Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Netzwerk erforscht das individualisierte Sprachenlernen

Jeder wie er kann und mag

[28.05.2015] Online-Wörterbücher, Blogs und Apps: Wer heute eine Fremdsprache lernt, verlässt sich nicht allein auf das klassische Lehrbuch. Dank neuer Technologien sucht sich jeder das Passende aus und bestimmt, wann, wo und wie er übt. Was ist beim individualisierten Lernen künftig möglich, wo sind die Grenzen? Das untersucht in den kommenden drei Jahren das Netzwerk INDUS. Ihm gehören Wissenschaftler von elf deutschen Hochschulen sowie der Uni Straßburg an. Sprecher ist Prof. Dr. Torsten Zesch, Sprachtechnologe an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den Verbund.

Ob Welt- oder exotische Sprache: Die Möglichkeiten, sich diese anzueignen, haben sich rasant verändert. Ganz neue interaktive Lehr- und Lernformen sind entstanden – und sie werden sich weiter entwickeln. Mithilfe von Computer und Internet lassen sich nicht nur viele Sinne ansprechen, sondern auch persönliche Voraussetzungen und Vorlieben berücksichtigen.

„In standardisierten Massenkursen können die Lehrenden gar nicht ausreichend auf jeden Einzelnen eingehen. Der eine hat mehr Vorwissen, der andere lernt schneller bzw. hat eine andere Muttersprache. Aber alle lernen aus demselben Buch“, erklärt Professor Zesch.

INDUS möchte Methoden zum selbstgesteuerten Lernen erforschen – diese würden den Gruppenunterricht individueller machen. Wie kann beispielsweise Lehrmaterial automatisch an das Vorwissen angepasst werden? Oder wie entsteht ein Computermodell des Lernenden mit all seinen Facetten wie Muttersprache, andere gelernte Sprachen, Vorwissen usw.? Die Experten sehen die neuen Methoden allerdings als Ergänzung zu traditionellen Lehrformen. „Ohne Lehrer geht es nicht; doch wer hat schon immer einen Lehrer dabei“, verdeutlicht Zesch.

Das Netzwerk bringt Linguisten, Bildungs- und Spracherwerbsforscher, Psychologen und Didaktiker zusammen. Die Abkürzung INDUS (Individualisiertes Sprachlernen: Sprachtechnologische Ansätze und ihre Schnittstellen) ist übrigens inspiriert vom gleichnamigen Fluss: An seinen Ufern sind viele Sprachen zu hören, denn er erstreckt sich über 3.000 Kilometer von Tibet bis zum Arabischen Meer.

Weitere Informationen: http://www.ltl.uni-due.de/indus-network
Prof. Dr.-Ing. Torsten Zesch, Tel. 0203/379-2006, torsten.zesch@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/379-2429