Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Regionale Unterschiede der Hartz IV-Quote

Extreme Spanne zwischen Stadt und Land

[21.08.2014] Die Unterschiede sind groß: Fast jeder vierte Einwohner Gelsenkirchens unter 65 Jahren hat ein so geringes Einkommen, dass es auf das Existenzminimum aufgestockt werden muss; im Kreis Coesfeld sind dagegen weniger als fünf Prozent auf Hilfe angewiesen. In allen NRW-Großstädten (mit Ausnahme von Bonn und Münster) liegt die Hartz IV-Quote über dem Landesdurchschnitt von 11,6 Prozent. Das zeigt das Informationsportal Sozialpolitik Aktuell des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Für die aktuelle Infografik wurden Daten aus der Grundsicherungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit beispielhaft für die nordrhein-westfälischen Städte und Kreise ausgewertet. Danach ist trotz der günstigen Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage die Hartz IV-Betroffenheit fast überall gestiegen, im NRW-Durchschnitt um 2,65 Prozent. Die regionalen Unterschiede werden maßgeblich durch die wirtschaftliche Lage und die Situation auf dem Arbeitsmarkt verursacht. „Gerade Städte und Kreise im Strukturwandel, die unter einer hohen Arbeitslosigkeit leiden, haben hohe Empfängerquoten“, stellt Prof. Dr. Gerhard Bäcker fest. „Dass die Menschen in den Ruhrgebietsstädten besonders stark von Hartz IV abhängig sind, kann deswegen kaum überraschen.“

Aber nicht allein Arbeitslose und ihre Kinder erhalten Grundsicherung, viele Erwerbstätige mit Niedriglöhnen müssen ebenfalls aufstocken. Auch jene, denen eine Arbeit wegen Schulbesuchs der Kinder oder aufgrund von Betreuungs- und Pflegeaufgaben nicht zugemutet wird, bekommen ALG II. „Die Unterschiede zwischen Stadt und Land rühren deshalb auch daher, dass sich im großstädtischen Raum die sozialen Problemlagen konzentrieren: Hier gibt es viele Alleinerziehende und Ein-Personenhaushalte“, erläutert Bäcker.

Im Bundesgebiet sind laut Statistik 9,6 Prozent der Bevölkerung zwischen 0 und 65 Jahren im März 2014 von Hartz IV abhängig gewesen. Allerdings machen viele Leistungsberechtigte – aus Unwissenheit, Scham oder anderen Gründen – von ihrem Anspruch keinen Gebrauch. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass der Kreis der hilfebedürftigen Menschen deutlich größer ist als in der Statistik.

Weitere Informationen: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Sozialstaat/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIV71_Grafik_Monat_08_2014.pdf

Prof. Dr. Gerhard Bäcker, gerhard.baecker@uni-due.de, Tel. 0203/379-2573 oder 0177/5738596

Redaktion: Claudia Braczko, claudia.braczko@uni-due.de, Tel. 0170/8761608