Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

UB-Ausstellung vom 2.7. bis 18.9.

Leichenpredigten im alten Duisburg

[21.06.2016] Nicht nur für den Gründungsrektor der alten Universität Duisburg (1655-1818), der mit 43 Jahren früh verstorbene Theologe und Philosoph Prof. Johannes Clauberg, wurde eine ergreifende Leichenpredigt verfasst – auch der berühmte Duisburger Mediziner und Naturforscher Johann Gottlieb Leidenfrost („Leidenfrostsches Phänomen“) kam zu diesen Ehren. Diese damals sehr verbreitete Textgattung war teilweise recht aufwändig gestaltet und sollte dem Wirken des Verstorbenen ein würdiges Denkmal setzen.

In deutschen Bibliotheken und Archiven sind weit über 200.000 dieser Trauerschriften erhalten. Rein zahlenmäßig spärlich überliefert sind allerdings Leichenpredigten über Duisburger Honoratioren und deren Angehörige (Professoren der alten Universitäten, Bürgermeister oder auch Pfarrer), hochgestellte auswärtige Persönlichkeiten bis hin zu preußischen Königen. Momentan sind rund 70 in Duisburg gedruckte, in geringem Umfang auch anderen Orten gehaltene Leichenpredigten bekannt.

Sie befinden sich – meist in Kopie - im Rara-Magazin der Duisburger Universitätsbibliothek. Eine repräsentative Auswahl dieser sehens- und lesenswerten Quellen zeigt die Universität Duisburg-Essen (UDE) anlässlich des Jubiläums „700 Jahre Salvatorkirche“ ab dem 2. Juli (montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr), der Eintritt ist frei.

Der Brauch, einen Verstorbenen durch eine handschriftliche oder auch gedruckte Leichenpredigt zu ehren, kam im protestantischen Deutschland in der Nachfolge Luthers auf. Je höher der soziale Rang der Verstorbenen, desto umfangreicher und aufwändiger waren die Drucke gestaltet. Neben den geistlichen Predigtinhalten (Lob Gottes, Trost der Angehörigen, Belehrung der Gemeinde) wurden die Leistungen des Verstorbenen gebührend gewürdigt.

Dr. Manfred Komorowski: „Die vielfältigen biographischen Angaben machen die Leichenpredigten zu vorzüglichen Quellen für historische Recherchen aller Art. Mit ihren zahlreichen genealogischen Details, aber auch durch volkskundliche, frömmigskeits-, sozial- oder medizingeschichtliche Fakten geben die Leichenpredigten der Forschung zahlreiche Antworten. Letztere hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv darum bemüht, die Trauerschriften, die vielfach Beigaben in Form von Trauergedichten (Epicedien) enthalten, bibliographisch und inhaltlich zu erschließen. Zahlreiche Datenbanken und Kataloge legen davon beredtes Zeugnis ab.“

Ausgewählte Ausstellungsstücke

Johann Clauberg, 1665
Im Alter von knapp 43 Jahren verstarb Johann Clauberg (1622-1665), der Gründungsrektor der Universität Duisburg. Als entschiedener Vertreter der Philosophie René Descartes‘ erlangte er große wissenschaftliche Bedeutung.

Martin Hund, 1666
Nur ein Jahr nach Clauberg fiel der Theologe Martin Hund (1624-1666) der Pest zum Opfer. Die Leichenpredigt hielt der Theologe Christoph Friedrich Crell (1626 -1700), dem wir eine Reihe von Trauerschriften aus dem Umfeld der Universität Duisburg verdanken.

Johann Peter Berg, 1801
36 Jahre hatte Johann Peter Berg (1737-1800) in Duisburg Theologie und Orientalische Sprachen gelehrt. Auf letzterem Gebiet erlangte er große Bedeutung. Berg besaß eine riesige Privatbibliothek von rund 11.000 Bänden.

Caspar Theodor Summermann, 1752
Als Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte und Beredsamkeit fiel Johann Hildebrand Withof (1694-1769) die Aufgabe zu, die Leichenpredigten über verstorbene Universitätsangehörige zu halten, so auch über den Juristen Caspar Theodor Summermann (1674-1752), der wie Withof ein halbes Jahrhundert in Duisburg gewirkt hatte.

Friedrich Gottfried Schlegtendal, 1801
Ebenfalls rund ein halbes Jahrhundert lehrte der Jurist Friedrich Gottfried Schlegtendal (1730-1801) am Rhein. Sein Leichenprediger, der Historiker und Philologe August Christian Borheck (1751-1815), erwarb sich zwar Verdienste um die Duisburger Ortsgeschichte, musste aber 1801 nach 11 Jahren die Hochschule wegen diverser Verfehlungen verlassen.

Friedrich Gottfried Barbeck, 1704
Erst in jüngster Zeit wurde die Bedeutung des gebürtigen Duisburgers Friedrich Gottfried Barbeck (1644-1703) als Mediziner und in der Nachfolge Claubergs als eifriger Cartesianer entdeckt.

Gottlieb Ephraim Berner, 1741
Von der renommierten medizinischen Fakultät in Halle wechselte Gottlieb Ephraim Berner (1671-1741) 1718 nach Duisburg, wo er bis zu seinem Tode blieb.

Johann Gottlob Leidenfrost, 1794
Zu den profiliertesten Dozenten der alten Duisburger Universität zählte Johann Gottlob Leidenfrost (1715-1794). Der Mediziner und Naturwissenschaftler wirkte ab 1743 am Rhein. Bekannt wurde er durch die Entdeckung des „Leidenfrostschen Phänomens“, den auf heißem Untergrund „tanzenden“ Tropfen. August Christian Borheck wie auch Anton Wilhelm Möller (1762-1846) widmeten sich dem Gedenken Leidenfrosts ausführlich.

Johann Hildebrand Withof, 1769
Kein Philologe oder Historiker, sondern der Mediziner Johann Gottlob Leidenfrost hielt die Gedenkpredigt auf den vor allem um die Duisburger Stadtgeschichte verdienten Johann Hildebrand Withof (1694-1769), dessen riesige Privatbibliothek weit über Duisburg hinaus bekannt war.

Sebastian Zollikoffer, 1688
Während seines Aufenthaltes in Duisburg verstarb der Schweizer Student Sebastian Zollikofer im Alter von nur 20 Jahren. Kommilitonen gedachten seiner in mehreren Trauergedichten.

Maria Wouters, 1697
Hermann Honn (1639-1702), Rektor des Duisburger Gymnasiums und der Theologiestudent Johann Friedrich Hoffmann aus der Pfalz (+1726) widmeten dem Kurator der Universität und Bürgermeister Philipp von Erberfeldt (1639-1709) zwei Trauergedichte zum Tode seiner Frau.

Zusammengestellt von Dr. Manfred Komorowski, UDE-Experte für die frühe Universitätsgeschichte