Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Humboldt-Stipendiat forscht am Institut für Romanistik

Trauerkultur im Land des Lächelns

[10.01.2014] Deutsche sind emotionaler als Chinesen. Zumindest was den Tod betrifft. Das meint Qi Chen, der Todesanzeigen beider Länder analysiert. Derzeit ist er zu Gast bei Prof. Dr. Bernd Spillner am Institut für Romanische Sprachen der Universität Duisburg-Essen (UDE). Gefördert wird sein Aufenthalt durch das Bundeskanzler-Stipendienprogramm der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Neben linguistischen verfolgt Qi Chen (32) kulturelle Ziele: „Meine Arbeit untersucht nicht nur die Todesanzeige als fertiges Produkt, sondern ebenso als rituellen Prozess.“ Auf diese Weise lassen sich Rückschlüsse ziehen auf die Einstellungen zum Tod sowie auf die Ritual- und Erinnerungskultur in beiden Ländern. Dabei wendet er das Verfahren der „kontrastiven Textsortenanalyse“ an, in der gleichartige Texte einander gegenübergestellt und Unterschiede aufgezeigt werden.

Zwar wird der Humboldt-Stipendiat die Trauerinserate noch bis Ende 2014 an der UDE untersuchen können, vorab verrät er jedoch: „In beiden Sprachen lässt sich ein Doppelcharakter beobachten zwischen privater Betroffenheit und öffentlicher Kommunikation.“ Während die Todesanzeigen hierzulande gefühlsbetonter ausfielen, seien sie in China „stark ideologisch geprägt“. Das Aufzählen der Verdienste soll die gesellschaftliche Anerkennung erhöhen.

Dass der junge Wissenschaftler die Materialien so differenziert untersuchen kann, hängt vor allem mit seinem sprachlichen Können zusammen. Studiert hat er germanistische Linguistik, und zwar in Shanghai, Münster und Bochum. Seit acht Jahren ist er als Dozent in der Deutschen Abteilung der University of Shanghai for Science and Technology sowie am Goethe-Institut Shanghai tätig.

Redaktion: Alexandra Nießen, Tel. 0203/379-1487


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