Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

UDE-Doktorand gewinnt Science Slam-Finale 2013

Quantenphysik in der 30er-Zone

[09.12.2013] „Meine Mutti hätte mich lieber als Arzt gesehen, aber das war nicht meins. Da dachte ich mir: Wenn nicht Arzt, dann wenigstens Doktor“, stellt sich der Experimentalphysiker Reinhard Remfort von der Universität Duisburg-Essen (UDE) vor. Das Publikum im Theater Münster kürte ihn am Freitag zum Deutschen Science Slam-Meister 2013 – mit La Ola.

Seinen Vortrag hat er „Dienliche Defekte“ genannt, und das Thema ist wahrlich keins für den Smalltalk im Aufzug: In seiner Doktorarbeit beschäftigt sich der 31-Jährige mit Störstellen, die er gezielt in Diamantgitter einbringt und untersucht. Diamanten mit diesen sogenannten NV-Zentren könnten künftig die Auflösung von hochempfindlichen Magnetsensoren verbessern. Auf lange Sicht käme dies zum Beispiel der Bildqualität von Magnetresonanztomographen zugute. Das Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) fördert das Projekt.

Bei einem Science Slam besteht die Kunst darin, die eigene Forschung einem Laienpublikum in höchstens zehn Minuten zu erklären – möglichst verständlich und unterhaltsam. Pro Slam treten in der Regel vier bis sechs Bewerber, bewaffnet mit Mikrofon und Powerpoint-Folien, gegeneinander an. Das Publikum kürt am Ende den Sieger.

Remfort, der am Campus Duisburg im NanoEnergieTechnikZentrum forscht, verbindet einen Crashkurs Quantentheorie mit dem Oktoberfest und überträgt anschließend die Heisenbergsche Unschärferelation auf die Straße: „Wenn Sie wegen Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten werden, haben Sie ein Argument: Entweder sind Sie 120 gefahren oder Sie waren in einer Tempo 30-Zone. Aber beides geht nicht.“ Auch Messkurven, die dem Laien zunächst nichts sagen, werden verständlich durch Aussagen wie: „Wenn man im Labor mit einem Laser auf ein NV-Zentrum ballert, winkt das Zentrum zurück.“

Nach zehn Minuten hat Remfort das Publikum jedenfalls überzeugt: Zu 97 von 100 möglichen Punkten gibt es La Ola und stehende Ovationen. Neben Ruhm und Ehre bringt der Physiker als Trophäe ein schwarz-rot-goldenes Gehirn mit zurück an die UDE. „Aus dem Mund des Gewinners klingt das vielleicht komisch, aber den Slammern geht es eigentlich nicht ums Siegen. Es gibt auch keine Konkurrenz untereinander. Stattdessen finden wir es alle großartig, dass tatsächlich mal jemand hören möchte, was wir in unserer Forschung machen“, zieht er Bilanz.

Der Science Slam ist eine deutsche Erfindung, die bundesweit immer mehr Menschen in Clubs, Szenelokale und Theater zieht. Das Finale in Münster wurde unter anderem vom Wissensmagazin GEO gefördert.

Redaktion und weitere Informationen:
Birte Vierjahn, Tel. 0203/379-8176, birte.vierjahn@uni-due.de


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