Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Experten fordern europaweite Aufklärung

Bessere Hilfe bei Migräne

[08.03.2010] Migräne-Patienten leiden nicht nur bei den derzeitigen Temperaturschwankungen. Für eine bessere Betreuung der Betroffenen setzen sich 20 Neurologen und Allgemeinmediziner aus zehn europäischen Ländern sowie aus Kanada ein. Denn die Versorgung hinkt der bisherigen Zielsetzung hinterher, so das Expertenteam. Vorsitzender der Initiative ist Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener vom Universitätsklinikum Essen der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Für eine verbesserte Behandlung müssen die Angehörigen der Gesundheitsberufe enger zusammenarbeiten, fordern die Fachleute. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts gab es Fortschritte bei der Medikation – trotzdem kämpfen Migräne-Patienten nach wie vor mit Behandlungsfehlern, Medikamentenüber- und -untergebrauch, haben Schwierigkeiten mit der Therapie und sind unzufrieden mit der Behandlung selbst.

In der Initiative „Heads Up“ vereinbarten die 20 Ärzte bei einer der Migräne-Konferenz fünf Schwerpunkte, die sich auf eine Erklärung von Rom aus dem Jahr 2005 stützen. Darin wurde damals gefordert, dass mehr Patienten als bislang eine fachärztliche Behandlung erhalten. Zudem sollte sich der Anteil der von Allgemeinmedizinern Betreuten innerhalb von fünf Jahren von 30 auf 50 Prozent erhöhen.

„Wir können bereits jetzt absehen, dass dieses Ziel trotz einiger Verbesserungen noch nicht erreicht ist“, so Professor Diener. „Mit Allgemeinmedizinern und Neurologen haben wir beraten, wie sich europaweit schnell etwas ändern lässt. Fünf wichtige Bereiche werden künftig von den Teilnehmern in ihrem jeweiligen Herkunftsland umgesetzt.“ Dazu sollen Berufsverbände und Fachgesellschaften in möglichst vielen europäischen Ländern angesprochen werden. Die erzielten Fortschritte sollen in den kommenden 12 Monaten abgefragt werden und in einen Bericht einfließen.

Fünf Grundsätze im Überblick

1. Im Idealfall erfolgt die Behandlung multidisziplinär (Arzt, Psychologe, Physiotherapeut). Wenn eine Finanzierung nicht möglich ist, können virtuelle Kopfschmerz-Kliniken und Hausarztmodelle sowie mit geschulten Vertretern ärztlicher Assistenzberufe besetzte Callcenter eine Alternative sein.

2. Die Ausbildung der Mitarbeiter in Gesundheitsberufen bleibt eine entscheidende Priorität: Das multidisziplinäre Kopfschmerz-Team mit einem breitgefächerten Kompetenzen-Mix sollte einschlägig geschult werden. Dazu sollten auch professionelle Schulungsleiter gehören, die nicht traditionell in der Kopfschmerzbehandlung tätig sind, wie Krankenpfleger/Schwestern und Apotheker. So kann Fachwissen effizienter genutzt werden. Empfehlenswert sind zudem geschulte Arzthelferinnen in Hausarztpraxen.

3. Eine einfacher zugängliche Patientenaufklärung: Patienten müssen genau nachvollziehen können, welche Behandlungsverfahren zur Verfügung stehen und welche Konsequenzen damit einhergehen, um so noch besser in ihre Eigenbehandlung eingebunden zu sein.

4. Ganz besonders wichtig ist die Kommunikation zwischen Arzt und Patient: Neue Verfahren wie motivierende Gesprächsführung können dabei helfen, noch effizienter zu behandeln. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Therapieplan befolgt wird und dass die Patienten ihre Erkrankung besser selbst in die Hand nehmen.

5. Die Verbesserung der Kommunikation zwischen Allgemeinmedizinern und Neurologen sowie im gesamten multidisziplinären Team dürfte nicht nur einer besseren Patientenbetreuung zugutekommen.

„Dank des klaren Konsens der Migräne-Initiative „Heads Up“ sind wir hochmotiviert, nun die speziellen Aktivitäten in unseren Ländern anzugehen, um in Sachen Patientengesundheit wirklich und rasch etwas bewegen zu können“, resümiert Professor Diener.

Weitere Informationen: Prof. Dr. med. Hans Christoph Diener, Tel. 0201/723-2460/2461, hans.diener@uni-duisburg-essen.de

Redaktion: Katrin Braun, Tel. 0203/379-1488