Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Politikwissenschaftler machen verblüffenden Vorschlag

Lieber Lose als Wahlzettel

[03.05.2013] Warum soll ich wählen gehen? Das werden sich bald wieder etliche Bürger fragen, die das ganze Procedere ungerecht finden. Sie liegen mit ihrer Einschätzung gar nicht so falsch, wie jetzt renommierte Politikwissenschaftler bestätigen. Ein Losverfahren wäre besser, lautet ihr Resultat, nachzulesen in einer neuen Publikation der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Um herauszufinden, wie gerecht das Wählen heute eigentlich noch ist, nutzten die Forscher verschiedene Perspektiven. Sie schauten sich u.a. die Entwicklung der Nichtwähler an, verglichen Wahlprozesse in anderen Ländern und blickten in die Geschichte – wie wurden früher Entscheidungen gefällt? Überraschendes Ergebnis: Losen ist in vielerlei Hinsicht die fairere Alternative. Würde der neue Bundestag am 22. September unter allen deutschen Bürgern ausgelost, entstünde ein recht genaues Spiegelbild der Gesellschaft. Er wäre in seiner personellen Zusammensetzung weit repräsentativer, als dies derzeit der Fall ist.

„Wer wählt und wer nicht wählt, beeinflusst damit, wer an die Macht kommt und welche Politik schließlich für wen gemacht wird“, so Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Politikwissenschaft, in der die Forschungsergebnisse präsentiert werden. Die Grundidee der Demokratie sei, dass das Volk regiere, nicht bloß Teile davon – deshalb könne man durchaus über eine Wahlpflicht nachdenken. „In Belgien oder Australien ist dies bereits Realität. Wieso nicht auch in Deutschland?“ Verzerrungen aufgrund niedriger Wahlbeteiligungen ließen sich dadurch beheben.

Wählen entscheide über die Qualität der Demokratie. „Es ist das wichtigste Teilhabe-Instrument in demokratischen Gesellschaften. Das neue Wahlgesetz für den Bundestag bleibt dabei hinter seinen Möglichkeiten“, sagt Korte, der mit den Ergebnissen weitere Diskussionen um eine Reform des deutschen Wahlrechts bereichern will.

Publikationshinweis: Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol), Ausgabe 3/2012 http://www.zpol.nomos.de

Weitere Informationen: Dr. Ray Hebestreit, Tel. 0203/379-4106, zpol@nomos.de


Redaktion: Katrin Koster, Tel. 0203/379-1488