Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Förderpreis für Nachwuchs-Wissenschaftlerin

Wie Grundschulkinder Mathe lernen

[21.04.2008] Für ihre Dissertation „Zur visuellen Strukturierungsfähigkeit von Grundschulkindern ? Epistemologische Grundlagen und empirische Fallstudien zu kindlichen Strukturierungsprozessen mathematischer Anschauungsmittel“ hat Dr. Elke Söbbeke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Mathematik der UDE, den bundesweiten Förderpreis der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik erhalten.

In ihrer Arbeit untersuchte die 33-jährige Wissenschaftlerin die Wirkungsweise von mathematischen Anschauungsmitteln wie Zwanzigerfeld, Hunderterfeld oder Zahlenstrahl für das mathematische Denken von Grundschulkindern. Die Dissertation zeigt, wie Anschauungsmittel als Erkenntnismittel wirken, also wie sie Kindern helfen können, über abstrakte mathematische Begriffe nachzudenken und zu sprechen. Mathematik wird zunehmend nicht mehr als eine Ansammlung fertiger Regeln verstanden, die das Kind auswendig lernen muss. Stattdessen soll sie als Wissenschaft der Muster, Beziehungen und Strukturen gesehen werden. Anschauungsmittel sollen den Kindern helfen, adäquate Vorstellungsbilder von abstrakten mathematischen Begriffen und Operationen aufzubauen. Sie sind ein fundamentales Werkzeug für den Erkenntnisprozess und ein wichtiges Werkzeug für die Artikulation.

Können Kinder ein mathematisches Problem, insbesondere mathematische Beziehungen und Strukturen, aktiv in ein Anschauungsmittel hineindeuten? Diese Fähigkeit stellt eine anspruchsvolle, aber fundamentale Basiskompetenz des mathematischen Denkens insgesamt dar. In dieser Frage lag das besondere Forschungsinteresse des Promotionsprojektes. Die Studie dokumentiert, dass in den Deutungen der Kinder diesbezüglich ein wichtiges Potential steckt, zeigt zugleich aber auch, dass sich ein Sehen und Verstehen abstrakter Beziehungen und Strukturen nicht automatisch oder spontan im Unterricht ergibt, indem Kinder mit Anschauungsmitteln arbeiten; es muss explizit erarbeitet werden. Aus diesen Gründen ist eine gezielte Förderung der Kinder notwendig, wofür im aktiv-entdeckenden Mathematikunterricht geeignete Rahmenbedingungen geschaffen sind.

Elke Söbbeke erhielt als eine von zwei Preisträgerinnen den Förderpreis für eine Arbeit, „die die Forschungslandschaft für die Grundschule substanziell fachlich anreichert“, so die Jury. Die Ergebnisse der Dissertation nutzt die Preisträgerin gemeinsam mit Prof. Heinz Steinbring (Fachbereich Mathematik an der UDE) heute für eine umfangreichere Interventionsstudie.

Redaktion: Isabelle De Bortoli, Tel. 0203/379-2429

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