Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Neue Gesprächsgruppe für hochbegabte Jugendliche

LOTUS blüht auf

[08.12.2014] An ihren herausragenden Noten kann man sie in der Regel erkennen: hochbegabte Jugendliche. Das macht sie aber nicht unbedingt glücklich. Im Gegenteil: Oft haben sie mit emotionalen und sozialen Problemen zu kämpfen. Wer betroffen ist, kann sich ab sofort an die Universität Duisburg-Essen (UDE) wenden. Im Januar startet ein kostenloses Beratungsangebot. Anmeldeschluss: 15. Dezember.

Teilnehmen können Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, die sich von dem Begriff “hochbegabt” angesprochen fühlen und sich gemeinsam mit anderen damit auseinandersetzen wollen. Weitere Informationen: Dr. Tanja Gabriele Baudson (tanja.baudson@uni-due.de, https://www.uni-due.de/dia/projects.php).

Hochbegabte Jugendliche stehen vor den gleichen Herausforderungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt: selbstständig werden, eigene Ziele entwickeln, sich darüber klar werden, was man im Leben eigentlich will. Tanja Baudson: „Nur setzen sie sich mit diesen Aufgaben meist intensiver und vielleicht auch etwas anders damit auseinander.“ Manchmal bauen die Eltern und oft auch sie selbst einen hohen Erwartungsdruck auf. Andere haben vielleicht das Gefühl, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Und wer vielfältig begabt ist, hat oft die “Qual der Wahl”.

„In dieser aufregenden Entwicklungsphase kann es gut tun, auf Gleichgesinnte zu treffen, mit denen man sich über diese Fragen austauschen kann“, weiß Dr. Tanja Gabriele Baudson, die zurzeit die UDE-Professur für Pädagogische und psychologische Diagnostik vertritt. Sie bietet deshalb die neuen UDE-Gesprächsgruppen für hochbegabte Jugendliche an. Entwickelt wurden sie an der Universität Trier am Lehrstuhl für Hochbegabtenforschung und -förderung.

Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv: “Vor dem ersten Treffen sind manche natürlich noch ein bisschen unsicher, was sie erwartet. Aber das gibt sich rasch, sobald sie ins Gespräch kommen. So verschieden die Jugendlichen sind: Es ist jedes Mal faszinierend zu sehen, wie schnell sie einen Draht zueinander finden. Auch Freundschaften haben sich schon entwickelt”, so Baudson. Ob sie schon mehrere Klassen übersprungen oder auch mal sitzen geblieben sind, ob sie ihren Platz im Leben bereits gefunden haben oder noch auf der Suche sind: Dass sie hochbegabt sind, schafft Gemeinsamkeit.

Hochbegabung wird oft als hoher Intelligenzquotient (130 oder darüber) definiert. Das ist aber nicht das einzige Kriterium, das in der Praxis eine Rolle spielt. Baudson: “Oft haben die Jugendlichen einfach das Gefühl, sie könnten hochbegabt sein, und auch die Eltern und Lehrkräfte vermuten das manchmal. Für die Gruppen ist entscheidend, dass die Jugendlichen sich mit dem Begriff ‘Hochbegabung’ und seiner Bedeutung für die eigene Entwicklung auseinandersetzen wollen. Einen IQ-Test verlangen wir nicht.”

In den Gruppen geht es zunächst darum, herauszufinden, was Hochbegabung eigentlich für einen selbst bedeutet. Das Selbstbild spielt dabei ebenso eine Rolle wie gesellschaftliche Vorstellungen, Klischees und wissenschaftliche Modelle – Hochbegabung ist eben komplex. Mögliche Konflikte, die sich in diesem Zusammenhang ergeben können, sind ebenso Thema wie Überlegungen, was man eigentlich im Leben will.

Tanja Gabriele Baudson sieht sich dabei hauptsächlich als Moderatorin und Impulsgeberin: “Die verschiedenen Materialien und Fragestellungen, die wir entwickelt haben, liefern den Rahmen. Die Gruppen leben jedoch von den Diskussionen der Jugendlichen.” Damit auch jeder zu Wort kommt, sind die Gruppen mit vier bis sechs Teilnehmenden überschaubar.

Die Jugendlichen sind sehr verschieden – das macht einen ganz besonderen Reiz der Gruppen aus, findet die Wissenschaftlerin: “Dadurch, dass Mädchen und Jungen, 13- bis 17-Jährige, Klassenüberspringer und Unterforderte zusammenkommen, die aber alle auf ihre Art hochbegabt sind, ergeben sich natürlich viele Perspektiven. Für viele ist das eine echte Erweiterung der eigenen Sichtweise. Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, was da für tolle Gedanken zusammen und Diskussionen zustande kommen!”

Weitere Informationen: Tanja Gabriele Baudson, T 0201/183-3394, tanja.baudson@uni-due.de, http://www.uni-due.de/dia/

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430