Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

John C. Campbell referiert als Scientist in Residence

Wie geht´s Dir eigentlich, Japan?

[05.12.2011] In vielen Jahresrückblicken wird der März wohl einen besonderen Stellenwert einnehmen: Ein schweres Erdbeben erschüttert Japan, der anschließende Tsunami überflutet die Nordostküste und in Fukushima kommt es zur atomaren Katastrophe. Noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wird es dauern, bis sich das Land von der Zerstörung erholt hat – von den Langzeitfolgen an der Reaktorruine ganz abgesehen. Auch das japanische Gesundheitssystem und die (Sozial-)Politik haben mit den Folgen des Dreifach-Desasters zu kämpfen: Ein erstes Fiebermessen unternimmt am 15. Dezember der renommierte Politikwissenschaftler Prof. Dr. John C. Campbell. Er ist in diesem Jahr als Scientist in Residence an der Universität Duisburg-Essen (UDE) zu Gast.

Der Vortragstitel deutet es schon an: die Diagnose fällt eher ernüchternd aus. Campbell befasst sich mit „Long-term problems and short-term disasters: Politics and social policy in post 3/11 Japan“, zu Deutsch: Dauerhafte Probleme und kurzfristige Katastrophen: Politik und Sozialpolitik im Japan nach dem 11. März. Dabei setzt sich der ausgewiesene Kenner des japanischen Gesundheitswesens auch mit den Folgen des demographischen Wandels auseinander und vergleicht den Pflegeversicherungsschutz international: „Campbell untersucht z.B., wie Staaten sich immer mehr aus der Verantwortung für soziale Risiken zurückziehen, um diese Last an den Einzelnen bzw. an Familien abzugeben“, erklärt UDE-Soziologin Prof. Dr. Karen Shire.

Bis zu seiner Emeritierung 2007 war Campbell mehr als 15 Jahre Professor für Politikwissenschaften an der University of Michigan, Ann Arbor. Seit 2006 leitet er ein Kolloquium an der University of Tokyo für ausländische Doktoranden. Zudem wird er regelmäßig von Universitäten für Gastprofessuren angefragt. So war er 2010 mehrere Monate am Institut für Japanologie der FU Berlin tätig, zuvor hatten ihn seine Wege ans Institut für Gerontologie nach Tokyo und an die Yokohama National University geführt.

Als Scientist in Residence setzt Campbell auf den Dialog und hat sich einen starken Gesprächspartner an seine Seite geholt: Prof. Dr. Gerald Curtis von der Columbia University of New York ist führender Experte für das politische System des Inselstaates. Seit den 60er Jahren hat er unter anderem zahlreiche japanische Ministerpräsidenten beraten. In seiner aktuellen TV-Dokumentation deckt der Politikwissenschaftler die sozialen Verlagerungen und staatlichen Herausforderungen nach der Katastrophe auf.

Seit 1998 begrüßt die UDE jährlich einen angesehenen Wissenschaftler als Scientist in Residence. Zu Gast waren bisher unter anderen der Stammzellforscher Prof. Dr. Rudolf Jaenisch, der ehemalige Kulturstaatsminister und Philosoph Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin sowie der Botaniker und Bioniker Prof. Dr. Wilhelm Barthlott. Finanziell unterstützt wird die Gastprofessur von der Sparkasse Essen.

Der öffentliche Vortrag in englischer Sprache findet am 15. Dezember um 17 Uhr im Hörsaal S07 S00 D07 am Campus Essen statt.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karen Shire, Tel 0203/379-4048, karen.shire@uni-due.de
Uta Golze, Tel. 0203/379-2249, uta.golze@uni-due.de

Redaktion: Carmen Tomlik, Tel. 0203/379-1489

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