Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Heisenberg-Stipendium für Claudia Derichs

Wer profitiert von Demokratisierung?

[29.09.2006] Das mit 150.000 Euro dotierte Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt die Politikwissenschaftlerin PD Dr. Claudia Derichs der Universität Duisburg-Essen erhalten. Neben der Anerkennung einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung soll die auf drei Jahre angelegte finanzielle Förderung dabei helfen, sich auf eine Leitungsposition vorzubereiten.

Konkret erforschen will die 41-Jährige Asienexpertin ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema: Die Rolle der Frau in der sich wandelnden islamischen Gesellschaft. Mit speziellem Blick auf die Muslima stellt sich Claudia Derichs in ihrem Forschungsprojekt die Frage, wie Eliten und Zivilgesellschaft die Politik verändern können.

„Ich möchte den Nahen Osten wesentlich intensiver als bisher in meine Arbeit integrieren. Das Stipendium entlastet mich in der Lehre und entbindet mich von einigen Verwaltungsaufgaben und Gremienarbeit. So bleibt mir mehr Zeit für Forschung“, begründet Derichs ihre Bewerbung um das begehrte Stipendium. Ihr Ziel ist es, schließlich als Professorin auf dem Gebiet der Vergleichenden Politikwissenschaft zu arbeiten, mit den Schwerpunkten Politik der Entwicklungs- und Schwellenländer und geschlechterorientierte Politikwissenschaft.

Im Vordergrund stehen beispielhaft fünf Gesellschaften aus den beiden Regionen Südostasien und der Arabischen Halbinsel. Also genau die Regionen, in denen der Islam für die politische und soziale Organisation eine bedeutende Rolle spielt und deren Regierungen erst vor kurzem politische Liberalisierungsmaßnahmen eingeführt haben. Neben der Hoffnung auf Demokratie, besteht aber auch die Gefahr einer fundamentalistisch ausgerichteten Islamisierung, lautet die These der Politikwissenschaftlerin. Eine scheinbar paradoxe Situation. „Aber die Demokratisierung würde extremistischen Akteuren Handlungsspielräume geben, die sie bislang nicht hatten“, erklärt sie.

Allgemein wird angenommen, dass die Entwicklungen hin zu einer Demokratie auch eine Ausweitung der Frauenrechte bedeuten. Aber Claudia Derichs fragt, was passiert, wenn die Einführung demokratischer Spielregeln lediglich zu einer demokratisch abgesegneten Beschneidung von Frauenrechten führt. Untersuchen will sie daher nicht nur die Rolle der Frauen als so genannte „change agents“ – Akteure, die den Wandel mit bedingen – sondern auch deren Zielvorstellungen.

Die Transformationsforschung glaubt, dass dieser Wandel durch die Elite der Gesellschaft gefördert werden wird. Demgegenüber steht die Auffassung der Entwicklungsforscher, die benachteiligte Bevölkerungsgruppen sehr wohl als wichtige Akteure sehen, die politische, soziale und ökonomische Veränderungsprozesse anstoßen können. Die Politikwissenschaftlerin der UDE vermutet, dass sich eine islamische Ausrichtung weniger auf der Ebene der Eliten, sondern eher auf zivilgesellschaftlicher Ebene abzeichnen wird und stellt die Frage, wer am Ende der stärkere Motor für diese Veränderungen sein wird.

Redaktion: Julia Harzendorf, Tel. 0203/379-1489

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