Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

NanoEnergieTechnikZentrum NETZ wurde eingeweiht

Wo sich Partikel verwandeln

[21.02.2013] In den vergangenen zwei Jahren drehten sich zahlreiche Kräne an der Baustelle am Duisburger Campus der Universität Duisburg-Essen (UDE). Jetzt ist das Werk vollbracht: Das neue NanoEnergieTechnikZentrum NETZ mit seiner futuristisch anmutenden Außenfassade und zahlreichen Speziallaboren im Inneren ist fertig und wurde heute (21.02.) seiner Bestimmung übergeben.

Wissenschaftsministerin Schulze: „Ein großer Sprung nach vorn“

„Für Nordrhein-Westfalen ist NETZ ein großer Sprung nach vorn. Hier verbinden sich die grundlagenorientierten Nanowissenschaften zur Lösung der energietechnischen Fragestellungen von morgen“, so Wissenschaftsministerin Svenja Schulze bei der Einweihung. Prof. Dr. Robert Schlögl, Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion in Mülheim ergänzte: „Die Energiewende wird nicht ohne die kleinsten Nanoteilchen gelingen. Ob es um die Wandlung, Speicherung oder Einsparung von Energie geht, immer wird die Nanotechnologie wesentliche Materialien liefern. Zu deren Entwicklung ist auch ‚hochgezüchtete‘ Analytik erforderlich: Man muss die Nanowelt buchstäblich sehen können, und es bedarf effektiver Herstellungsverfahren. Die Kombination aus beidem ist das Bestechende am NETZ.“

Oberbürgermeister Sören Link: „Ich freue mich ganz außerordentlich, dass NETZ am Duisburger Campus realisiert werden konnte. Ich bin mir sicher, dass dieser neue technologische Leuchtturm weit über die regionalen und nationalen Grenzen hinweg ausstrahlen wird.“ Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke bestätigte: „NETZ ist in der Tat die richtige Antwort auf die hohen Dynamik des Zukunftsthemas NanoEnergie. Die flexible Infrastruktur des Forschungsbaus und die Fachgrenzen überschreitenden Wissenschaftlerteams bieten ideale Voraussetzungen, um sich dieser Herausforderung zu stellen.“

36 Labore, eine Syntheseanlage und ein Mikroskopiezentrum

Hinter den rhythmisch versetzt angebrachten Metallblenden der NETZ-Fassade verbirgt sich eine clevere Raumeinteilung: Auf der Ostseite befindet sich der Laborbereich mit vier Etagen, die Büros sind auf den fünf Etagen der westlichen Hälfte untergebracht. Die Außenwand mit ihrer ungewöhnlichen Fenstergestaltung gleicht den Versprung optisch aus. Insgesamt kostete NETZ 46 Mio. Euro – je zur Hälfte finanziert von Bund und Land. Es verfügt über 3.900 m2 Nutzfläche mit 66 Büros, 36 Laboren, einer Syntheseanlage und einem Mikroskopiezentrum.

120 Wissenschaftler aus der Chemie, den Ingenieurwissenschaften und der Physik sowie kooperierender Einrichtungen entwickeln im NETZ maßgeschneiderte Nanomaterialien für energietechnische Anwendungen, etwa in der Photovoltaik, der Thermoelektrik oder auch der Batterie- und Brennstoffzellentechnik. Die fachübergreifende Zusammenarbeit in projektbezogen miteinander gekoppelten Speziallaboren ist in dieser Form einzigartig und lässt besondere Ergebnisse erwarten. In einer eigenen Syntheseanlage können hochwertige Nanopartikel auch in größeren Mengen für die Weiterverarbeitung produziert werden. Alle Schritte der jeweiligen Prozesskette können im hauseigenen Mikroskopiezentrum MIZE detailliert untersucht werden, um sie anschließend zu optimieren.

In die MIZE-Großgeräte wurden sechs Mio. Euro investiert, das teuerste Einzelgerät ist ein Elektronenmikroskop im Wert von zwei Mio. Euro. Temperatur und Feuchtigkeit werden für die hochempfindlichen MIZE-Großgeräte exakt geregelt. Sie stehen auf jeweils 100 Tonnen schweren Fundamenten, die schwingungsfrei vom Gebäude abgekoppelt sind. Dank der im Boden belassenen Spundwände ist MIZE darüber hinaus auch elektromagnetisch nach außen abgeschirmt. Übrigens: Mit ihrer Abwärme sorgen die High-Tech-Geräte für die Klimaregelung im ganzen Gebäude. Der Fernwärmeanschluss wird nur im Notfall eingesetzt.

Zentrales Ziel der Arbeiten im NETZ sind die Herstellung und Analyse sowohl neuer Nanomaterialien als auch neuer Methoden, um Anwendungen in der Energietechnik zu erschließen. Im Vordergrund stehen:
• Brennstoffzellen
(z.B.: langzeitstabile Katalysatoren mit minimierter Edelmetallbelegung und verbessertem Wassermanagement für Brennstoffzellen)
• Lithium-Ionen-Batterien
(z.B. Anodenmaterialien mit fünffach höherer Speicherdichte)
• Energietechnisch relevante Katalyse
(z.B.: Photokatalyse mit deutlich erhöhter Effizienz sowie neue Katalysatoren für die Kraftstofferzeugung aus Biomasse und Strom)
• Photovoltaik
(z.B. Erhöhung der Effizienz durch neue laserbasierte Dotierungsverfahren)
• Thermoelektrik
(z.B. neue Komposite für eine effizientere Nutzung thermischer Energie)

Kooperationspartner aus Wissenschaft und Industrie können in NETZ eigene Labors und Büros beziehen. Konkrete Pläne hierzu gibt es bereits mit dem Forschungszentrum Jülich (Photovoltaik), dem Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion in Mülheim/Ruhr (Katalyse) sowie der Osram GmbH (Nanopartikel-basierte Leuchtdioden). NETZ wird maßgeblich von Mitgliedern des Centers for Nanointegration CENIDE der UDE getragen. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Christof Schulz.

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430