Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Ringvorlesung zur Logik des Scheiterns in der Frühen Neuzeit

Pleiten, Pech und Pannen

[23.04.2013] Scheitern ist mehr als ein Rückschlag oder verzeihlicher Fehler. Wer scheitert, versagt – und das ganz sichtbar für sein Umfeld, weshalb moralische Urteile nicht lange auf sich warten lassen. Um Verlierer, ruinierte Pläne und wie man aus Schaden klug wird, geht es bei der Ringvorlesung „Pleiten, Pech und Pannen“, die am Montag, 29. April, beginnt. An acht aufeinanderfolgenden Terminen blicken die Geisteswissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) auf die Frühe Neuzeit und geben literarische, historische und theologische Beispiele dafür, was passiert, wenn etwas gründlich daneben geht.

So drehen sich die Vorträge um barocke Reiseerzählungen, die Literaten Thomas Morus und Percy B. Shelley, den Großbrand von London, den Seefahrer Walter Raleigh und seine erfolglosen Expeditionen nach Südamerika. Ebenso um die englische Zeitungslandschaft des 17./18. Jahrhunderts, um Wirtschaftspleiten im 18. Jahrhundert, koloniale Ambitionen Schottlands und die Frage, warum Religionsgespräche schief gehen.

„Scheitern kann nur, wer Pläne hat“, erklärt Prof. Dr. Stefan Brakensiek. Der Historiker hat die Ringvorlesung angestoßen. „Wir beschäftigen uns folglich auch damit, wie sich Menschen ihre Zukunft vorstellen und wie sie damit umgehen, wenn sie keinen Erfolg haben. Ziehen sie sich schamvoll zurück, tun sie, als ob nichts sei, oder lernen sie dazu?“

Der bekannte deutsche Historiker Reinhard Koselleck habe darauf hingewiesen, so Brakensiek, dass viele neue Ideen aus einem Scheitern entstehen. Die Verlierer seien prädestiniert, über den Zustand der Welt und das eigene Handeln nachzudenken. „Reflexivität aus der Erfahrung des Scheiterns also? Was bedeutet das für die Vorstellung von der Reflexivität der Moderne? Kommt sie erst zum Tragen, wenn allzu zukunftsfrohe Projekte an der Realität zerschellt sind? Und was gilt dann für die Epoche der Frühen Neuzeit, die sich ihrer eigenen Modernität jedenfalls nicht völlig bewusst war?“

Die Ringvorlesung nähert sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven – ein für das Publikum höchst vergnügliches Vorhaben, versprechen die Referenten.

Die Vorträge finden immer montags um 18.15 Uhr im Casino des Studentenwerks, Universitätsstr. 12, am Essener Campus statt.

Das Programm im Überblick:

29. April
Kurze Einleitung zur Fragestellung und zum Programm
Stefan Brakensiek
A miserable sight: Der Großbrand von London 1666
Christoph Heyl

6. Mai
Fragmente als gescheiterte Texte: Konzeptionelle Brüche in Fragmenten von Thomas Morus und Percy B. Shelley
Jens Gurr

13. Mai
Substituting Dreams for Achievement: Walter Raleighs Die Entdeckung Guianas und das „Salzen“ der Goldminen
Frank Erik Pointner

27. Mai
(Durch-)Brüche – Experimente in der englischen Zeitungslandschaft des 17./18. Jahrhunderts
Birte Bös

3. Juni
Projektemacher – Einige systematische Hintergründe ökonomischen Scheiterns im 18. Jahr¬hundert
Stefan Brakensiek

10. Juni
Fehlschlag, Fatum, Fama – Scheitern in barocken Reiseerzählungen
Jörg Wesche

17. Juni
Das Darien-Projekt: Die publizistische Aufarbeitung des Scheiterns der kolonialen Ambitionen Schottlands
Claudia Claridge

24. Juni
Warum Religionsgespräche scheitern. Anmerkungen zum innerchristlichen Diskurs des 16. Jahrhunderts
Marcel Nieden
Anschließend:
Podiumsdiskussion: Scheitern in der Frühen Neuzeit


Weitere Informationen: Prof. Dr. Stefan Brakensiek, Tel. 0201/183-3586, stefan.brakensiek@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/379-2429