Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

UDE erstattet Strafanzeige und bereitet Kolloquium vor

Folgenreiche Ausstellung

[10.07.2013] Die Universität Duisburg-Essen (UDE) ist ein Ort der Toleranz und Wissenschaftsfreiheit. Mit ihrem Denken und Handeln trägt sie ihren Teil dazu bei, die verfassungsrechtlich garantierten Grundrechte zu gewährleisten. Gegensätzliche Standpunkte auszuhalten, entspricht dem Wesen des wissenschaftlichen Diskurses. Eigenmächtige Zensurmaßnahmen – seien sie nun religiös, ethnisch oder auch politisch motiviert – werden keinesfalls ignoriert, geschweige denn geduldet. Wenn die letzte Ausstellung in der Uni-Bibliothek (UB) kurz vor dem regulären Ende abgehängt wurde, dann nur deshalb, weil Universitätsmitarbeiter und UB-Besucher zu schützen waren. Der Vorgang selbst wird gründlich aufgearbeitet – juristisch und auch wissenschaftlich.

Zwischen dem 23. Mai und 24. Juni waren im UB-Foyer studentische Poster aus der Anglistik ausgestellt, in denen die Erzähltechniken und Inhalte von zwölf Graphic Novels erläutert wurden. Die Plakate spiegeln einen gemeinsamen Reflexionsprozess zu einer mittlerweile weit verbreiteten Gattung in der Gegenwartsliteratur wider. Zu sehen waren studentische Texte zur jeweiligen Erzähltechnik, ergänzt durch kritische Bildanalysen. Zwei der ausgestellten Poster erregten den Unmut bei einigen muslimischen Studierenden. Sie fühlten sich in ihren religiösen Empfindungen verletzt und beklagten dies vehement. Am 17. und 24. Juni hing eine Studentin zwei Plakate ab und beschädigte eines mit einer in der Nähe liegenden Schere. Um die UB-Nutzer zu schützen und den normalen Bibliotheksbetrieb sicherzustellen, wurde die Ausstellungsdauer um einige Tage verkürzt.

Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke: „Uns war von Anfang an klar, dass wir diesen Vorgang nicht auf sich beruhen lassen wollten. Das Verhalten der Studentin ist in keiner Weise zu rechtfertigen. Dass eine Reaktion darauf in einer Gremien-Universität nicht von heute auf morgen geschehen kann, ist einer medial geprägten Öffentlichkeit leider nur schwer zu vermitteln. Wir halten es aber für selbstverständlich, dass man sich zunächst sachkundig macht, die Ergebnisse einordnet und die daraus zu ziehenden Konsequenzen bespricht. Hochschulgremien wie das Rektorat und der Senat haben dieses gestufte Vorgehen einhellig gebilligt, auch wenn es seine Zeit kostet. Wichtig ist die klare Botschaft: Wer sich an den hart erkämpften Grundrechten wie der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit vergreift, hat bei uns mit ernsten Konsequenzen zu rechnen. Wir haben der Studentin zunächst die Möglichkeit einer Anhörung eingeräumt. Diese Chance hat sie jedoch nicht wahrgenommen. Nun haben wir offiziell Strafanzeige erstattet. Außerdem wird zurzeit ein wissenschaftliches Kolloquium vorbereitet, wie der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen produktiv gestaltet werden kann.“

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430