Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

UDE-Wissenschaftler fragen nach dem Kampfgeist in der DFB-Elf

Mit Herz und Talent

[08.06.2012] Deutsche Fußballnationalteams sind für ihren Kampfgeist bekannt. Doch wie ist es um diese Tugend im aktuellen Kader bestellt? Um das herauszufinden, haben Forscher der UDE untersucht, wie sich die deutschen Bundesligaspieler in der abgelaufenen Saison gezeigt haben. Ihr Fazit: Die besten Kicker waren zwar die größten Talente, jedoch nicht die größten Kämpfer.

„Unsere Frage war, ob die bestbezahlten Fußballer überhaupt vollen Einsatz zeigen oder sich eher auf ihr Können verlassen“, sagt UDE-Professor Joachim Prinz. Der Sportökonom durchforstete hierfür mit seinem Mitarbeiter Daniel Weimar und zwei Kollegen aus Paderborn und Australien die Statistiken der vergangenen Bundesliga-Hinrunde. Als Indikatoren für Kampfgeist legten sie die gelaufenen Kilometer im Spiel und die Zahl der intensiven Läufe zugrunde. Talent maßen sie anhand der Fehlpassquote, Ballkontakte und der Scoring-Performance. All das mischten sie in einer komplizierten Berechnung noch mit den Marktwerten der Kicker.

Und das kam heraus: Unter den 91 Stammspielern mit deutschem Pass gehören aus dem erweiterten Kreis der DFB-Elf lediglich die Bender-Zwillinge zu den zehn lauffreudigsten Profis. Sie kommen auf durchschnittlich 140m zurückgelegter Distanz pro Spielminute und rangieren damit an 1. und 3. Stelle. „Die drei wertvollsten deutschen Offensiv-Spieler Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller finden sich dagegen auf Platz 85 mit 112m, Platz 28 mit 129m und Platz 41 mit 124m wieder“, erklärt Daniel Weimar und könnte damit bei den Fans ein wenig Unruhe stiften. Denn eher mittelmäßig ist auch die Bilanz des Trios, was die intensiven Läufe pro Spiel und pro Minute angeht: Hier landen die drei Stars nur auf Platz 53 (0.57), Platz 36 (0.62) und Platz 13 (0.71).

Anders verhält es sich dann bei der Tor- und Vorlagenstatistik pro Spielminute: Hier liegt Gomez an erster Stelle, Müller an 9. und Schweinsteiger an 14. Stelle. Unter den fünf besten Scorern sind mit Gomez, Podolski, Reus und Götze vier aktuelle Nationalspieler, während sich in den beiden Laufstatistiken nur Lars Bender unter den Top 5 wiederfindet.

„Alles kein Anlass zur Sorge“, beruhigt Weimar. „Bei anderen Top-Teams der EM dürfte es mit den Werten ähnlich aussehen. Und dass, wer den Titel holen möchte, an seine Grenzen gehen muss, dürfte auch dem talentiertesten Profi klar sein.“

Die kompletten Ergebnisse sind unter dem Titel „No Pain, No Gain: Effort and Productivity in Professional Soccer“ hier abrufbar:
http://www.msm.uni-due.de/fileadmin/Dateien/Business_Administration/workingpaper006_Effort_and_productivity_in_professional_soccer.pdf

Weitere Informationen: Daniel Weimar, Tel. 0203/379-4598, daniel.weimar@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/379-2429

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