Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Öffentliche Verlegung am Essener Campus

Stolpersteine für NS-Opfer

[02.09.2009] Am Freitag, 4. September verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig in einer öffentlichen Aktion gegen 16 Uhr erstmals Stolpersteine (www.stolpersteine.com) am Essener Campus der Universität Duisburg-Essen (UDE). Mit dem Einsetzen der Messing-Gedenktafeln wird an die Opfer der NS-Zeit erinnert, die hier vor ihrer Deportation gewohnt haben.

Stolpersteine sind inzwischen in über 480 Orten in Deutschland, Österreich, Ungarn und den Niederlanden verlegt worden. Dank der Unterstützung durch den Historischen Verein für Stadt und Stift Essen liegen mittlerweile mehr als 180 Stolpersteine in Essen. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“, sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

Der Essener Campus der UDE wurde auf dem Gelände des früheren Stadtteils Segeroth erbaut. Von Ende des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Segeroth ein Industrie- und Arbeiterviertel. Ein großer Teil der Häuser zerstörten die Bomben des letzten Krieges. Weitere wurden im Zuge des Universitätsneubaus abgerissen. Straßen verschwanden, darunter auch die Maschinenstraße, die mitten über das heutige Uni-Gelände führte.

Zum Andenken an die Bewohner der Maschinenstraße 19

Das Haus Maschinenstraße 19 gehörte der jüdischen Familie Mosbach. Hermann und Isaak Mosbach waren Fischhändler. Moritz Mosbach handelte mit Schmuckwaren. Isaak starb in den 30er Jahren. Moritz, seine Frau Sophie und sein 1932 geborener Sohn Kurt wurden am 10. November 1941 nach Minsk (heute Weißrussland) deportiert und dort ermordet. Hermann war mit einer Nichtjüdin verheiratet. Er wurde erst 1944 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und überlebte.

Am 30. April 1939 trat im Deutschen Reich das „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ in Kraft. Aufgrund dieses Gesetzes wurden „Judenhäuser“ geschaffen, Häuser, in denen Juden zwangsweise untergebracht wurden. Das Haus Maschinenstraße 19 wurde ein Judenhaus. Dort zog eine Reihe von Juden ein, die bald darauf nach Auschwitz und Izbica deportiert und ermordet wurden. Insgesamt werden daher auf dem Campus in der Nähe der Mensa, Gebäude T01, Stolpersteine für 21 Mordopfer verlegt.

Weitere Informationen: Andreas Koerner, Historischer Verein Essen, Tel. 0201/670557, 0151/27 18 21 43, a_koerner@gmx.de

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430