie weitere Ministerien und Kommunen. Das Drittmittelvolumen des IAQ konnte 2017 auf fast 1,8 Millionen Euro (Summe der auf das Berichtsjahr entfallenden Drittmittel aller laufenden Projekte) gesteigert werden. Es wurden sieben neue Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von gut rund 1,7 Millionen Euro akquiriert. Mit seiner Forschung unterstützt und berät das IAQ zudem Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, erarbeitet wichtige Entscheidungsgrundlagen und evaluiert unterschiedliche Praxisprojekte.

Das IAQ organisiert seine Arbeit gegenwärtig in vier Forschungsabteilungen

Arbeitsmarkt – Integration – Mobilität

Die Forschungsabteilung AIM (Leitung: Prof. Dr. Martin Brussig) befasst sich mit der Mobilität auf dem Arbeitsmarkt. Es werden die unterschiedlichen Formen der Übergänge im Arbeitsmarkt und ihre Folgen für die Beschäftigungsfähigkeit, die Erwerbschancen und die soziale Sicherung untersucht. Wechsel in, aus und innerhalb von Erwerbstätigkeit werden individuell vollzogen, sind aber institutionell geprägt und je nach institutionellem Rahmen auch unter-schiedlich risikoreich. Ein Schwerpunkt der Forschungsabteilung liegt – auch im internationalen Vergleich – auf der Analyse institutioneller Rahmenbedingungen. Chancen und Risiken am Arbeitsmarkt werden durch die Arbeitsmarktpolitik geprägt. Für die Arbeit der Forschungsab-teilung ist eine kritische Auseinandersetzung mit der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik charakteristisch. Zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten zählen die Arbeitsmarktpolitik (Instrumente, Organisationen und Akteure sowie Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen aktivierender Arbeitsmarktpolitik), Alterserwerbstätigkeit und Altersübergang, Mobilitätsprozesse am Arbeitsmarkt und in Unternehmen sowie Zusammenhänge zwischen Migration und Sozialpolitik.

Arbeitszeit und Arbeitsorganisation

Die Forschungsabteilung AZAO (Leitung: Prof. Dr. Thomas Haipeter) untersucht die Gestaltung, Organisation und Regulierung von Arbeit und Arbeitszeit. Fluchtpunkt der Analysen ist die Stärkung sozial und wirtschaftlich nachhaltiger Arbeitsbedingungen. Dabei werden die Chancen ausgelotet, die Handlungsressourcen der Beschäftigten zu verbessern, das individuelle Arbeitsvermögen zu erhalten und weiterzuentwickeln sowie das gesellschaftliche Beschäftigungspotenzial zu nutzen und zu fördern. Aktuell arbeitet die Abteilung in Projektclustern an drei Themen: der nachhaltigen Gestaltung und Regulierung digitalisierter Arbeit, den Determinanten und neuen Regulierungsformen der Arbeitszeit und der Erneuerung industrieller Beziehungen mit Schwerpunkt auf transnationalen Interessenvertretungen und Arbeitsregulierung.

Bildung und Erziehung im Strukturwandel

Die Forschung der Abteilung BEST (Leitung: Prof. Dr. Sybille Stöbe-Blossey) konzentriert sich auf das Bildungs- und Erziehungssystem, das mit einem doppelten Strukturwandel konfrontiert ist: Einerseits wird es als Schlüsselfaktor gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung betrachtet; Bildung und Erziehung sollen Wettbewerbsfähigkeit ebenso wie sozialen Zusam-menhalt und individuelle Teilhabe stärken, zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen beitragen und Voraussetzungen für die Nutzung von Potenzialen der Digitalisierung schaffen. Andererseits muss sich dafür das System selbst kontinuierlich verändern – im Hinblick auf seine Governance-Strukturen, die Angebots- und Organisationsentwicklung sowie die Qualifikation und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Vor diesem Hintergrund befasst sich die Abteilung mit der Kette lebenslangen Lernens. Aktuelle Forschungsschwerpunkte umfassen die betriebliche, schulische und akademische Berufsbildung, Entwicklungen in der tertiären Bildung, Übergänge in der Bildungs- und Erwerbsbiografie, Netzwerke und integrierte Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche und Familien als Elemente vorbeugender Sozialpolitik sowie Migration und Integration als Herausforderung für das Bildungs- und Erziehungssystem.

Flexibilität und Sicherheit

In der Abteilung FLEX (Leitung: Dr. Claudia Weinkopf) wird untersucht, welche Faktoren Veränderungen in der Arbeitswelt beeinflussen und wo Gestaltungsoptionen für eine neue Balance zwischen Flexibilitätsanforderungen und sozialem Ausgleich liegen. Das Spannungsver-hältnis von Flexibilität und Sicherheit ist ein fruchtbarer Zugang für empirische Forschungsfra-gen zur Entwicklung von Beschäftigungssystemen wie auch eine normative Kategorie, mit der Veränderungen von institutionellen und betrieblichen Rahmenbedingungen sowie deren Wirkungen erfasst und bewertet werden können. Von besonderem Interesse sind hierbei Hinter-gründe und Auswirkungen der Zunahme von Niedriglöhnen und prekärer Beschäftigung sowie Ansatzpunkte für bessere Arbeitsbedingungen auf unterschiedlichen Ebenen (Betriebe, Branchen, Institutionen). Aktuelle Forschungsschwerpunkte der Abteilung umfassen die gesetzliche und tarifliche Regulierung von Mindestarbeitsbedingungen und deren Einhaltung, institutionelle Ansatzpunkte zur verbesserten Durchsetzung von Mindestlöhnen und arbeitsrechtlichen Standards in der Praxis sowie Veränderungen im Bereich einfacher Tätigkeiten im Zuge des zunehmenden Fachkräftebedarfs und der Digitalisierung inklusive hieraus resultierender Herausforderungen für Unternehmen, kollektive Akteure und soziale Sicherungssysteme.

Institut für Ostasienwissenschaften

Das Institut für Ostasienwissenschaften verfolgt den Ansatz, die in den Methodendisziplinen entwickelten Theorie- und Forschungsperspektiven als Leitprinzip in auf Ostasien fokussierten Studien anzuwenden. Zur Koordination der ostasienbezogenen Forschung und Lehre wurde 1994 als fachübergreifendes Zentralinstitut das Institut für Ostasienwissenschaften (IN-EAST) gegründet. Mit über 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, viele davon durch Drittmittel finanziert, ist IN-EAST heute das größte universitäre Institut der gegenwartsbezogenen Ostasienforschung im deutschsprachigen Raum. Die beiden großen kooperativen Projekte, das DFG-Graduiertenkolleg 1613 zum Thema „Risk and East Asia“ und die IN-EAST School of Advanced Studies zu “Innovation in East Asia“ werden in den nächsten Jahren abgeschlossen. Nach der Entwicklung einer neuen Forschungsagenda zu transnationalen Fragestellungen in Ostasien (Driving Forces of Institutional Convergence and Divergence: Asynchronous (Dis-)Integration and East Asia) werden gegenwärtig erste Forschungsvorhaben im Rahmen dieser Agenda initiiert.

Käte Hamburger Kolleg

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Käte Hamburger Kolleg zum Thema „Politische Kulturen der Weltgesellschaft. Chancen globaler Kooperation im 21. Jahrhundert“ trägt mit den zahlreichen nationalen und vor allem internationalen Fellows, die seit dessen Gründung als Gastforscher und -forscherinnen dort tätig sind, und einem reich-haltigen Veranstaltungsangebot mit renommierten Vortragenden aus dem In- und Ausland stark zur Internationalisierung der sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschung der Universität bei. Es wurde 2017 durch eine internationale Gutachterkommission positiv evaluiert und für eine zweite Förderphase von Februar 2018 bis Januar 2024 verlängert. Das Kolleg sieht globale Kooperation als Schlüssel für die Lösung dringender transnationaler Probleme. Dabei fördert es den Wissensaustausch zwischen Forschung, Praxis und interessierter Öffentlichkeit. Es ist eine zentrale Kernstruktur im Profilschwerpunkt „Wandel von Gegenwartsgesellschaften“. Das INEF ist zusammen mit dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE, Bonn) und dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI, Essen) eines der Gründungs- und Trägerinstitute des KHK. Die hieraus resultierenden Schnittstellen zum Forschungsaustausch und für gemeinsame Forschungsaktivitäten zwischen den genannten Einrichtungen, aber auch darüber hinaus mit den anderen Instituten der Fakultät werden aktiv genutzt und im Rahmen von Forschungskolloquien und weiteren wissenschaftlichen Austauschformaten gelebt.

 

Kontakt und Anlaufstellen

Postanschrift

Universität Duisburg-Essen
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften
Dekanat
Lotharstr. 65
47057 Duisburg

Dekanin

Univ.-Prof. Dr. Petra Stein
Telefon: (0203) 379 -2415

Dekanatsassistenz

Natascha Seyock
Telefon: (0203) 379 - 2414

Geschäftsführung

Dr. Solveig Randhahn
Telefon: (0203) 379 - 1396

Marco Bauschus
Telefon: (0203) 379 - 3105

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