Übergabe der Protestschreiben

Der Förderunterricht muss bleiben

[13.04.2010] Der Förderunterricht muss bleiben, ist der einhellige Tenor von 2.300 Solidaritätsbekundungen, Briefen und Unterschriftenlisten, die Studierende der Universität Duisburg-Essen am Freitag, 16. April, dem Essener Beigeordneten für Jugend, Bildung und Soziales, Peter Renzel, um 13 Uhr im Rathausfoyer überreichen werden.

Die Zukunft des in Essen entwickelten Modellprojekts für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ist entscheidend davon abhängig, ob die Stadt für dieses Projekt auch weiterhin den notwendigen Zuschuss (180.000 Euro im Jahr) aufbringt. Dies ist nicht gesichert. Der Kooperationsvertrag mit der Uni wurde vorsorglich im Rahmen kommunaler Sparmaßnahmen gekündigt.

Das Projekt „Förderunterricht“ geht auf ein DFG-Projekt zur Zweisprachigkeit griechischer, türkischer und jugoslawischer Schüler zurück und wird bereits seit 35 Jahren an der Fakultät Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen durchgeführt.

Zurzeit werden etwa 800 Schüler mit Migrationshintergrund gefördert. Sie kommen aus fast 50 Herkunftsländern und werden in allen Fächern nach Leistungsstand, Sprachkenntnissen, Klasse, Schulform und Schulfach in Kleingruppen von ca. 3 - 5 Schülern unterrichtet. Die Anzahl der Unterrichtsstunden pro Schüler orientiert sich an den Lernbedürfnissen und liegt zwischen 1 - 8 Stunden pro Woche. Für die Familien der Schüler entstehen keine Kosten.

Etwa 100 Studierende aus 14 Herkunftsländern unterrichten die Schüler/innen als Förderlehrer. Sie studieren unterschiedliche Fachrichtungen und Studiengänge aller Fachbereiche, erhalten Supervision, werden wissenschaftlich begleitet und nehmen an spezifischen Fortbildungen teil.

Der Förderunterricht findet nachmittags in den Räumen der Hochschule statt. Die Schüler erhalten schulbegleitende sprachliche und fachliche Förderung in allen Schulfächern sowie punktuelle Deutschförderung. Sie werden beraten und pädagogisch betreut, z.B. bei der Schullaufbahn, der Suche nach Praktika bzw. Ausbildungsplätzen oder der Orientierung auf ein Studium. Nach Möglichkeit erfolgt eine Kooperation mit den Lehrern im regulären Unterricht.

Die Ziele des Förderunterrichts liegen auf mehreren Ebenen:
• Förderung der Chancengleichheit auf dem Bildungssektor
• Entfaltung der Begabungsreserven der Schülerinnen und Schüler
• Qualifizierung der Studierenden für die Vermittlung von Sprach- und Sachwissen
• Verbesserung der Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern

Der besondere Erfolg des Projekts lässt sich mit folgenden Zahlen verdeutlichen:
• In den vergangenen fünf Schuljahren (2004/05 – 2008/09) erreichten insgesamt 316 Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der Förderung das Abitur und 482 die Fachhochschulreife, also die Voraussetzungen dafür, ein Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule aufzunehmen
• die Erfolgsquote der betreuten Schülerinnen und Schüler lag in diesem Zeitraum stets bei ca. 97% (d.h. bis zu 97% der geförderten Schülerinnen und Schüler erreichten die Versetzung ins nächste Schuljahr oder den Schulabschluss)

Die Jahresberichte zu den drei letzten Jahren sind unter Berichte auf der Webseite http://www.uni-due.de/foerderunterricht abrufbar. Das Projekt wurde im Jahr 2002 unter 1300 Bewerbern als Siegerprojekt im Rahmen des Wettbewerbs zur Integration von Zuwanderern durch den Bundespräsidenten Rau ausgezeichnet. Aufgrund des Erfolgs der Maßnahme wurden mit Unterstützung der Stiftung Mercator bundesweit 35 neue Projekte gestartet, für die das Essener Projekt das Modell bildet, vgl. www.mercator-foerderunterricht.de

Grundlage des Projekts ist ein auf Dauer abgeschlossener Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule und der Stadt Essen. Die Finanzierung des Projekts wird durch einen festen Grundstock gesichert, den die Stadt Essen dem Projekt jährlich zuschießt. Darüber hinaus unterstützen es auch andere Förderer, wie Stiftungen und Institutionen. Infrastruktur, Knowhow und Räumlichkeiten stellt die Hochschule zur Verfügung. Außerdem gehen in hohem Umfang auch ehrenamtliche Tätigkeiten ein, da die Studierenden lediglich Honorare für den erteilten Unterricht erhalten (für 60 Min. Unterricht 10 €) erhalten, Vor- und Nachbereitung, Teilnahme an Fortbildungen und Gespräche mit Eltern und Lehrern werden nicht vergütet.

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430