LEHRSTUHL FÜR EMPIRISCHE SOZIALSTRUKTURANALYSE

Startseite

 

Die empirische Sozialstrukturanalyse in Forschung und Lehre

Die empirische Sozialstrukturanalyse ist ein zentrales Themenfeld der Soziologie. Unabhängig von der einzigartigen Individualität jedes Menschen und ausgehend von der Prämisse des Menschen als sozialem Wesen gilt es, generalisierbare Muster menschlichen Verhaltens zu analysieren und somit soziale Ungleichheiten zu identifizieren. Klassische Fragen der Sozialstrukturanalyse sind bspw. inwieweit sich die Arbeitsmarktchancen von Frauen und Männern unterscheiden oder aber inwiefern unterschiedliche Bildungschancen zwischen Kindern aus deutschen Familien und Migrantenfamilien existieren.

In der Forschungspraxis nimmt die empirische Sozialstrukturanalyse eine Brückenstellung zwischen verschiedenen Disziplinen innerhalb der Soziologie ein: Aufzustellende Hypothesen müssen zunächst unter Rückgriff auf entsprechende Theorien begründet werden. Ferner gilt es dann unter Nutzung adäquater Forschungsmethoden, diese Hypothesen empirisch zu überprüfen. Schließlich verlangt die empirische Sozialstrukturanalyse auch eine Bewertung der Relevanz der Untersuchungsergebnisse für die sozial- und wirtschaftspolitische Praxis. Insofern betreibt die empirische Sozialstrukturanalyse nicht nur Grundlagenforschung, sondern ist für die Beratung politischer Entscheidungsträger von besonderer Bedeutung. Aus dieser Situation ergibt sich auch, dass die empirische Sozialstrukturanalyse innerhalb des Soziologiestudiums einen hohen Stellenwert besitzt. Absolventenbefragungen zeigen, dass es in der sozialwissenschaftlichen Berufspraxis insbesondere auf die problemorientierte Anwendung theoretischen und methodischen Fachwissens ankommt – Fähigkeiten die gerade durch den „Dreiklang“ aus Theorie, Empirie und politischer Praxis innerhalb der Disziplin der empirischen Sozialstrukturanalyse geschult und eingeübt werden.

 

Forschungsprofil des Lehrstuhls

Unabhängig von den individuellen Forschungsinteressen der einzelnen Teammitglieder des Lehrstuhls „Empirische Sozialstrukturanalyse“ gibt es ein übergeordnetes Forschungsprofil, das die einzelnen Forschungsvorhaben und Projekte unter einem gemeinsamen Dach bündelt.

So wird für die Forschung des Lehrstuhls in den nächsten Jahren die Frage nach den sozialstrukturellen Ursachen und Auswirkungen des Wandels einer vormals industriegesellschaftlich geprägten in eine dienstleistungsorientierte und globalisierte Arbeitsgesellschaft von zentraler Bedeutung sein. Für das Team stellt sich hier die Aufgabe, die in diesem Prozess auftretenden alten und neuen sozialen Ungleichheiten zu identifizieren und zu erklären. Hier wird insbesondere der Frage nachgegangen, welche sozialen und ökonomischen Auswirkungen die gesellschaftliche Alterung auf Arbeitsmärkte ausübt, welche Folgen dies für die soziale Ungleichheit in einer Gesellschaft besitzt und wie mögliche negative Effekte vermieden werden können. Eng mit diesem Themenfeld sind drei weitere Forschungsbereiche verknüpft. Hierbei handelt es sich erstens um die Frage nach einem nachhaltigen Umgang mit Humankapitalressourcen. Es liegt auf der Hand, dass die offensichtlichen Herausforderungen des demographischen Wandels nur bewältigt werden können, wenn es in Zukunft gelingt, sowohl das Wissen und die Qualifikationen als auch die psychische und physische Verfassung von Arbeitskräften über den gesamten Lebenslauf zu erhalten. Zweitens stellt sich die Frage, welche Wechselwirkungen zwischen den Anforderungen des Erwerbslebens und der Familie bestehen. Für die zukünftige Arbeitsmarktentwicklung wird von entscheidender Bedeutung sein, wie es gelingen kann, berufliche Anforderungen und private Aufgaben (z.B. Kinderbetreuung aber in zunehmendem Maße auch die Betreuung von alten und kranken Angehörigen) zu bewältigen. Drittens geht es um die Frage nach einer erfolgreichen Integration von Zuwanderern. Denn es ist unbestritten, dass der zu erwartende und sich zum Teil schon jetzt abzeichnende Fachkräftemangel nur durch eine intelligente Zuwanderungspolitik gemildert werden kann. Hier gilt es, aus möglichen Fehlern vergangener Integrationspolitik zu lernen.

 

Lehrkonzeption & Lernziele

Der Lehrstuhl „Empirische Sozialstrukturanalyse“ ist in allen Studiengängen des Instituts für Soziologie mit Lehrveranstaltungen vertreten. Dies spiegelt den besonderen Stellenwert des Fachs „Sozialstrukturanalyse“ innerhalb der soziologischen Ausbildung wider.

Unabhängig von der inhaltlichen Ausgestaltung einzelner Lehrveranstaltungen ist innerhalb der vom Lehrstuhlteam konzipierten und geleiteten Veranstaltungen ein übergeordnetes Lernziel von besonderer Bedeutung und Wichtigkeit: Die von uns geleistete Ausbildung leistet ein Beitrag dazu, dass unseren Studierende nach ihrem Studienabschluss zu einer nachhaltig erfolgreichen Teilhabe am Erwerbsleben befähigt sind. Dies gelingt, indem wir wesentliche inhaltliche aber auch handwerkliche Grundlagen des akademischen Arbeitens im Rahmen unserer Lehrveranstaltungen vermitteln. Für Absolventinnen und Absolventen gesellschaftswissenschaftlicher Fächer ist hierbei zentral, die Interdependenz und Komplexität sozialer Prozesse zu verstehen, um in ihrem jeweiligen Berufsfeld tragfähige Lösungen für soziale Probleme entwickeln und umsetzen zu können.

Ein Schlüssel zum Erfolg dürfte hierbei zweifellos die Fähigkeit sein, das im Studium unter bestimmten Einzelaspekten Gelernte zusammenzuführen und dadurch einen umfassenden Blick auf gesellschaftliche Phänomene zu erhalten. Vor dem Hintergrund der Brückenfunktion der „Empirischen Sozialstrukturanalyse“ zwischen Theorie, Empirie und politischer Praxis werden diese Fähigkeiten durch unsere Lehrveranstaltungen gestärkt. Dies gelingt, in dem immer wieder Querverbindungen soziologischer Fragestellungen und Erklärungen zu anderen sozialwissenschaftlichen Teilgebieten (Ökonomie, Politikwissenschaft etc.) gezogen werden. Ferner gilt es, im Rahmen der personellen und infrastrukturellen Möglichkeiten die Studierenden zu selbständigem wissenschaftlichen Arbeiten zu motivieren und diesen Prozess zu begleiten.