Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

v.l.: Henna Akcöltekin (1 Jahr), SFB-Sprecher Prof. Dr. Michael Horn-von Hoegen, Betreuerin Alma Baumann, Lara Meyer zu Heringdorf (6 Jahre), Dipl.-Phys. Sevilay Akcöltekin, Dekan Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Elizabeth Meyer zu Heringdorf, Linnea Kammler (2,5 Jahre) und Dr. Martin Kammler.
v.l.: Henna Akcöltekin (1 Jahr), SFB-Sprecher Prof. Dr. Michael Horn-von Hoegen, Betreuerin Alma Baumann, Lara Meyer zu Heringdorf (6 Jahre), Dipl.-Phys. Sevilay Akcöltekin, Dekan Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Elizabeth Meyer zu Heringdorf, Linnea Kammler (2,5 Jahre) und Dr. Martin Kammler.

Flexibles Kinderbetreuungskonzept wird vorgestellt

Karrierekick statt Karriereknick

[20.05.2010] Akademische Laufbahn und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren, ist oft nicht einfach. Vor allem für Wissenschaftlerinnen folgte bisher nach der Promotion häufig das Karriere-Aus. „Eine mehrjährige Familienphase und danach eine Rückkehr an den Arbeitsplatz – das ist kein Modell für eine wissenschaftliche Karriere. In der Forschung muss man am Ball bleiben“, weiß der Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) 616, Prof. Dr. Michael Horn-von Hoegen von der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Deshalb hat der SFB 616 zusammen mit dem Elternservice der UDE ein neues Kinderbetreuungskonzept entwickelt, um Notfallsituationen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das flexible Angebot für Kinder von 0 bis 12 Jahren unterstützt SFB-MitarbeiterInnen vom Studierenden bis zum Professor. Exzellente NaturwissenschaftlerInnen mit eigenem Nachwuchs werden so stärker an die UDE gebunden und in ihrer akademischen Laufbahn gefördert.

Verlässliche Betreuung innerhalb von drei Stunden

Wenn eine wichtige Konferenz ansteht, aber der Babysitter fehlt, oder das Experiment länger dauert und niemand das Kind abholen kann, setzt der individuelle Notfall-Service ein. „Oft verläuft ein wichtiges Experiment überraschend und richtet sich nicht nach den üblichen Arbeitszeiten. Dann ist es wichtig, dass ich kurzfristig die Betreuung meiner Kinder sicherstellen kann. Das ist künftig mit nur einem Anruf bei der Agentur, die mit dem SFB kooperiert, möglich“, sagt Dr. Thorsten Balgar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Physikalische Chemie. Innerhalb von drei Stunden kommt dann eine qualifizierte Betreuerin, die den Nachwuchs zuhause oder im Spielzimmer MC 247 beaufsichtigt. Aktuell werden rund 15 Kinder, die durchschnittlich drei Jahre alt sind, betreut.

Die Uni-Unterbringung neben dem Labor und Büro ermöglicht einen direkten Kontakt zwischen Eltern und ihrem Nachwuchs: „Das ist auch für die Kinder sehr wichtig, denn in besonderen Situationen brauchen sie die Nähe ihrer Eltern“, sagt Thorsten Balgar. „Außerdem“, betont Professor Horn-von Hoegen, „sorgen wir so dafür, dass unsere Mitarbeiter ohne Probleme weiterarbeiten können und motivieren sie zu mehr Einsatz an der Universität.“ Die verlässliche Betreuung ist für sämtliche Mitarbeiter des SFBs kostenlos und kann ohne Voranmeldung genutzt werden.

Kinder erobern das Dekanatsbüro

Für das Kinderbetreuungszimmer hat der Dekan der Fakultät für Physik, Prof. Dr. Michael Schreckenberg, sein Büro auf dem Duisburger Campus zur Verfügung gestellt. In dem rund 30 Quadratmeter großen Raum können bis zu sechs Kinder nach Herzenslust spielen, toben und lesen. Das Zimmer ist mit Wickelkommode, Turnmatte und bunten Tischen sowie Stühlen ausgestattet. Während sich die Eltern unbelastet ihren Forschungen, Experimenten und Messungen widmen können, sind die kleinen Gäste gut versorgt: Jede Menge Spiele, eine Holzeisenbahn, Hörbücher, Legosteine, Puppen und bunte Bilderbücher sorgen für Spaß und Abwechslung.

Auch Dienstreisen mit Kind sind künftig kein Problem mehr, denn die unkonventionelle Unterstützung ist nicht ortsgebunden: Ein großes Netz von Betreuungsstützpunkten in Deutschland sorgt dafür, dass die WissenschaftlerInnen auch bei Tagungen und Konferenzen, die bis zu vier Tage dauern können, die praktische Hilfe beanspruchen können. Das Angebot wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über 12 Jahre mit jährlich 30.000 Euro als SFB-Gleichstellungsmaßnahme gefördert.

Der SFB 616 ist eines der Aushängeschilder der UDE. Er besteht aus rund 80 Mitarbeitern, darunter 28 Doktoranden, sieben Promovendinnen und 30 Studierende und wird mit 2 Mio. Euro jedes Jahr von der DFG gefördert. Die jungen und etablierten SpitzenforscherInnen arbeiten über „Energiedissipation an Oberflächen“. Sie analysieren unter anderem, welche Prozesse ablaufen, wenn Energie auf eine Oberfläche trifft. Die Anwendungsfelder sind vielfältig, sie reichen von der Medizin über die Elektronik bis zu den Materialwissenschaften.

Erfolgreiches Konzept bindet Spitzenkräfte an die UDE

Auch die männlichen SFB-Mitarbeiter sind sehr an einer guten Unterbringung für ihren Nachwuchs interessiert, zum Beispiel der 31-jährige Diplomand Jörg Reimann. Der Vater eines fast dreijährigen Jungen, dessen Frau als Krankenschwester im Schichtdienst arbeitet, empfindet das individuell zugeschnittene Angebot als eine große Hilfe: „Gut ist, dass der Notfall-Service kurzfristig zu ‚unorthodoxen‘ Zeiten genutzt werden kann und auch dann einspringt, wenn der Kindergarten geschlossen ist.“

Der Physiker fühlt sich entlastet: „Ich habe mehr Zeit für mein Projekt und kann mich viel entspannter meiner Familie widmen.“ Auch seine Frau plagt kein schlechtes Gewissen mehr, wenn sie ihre Schichtdienste absolvieren muss oder an Fortbildungen teilnimmt, berichtet er begeistert. Da er häufig Messungen im Labor durchführt, will er die flexible Betreuung für seinen Sohn „sehr oft“ nutzen. Wie ihm geht es auch anderen KollegInnen: Voraussichtlich rund ein Drittel aller SFB-MitarbeiterInnen wird auf das praktische Hilfsangebot zurückgreifen.

Karrierekick statt Karriereknick − künftig sollen noch mehr SpitzenwissenschaftlerInnen mit Kindern diesem Beispiel folgen: „Dass wir unser fantastisches Potenzial vergeuden, ist bald Vergangenheit. Jetzt kommt es zu einem echten Paradigmenwechsel“, freut sich Professor Horn-von Hoegen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Michael Horn-von Hoegen, Tel. 0203/379-1438/1439, horn-von-hoegen@uni-due.de

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430


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