Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Unterschiedliche Arbeitszeiten in Ost- und Westdeutschland

Frauen arbeiten weniger

[16.03.2015] Westdeutsche Frauen arbeiten im Schnitt 10,6 Stunden weniger als ihre männlichen Kollegen, im Osten beträgt der Unterschied immerhin noch 5,9 Stunden. Seit Jahren bleibt die Arbeitszeitenkluft zwischen den Geschlechtern stabil bestehen – trotz zunehmender Frauenerwerbstätigkeit und generell kürzerer Arbeitszeit in den letzten zehn Jahren. Das geht aus dem aktuellen Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) hervor.

Gefragt wurde danach, ob und wie sich die Teilhabe von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt – ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung –angeglichen hat. Ein Ergebnis: die Arbeitszeiten in Ost und West nähern sich langsam an – vor allem, weil die Teilzeitarbeit in den östlichen Bundesländern in den letzten Jahren vergleichsweise stärker angestiegen ist.

Markante Unterschiede stellte das IAQ auch beim Erwerbsverhalten von Frauen fest: Lebensphase und Familienstand bestimmen in Westdeutschland am stärksten die weibliche Arbeitszeit. Für ostdeutsche Frauen sind hier dagegen betriebliche Faktoren und die individuelle Qualifikation wichtiger. Eine Mutter in Westdeutschland arbeitet umso kürzer, je mehr Kinder sie in jungen Jahren hat. Auch der Familienstand spielt eine Rolle: Verheiratete kinderlose Frauen arbeiten kürzer als ihre ledigen Kolleginnen.

Die Ursachen dafür liegen in den unterschiedlichen Normen und Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Frauen und Müttern in beiden Teilen Deutschlands, so die IAQ-Forscher. Außerdem spielt eine Rolle, dass die Kinderbetreuung im Osten immer noch besser ist – insbesondere für den Nachwuchs unter drei Jahren. Dadurch klaffen dort die Arbeitszeiten zwischen Männern und Frauen weit weniger auseinander. Aber der Abstand bleibt stabil, denn weder im Westen noch im Osten hat sich Arbeitszeit zwischen den Geschlechtern in den letzten zehn Jahren weiter angeglichen.

In Westdeutschland herrscht weiterhin das klassische Ernährer- bzw. Zuverdiener-Modell vor: der Mann arbeitet Vollzeit, seine Frau Teilzeit und ist gleichzeitig hauptverantwortlich für die familiären Belange und die Sorgearbeit. Im Osten wird dagegen viel häufiger das Zweiverdiener-Modell praktiziert: beide Partner sind Vollzeit erwerbstätig. „Teilzeitarbeit darf aber – insbesondere für Mütter – nicht in einer Sackgasse enden, die ihre berufliche Entwicklung behindert und die spätere Rente kürzt“, warnt Dr. Angelika Kümmerling vom IAQ.

„Längere Arbeitszeiten für Frauen scheinen nach wie vor an den realen Gegebenheiten zu scheitern. Auch die Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie greifen noch zu kurz“, so Kümmerling. Zwar fördere das Elterngeld die schnellere Rückkehr von Müttern auf den Arbeitsplatz, führe aber nicht dazu, dass sie ihr Arbeitsvolumen erhöhen. Auch der Kita-Ausbau scheint sich – zunächst – in diese Richtung auszuwirken. Die IAQ-Forscher plädieren daher für Arbeitszeitmodelle, die es Frauen und Männern gleichermaßen ermöglichen, ihre familiären und beruflichen Vorstellungen zu verwirklichen.

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2015/report2015-02.php
Dr. Angelika Kümmerling, Tel. 0203/379-1825, angelika.kuemmerling@uni-due.de
Christine Slomka, Tel. 0203/379-2626, christine.slomka@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel.0170/8761608, claudia.braczko@uni-due.de