Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

UDE stellt IAQ-Report zur Schulbildung im Ruhrgebiet vor

Mehr Kinder besser fördern

[17.05.2010] Bildungserfolg im Revier – Hier geht die Schere weit auseinander zwischen den Abschlüssen bei Einheimischen und Migranten sowie zwischen Stadtquartieren im reichen Süden und im armen Norden, attestiert das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Zwar hat fast jeder dritte Schulabsolvent in der Region 2008 erfolgreich sein Abitur gemacht, fünf Prozent mehr als noch 2005. Auch im Bundesvergleich erzielte die Ruhrgebiets-Schülerschaft insgesamt mehr bessere Abschlüsse. Trotzdem gibt es mit 7,3 Prozent einen „soliden Sockel des Scheiterns“ von Schülern ohne Abschluss.

Die regionalen „Bildungshochburgen“ sind die vergleichsweise einkommensstarken Städte Mülheim, Essen, Bochum und Hagen, wie der IAQ-Bildungsexperte Dirk Langer im aktuellen IAQ-Report zeigt. Insbesondere junge, inländische Frauen schaffen eine erfolgreiche allgemeinbildende Schulkarriere. Verlierer in der Bildungsbeteiligung des Ruhrgebiets sind ausländische Jugendliche. Vor allem ausländische junge Männer erzielen kaum einen mittleren oder gehobenen Abschluss: Der größte Teil von ihnen beendet maximal die Hauptschule; fast jeder Fünfte scheitert in der Schule und hat dann erhebliche Probleme eine Ausbildung zu beginnen.

Die Emscher-Lippe-Region mit Gelsenkirchen, Bottrop und dem Kreis Recklinghausen sowie die Städte Duisburg und Hamm bilden die Schlusslichter. Die Botschaft lautet hier: Zu wenig (Fach-)Abiturienten und zu viele Schulabgänger ohne Abschluss bzw. nur mit einem Hauptschulabschluss. Das lässt sich bereits seit Beginn der 1980er Jahre beobachten. „Hier ist es noch nicht gelungen, eine positive Veränderung in der Bildungsbeteiligung zu erzielen“, stellt der IAQ-Bildungsforscher Dirk Langer fest.

Für eine mittelfristig positive Entwicklung sei es notwendig, möglichst frühzeitig präventive Bildungskonzepte umzusetzen. Gute Ansätze dafür gibt es – so wurde die Stadt Gelsenkirchen soeben für ihr Projekt „Bildung und Erziehung von Anfang an“ mit dem internationalen Preis „City for Children“ ausgezeichnet.

Bildungsabwärtsspiralen vorbeugen

Die Sprachförderung müsste weiter ausgebaut und kontinuierlich angelegt werden – vom Kindergarten bis zur beruflichen Ausbildung, um die derzeit noch immense Hürde beim Übergang in den Beruf zu reduzieren. Darüber hinaus sollte das Bildungsniveau in Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern verbessert werden. Ganztagsschulen, die mehr Raum, Zeit und Gelegenheit für das gemeinsame Lernen bieten, sind eine Lösung, um Benachteiligungen zu kompensieren und vorhandene Stärken auszubauen.

Besonders im nördlichen Ruhrgebiet gibt es nach Beobachtung des IAQ Stadtviertel, in denen sich Probleme häufen. Dazu gehören eine hohe Arbeitslosigkeit, Armut, hohe Anteile an Haushalten im Hartz IV-Bezug, Ein-Eltern-Familien, bildungsferne Familienmilieus, fehlende Vorbilder für die Bildung, Migration und eine sozial benachteiligte einheimische Bevölkerung. Hier beginnen Bildungsabwärtsspiralen bei Kindern und Jugendlichen mit mangelnder Gesundheitsförderung im frühkindlichen Alter. Sie gehen weiter mit niedrigen Schulabschlüssen, die zu einer niedrigen beruflichen Qualifikation führen, die wiederum von einem größeren Risiko der Arbeitslosigkeit begleitet wird, was zu längerer Arbeitslosigkeit beiträgt und schließlich den Bezug langfristiger Lohnersatzleistungen erfordert.

Frühe Förderung

Angesichts der zunehmend unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in diesen Stadtquartieren müsste schon im frühkindlichen Alter mit umfassender Förderung begonnen werden. So können Lerngruppengrößen verringert und ganztägige Schulangebote verankert werden – für nachhaltige Bildungserfolge und damit mehr ausbildungsfähige Schüler, meint Dirk Langer: „Über die kommunalen Zuständigkeitsbereiche im Ruhrgebiet hinweg müssen die Handlungsträger gemeinsam viel deutlicher auf die in Teilregionen prekären Bildungsergebnisse hinweisen, als es heute getan wird. Mit bedarfsorientierten, zusätzlichen Bildungsangeboten – beispielsweise einer Sprachförderung über die Bildungssegmente hinweg – kann man diesem Trend entgegenwirken.“

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2010/report2010-03.php
Dirk Langer, Tel. 0203/379-2397, dirk.langer@uni-due.de; Dr. habil. Sybille Stöbe-Blossey, Tel. 0203/379-1805, sybille.stoebe-blossey@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

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