Wirtschaftstransformation in der Industrie
Neustrukturierung statt Abbau am Arbeitsmarkt
- von Katja Goepel
- 16.02.2026
Wenn vom wirtschaftlichen Wandel die Rede ist, dominiert oft eine Sorge: drohender Personalabbau. Für viele Betriebe ist jedoch ein anderes Problem ebenso drängend: Sie finden kein qualifiziertes Personal. Die regionale Fachkräfteanalyse, entwickelt am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, kann dabei helfen. Dr. Andreas Jansen und Prof. Dr. Martin Brussig stellen im aktuellen Report* ihre Analyse für die Region Berlin-Brandenburg vor. Im Fokus: die Metall- und Elektronindustrie, die besonders stark von der Wirtschaftstransformation betroffen ist.
Der Fachkräftemangel in Deutschland betrifft längst nicht mehr nur die neu entstehenden Beschäftigungsfelder in E-Mobilität, Wasserstoffwirtschaft, Biotechnologie, KI oder Robotik. Auch in den traditionellen Berufen der Metall- und Elektroindustrie fehlen zunehmend qualifizierte Beschäftigte. Um dem zu begegnen, ist verlässliches Wissen über Fachkräftebedarfe und -engpässe nötig. Die regionale Fachkräfteanalyse des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen greift dafür auf die Daten und die Methodik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zurück, beispielsweise auf die Beschäftigungsstatistik, die Statistik der gemeldeten Arbeitsstellen und die Arbeitslosenstatistik.
Um die Analyse von Fachkräfteengpässen auch auf regionaler Ebene durchführen zu können, hat Arbeitsmarktforscher Dr. Andreas Jansen die BA-Methodik weiterentwickelt. Statt Abgrenzungen nutzt die Analyse überlappende Arbeitsmarktregionen und berücksichtigt so auch Pendlerströme. Für jede Arbeitsmarktregion und jede Berufsgruppe der Metall- und Elektroindustrie konnte so der aktuelle Fachkräfteengpass berechnet werden. Das Ergebnis: Die Transformation der Industrie in der Region Berlin-Brandenburg führt nicht zu einem allgemeinen Beschäftigungsrückgang, sondern eher zu einer strukturellen Neuordnung von Tätigkeiten. Neben schrumpfenden Branchen und Berufsfeldern finden sich auch wachsende industrielle Segmente. Auffällig sind die regionalen Unterschiede: So bestehen in Berlin in den meisten Berufsgruppen keine Fachkräfteengpässe. Im Großteil der brandenburgischen Regionen sind sie dagegen deutlich ausgeprägter.
Rechnet man jedoch die Pendlerverflechtungen mit Berlin ein, so schrumpfen die Fachkräfteengpässe erheblich. Nur in wenigen Berufsfeldern bleiben sie bestehen. „Theoretisch ließen sich große Teile der Engpässe in Brandenburg decken, wenn Beschäftigte aus Berlin dort arbeiten würden“, sagt Dr. Andreas Jansen. „Es ist nun Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik, vor allem in den wachsenden Beschäftigungsfeldern zu einer nachhaltigen Fachkräfteversorgung beizutragen“, erläutert der Arbeitsmarktforscher. Eine Möglichkeit wären sogenannte Jobdrehscheiben. Fachkräfte, die in ihrer Region zum Beispiel aufgrund von Stellenabbau nicht weiterbeschäftigt werden, könnten passgenau in Regionen umverteilt werden, in denen akuter Bedarf besteht.
Über diese Ergebnisse und die Chancen von Jobdrehscheiben diskutieren Dr. Andreas Jansen und Prof. Dr. Martin Brussig mit Prof. Dr. Michael Behr und Dr. Marc Schietinger am Montag, den 23. Februar, um 14:30 Uhr in der digitalen Diskussionsreihe „IAQ debattiert“. Anmeldungen sind bis zum 18. Februar über die IAQ-Website möglich.
* Der vorliegende Report ist eine Zusammenfassung der am IAQ erarbeiteten Fachkräfteanalyse für ein Projekt im Auftrag des Regionalen Transformationsnetzwerkes (ReTraNetz) Berlin-Brandenburg, in dessen Zentrum die Entwicklung eines Konzepts für eine Jobdrehscheibe stand.
IAQ debattiert: Jobdrehscheiben: Chancen für die Industriearbeit?
Montag, 23.02.2026, 14:30-16:00 Uhr, Zoom
https://www.uni-due.de/iaq/iaqdebattiert-20260223.php
Weitere Informationen:
Andreas Jansen, Martin Brussig, 2026: Transformation der Industrie in Berlin und Brandenburg - Folgen für den Arbeitsmarkt. Duisburg: Inst. Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report 2026-02
Dr. Andreas Jansen, Institut Arbeit und Qualifikation, Arbeitsmarkt – Integration – Mobilität (AIM),
+49 203 37 91391, andreas.jansen@uni-due.de
Prof. Dr. Martin Brussig, Institut Arbeit und Qualifikation, Arbeitsmarkt – Integration – Mobilität (AIM), +49 203 37 93931, martin.brussig@uni-due.de
Redaktion: Katja Goepel, Pressereferentin, Institut Arbeit und Qualifikation, katja.goepel@uni-due.de