Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

DAAD fördert internationales Projekt

Bauingenieure lernen mit Planspiel

[26.09.2011] Mehr Praxisbezug und Internationalität – beides ist für Studierende wichtig, die später auf einem zunehmend globalisierten Arbeitsmarkt erfolgreich sein sollen. Vor allem in der Baubranche, in der Großprojekte vielfach länderübergreifend ausgeschrieben werden, ist profundes Fachwissen ebenso wichtig wie Kenntnisse der internationalen Märkte. Um seine Studierenden dafür noch besser ausbilden zu können, entwickelt das Institut für Baubetrieb und Baumanagement (IBB) an der Universität Duisburg-Essen das Planspiel „Chameleon – The International Construction Management Simulation“. Das Projekt wird vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) mit rund 14.000 Euro gefördert.

Die Entstehung von „Chameleon“, das die Studierenden online am PC spielen werden, wird unterstützt von der Stanford University und dem Georgia Institute of Technology (beide USA). „Wir haben zunächst geschaut, wie Unternehmen in der Bauindustrie heute aufgestellt sind“, sagt Christian K. Karl, Leiter und Entwickler des Projekts am IBB. „Daraus ergab sich, dass von Bauingenieuren in besonderem Maße eine internationale Expertise erwartet wird.“ Mobilität, Offenheit für andere Kulturen, kommunikative und repräsentative Fähigkeiten sowie Verhandlungsgeschick und das Bewusstsein für globalwirtschaftliche Zusammenhänge müssen demnach in der Ausbildung verstärkt vermittelt werden.

Und genau dort setzt „Chameleon“ an: Hauptziel ist das Erkennen von Beziehungen und Interaktionen innerhalb einer lokalen Baubranche – sei diese nun in Essen oder in Athen verortet. Im Spiel gibt es verschiedene Ausschreibungen, etwa für Wohnhäuser, Industriebauten oder ein Theater. Die Studierenden müssen die Preisentwicklungen für Beton oder Stahl sowie die Löhne im Blick behalten, ebenso wie eventuelle Risiken am jeweiligen Markt. So wird der internationale Charakter in das Szenario übertragen. „Dieses Modell setzen wir bereits erfolgreich in unserem bisherigen, brettbasierten Planspiel ‚Construction Giant’ ein, das in unseren Bachelor-Studiengang eingebunden ist“, sagt Christian K. Karl. „Chameleon wird in englischer Sprache gespielt und richtet sich ganz nach seinem Anwender. Je nach Semester existieren verschiedene Schwierigkeitsstufen und unterschiedliche Projektlängen – ich kann über zwei bis drei Tage, aber auch über ein ganzes Semester simulieren.“ Aus dieser Anpassungsfähigkeit leite sich übrigens der Name ab.

Das IBB möchte damit einerseits den Beweis angetreten, dass ein solches Online-Planspiel zur Internationalisierung des Studiums für Universitäten und Fachhochschulen durchaus sinnvoll und vor allem realisierbar ist. Andererseits möchten die Wissenschaftler das Lehr-/Lernverhalten wie auch die Bildung von Kompetenzen im Planspiel erforschen. „Es ist ein langfristiges, innovatives, hochschuldidaktisches Projekt, welches sowohl fachliche als auch außerfachliche Kompetenzen schult, Studierende länderübergreifend miteinander vernetzt und eine systematische curriculare Weiterentwicklung eines bestehenden Studiengangs darstellt. Insbesondere für Studierende, die aktuell keine Auslandsaufenthalte realisieren können, wird Chameleon von großem Nutzen sein“, betont Projektleiter Karl.

Der DAAD schrieb aus Mitteln des Stifterverbandes eine Förderung für „Innovationen in der Lehre: die internationale Dimension in der Lehre erfolgreich stärken“ aus. Diese sollte Studiengänge ermuntern, die internationale Dimension in der Lehre zu verankern oder zu steigern und damit zugleich einen wertvollen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in der Lehre zu leisten. Von den 76 eingereichten Projekten erhielten zehn eine Förderungszusage durch den DAAD.


Weitere Informationen: http://www.chameleonbase.com
Christian K. Karl, Tel. 0201/183-2849, christian.karl@uni-due.de

Redaktion: Isabelle De Bortoli, Tel. 0203/379-2430