Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen

Bauingenieure forschen zum Schutz des Eisvogels

Hilfe für den fliegenden Edelstein

[29.04.2016] Bauingenieure befassen sich mit Bauwerken. Dass dazu auch tunnelartige Wohnungen für gefiederte Freunde zählen, ist eher ungewöhnlich. Zwei Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben in der Region die Brutröhren des Eisvogels erforscht. Der „fliegende Edelstein“ ist hier selten geworden, da ihm der Lebensraum fehlt.

Die Wasserqualität vieler Gewässer ist zwar gut bis sehr gut, genügend Nahrung ist vorhanden – und doch fühlt sich der prächtig blau schillernde Vogel an vielen Gewässern nicht wohl. „Viele Ufer sind begradigt, es fehlen natürliche Abbrüche. Dabei braucht er genau das, um seine 50 bis 100 Zentimeter lange Nisthöhle zu graben: steile Erdwände und einen Boden, der trocken, nicht zu stark bewachsen und wenig durchwurzelt ist“, erklärt Dr. Martin Denecke.

Denecke ist Biologe und Professor für Siedlungswasserwirtschaft, sein Kollege Dr. Eugen Perau hingegen Professor für Geotechnik. Beide wollten wissen: Was ist das perfekte Baumaterial, das der Höhlenbrüter braucht, um darin seinen Nachwuchs aufzuziehen? Während der Balz sitzen die Partner zunächst vor einer Steilwand, bis das Männchen an einer Stelle beginnt, mit dem Schnabel ein Loch hineinzuschlagen. Dann macht auch das Weibchen mit. Sind die Bedingungen ideal, ist die Brutröhre nach einigen Wochen fertig.

Mit künstlichen Röhren oder Wänden versuchen Naturschützer mehr Eisvögel anzulocken, was zum Teil auch klappt. „Aber weder ist klar, wie diese Hilfen genau gebaut sein müssen, noch wie die natürlichen Erdwände beschaffen sind“, so Eugen Perau. „Technisch betrachtet ist die Brutröhre ein Tunnel, weshalb wir Bauingenieure uns dafür interessieren.“

Mit Mitarbeitern von drei biologischen Stationen nahmen sie an 30 Orten Bodenproben, wo Eisvögel schon genistet hatten. Mit Sieb- und Schlämmanalysen, mit denen man sonst Böden bei Bauprojekten beurteilt, konnten die UDE-Wissenschaftler feststellen, dass die Tiere bestimmte Gemische aus Feinsand, Schluff und Ton bevorzugen.

Auch nisten diese an kleinen wie großen Steilwänden – am besten sollten diese nach Süden ausgerichtet sein – und sitzen gerne am Ufer. Ist es zu dicht bewachsenen, können Nesträuber die Brut gefährden; ob Eisvögel durch Angler oder vorbeifahrende Boote verschreckt werden, ließ sich nicht eindeutig sagen. Kleine Störungen tolerieren sie. Hier sind aus Sicht der Forscher weitere Studien notwendig.

„Unsere Ergebnisse können Landschafts- und Umweltbehörden helfen, die idealen Nistplätze für die bedrohten Vögel zu finden. Auch lassen sich neue Biotope gleich mit den richtigen Böden anlegen“, betont Denecke. „Und für den Bau von künstlichen Brutröhren konnten wir Naturschützern nun wichtige Tipps geben.“

Dass NRW bald wieder mehr fliegende Edelsteine hat, wünschen auch die Biologischen Stationen Westliches Ruhrgebiet und Mittlere Wupper sowie die NABU-Naturschutzstation Leverkusen-Köln. Sie haben die Wissenschaftler unterstützt; die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat das Projekt finanziert.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Martin Denecke, Siedlungswasserwirtschaft, Tel. 0201/183-2742, martin.denecke@uni-due.de
Prof. Dr. Eugen Perau, Geotechnik, Tel. 0201/183-2858, eugen.perau@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/379-2429


Bildhinweis:
Ein Foto zu dieser Pressemitteilung (Bildbeschreibung: Laborleiter Jörg Nolzen, Prof. Dr. Eugen Perau und Prof. Dr. Martin Denecke mit einer Bodenprobe) können Sie herunterladen unter:
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