Newsarchiv 2021

11.06.2021Langer Abend der Studienberatung

Noch nicht sicher welches Studienfach das Richtige ist? Lust direkt mit Studentinnen und Studenten über verschiedene Studiengänge zu sprechen? Beim Studi-Talk am 24. Juni gibt es auch einen Zoom-Raum in dem drei unserer Buddys für Gespräche zu den Studiengängen Physik, Physik Lehramt und Energy Science Rede und Antwort stehen.

Das Akademisches Beratungs-Zentrum der Universität Duisburg-Essen (kurz ABZ)  organisiert für den  Donnerstag den 24. Juni 2021 den langen Abend der Studienberatung.
Dort werden zwischen 16:00 – 20:00 Uhr persönliche Beratungen via Telefon und Zoom und E-Mail angeboten. Parallel gibt es um 17:00 Uhr einen Vortrag zu Bewerbungsverfahren und der Einschreibung an der UDE. Dann um 18:00 Uhr einen Vortrag zu Stipendien.

Zwischen 19:30 und 20:30 gibt es den Studi-Talk bei dem Studieninteressierte direkt mit Studentinnen und Studenten über verschiedene Studiengänge sprechen können – u. a. mit drei unserer Buddys aus den Studiengängen Physik, Physik Lehramt und Energy Science.

Anmeldung zum Studi-Talk oder den Vorträgen, sowie weitere Informationen
© UDE/Reichert

27.05.2021Neue Theorie zur Kontaktelektrifizierung - Ladungsübertrag beobachtet

Jeder hat schon mal an der Türklinke einen gewischt gekriegt. Denn wenn sich zwei verschiedene Stoffe berühren, kann es zu einer elektrostatischen Aufladung kommen, die sich mit einem kleinen Blitz abbaut. Diese Reibungselektrizität kann man nutzen, um etwa Partikel in Abgasen abzuscheiden; sie kann aber auch ungewollt Explosionen auslösen, wenn z.B. brennbare Flüssigkeiten oder Pulver abgefüllt werden. Was bei der Kontaktelektrifizierung passiert, ist bislang nur ansatzweise verstanden. Dem Team um Experimentalphysiker Prof. Rolf Möller, Universität Duisburg-Essen (UDE), ist es erstmals gelungen, den Ladungsübertrag während der kurzen Zeit der Berührung zu beobachten. Darüber berichtet die Zeitschrift „Science Advances“.*

Jede mikroskopische Berührung zwischen Materialien führt zu einer Aufladung. Gibt es viele Kontakte, können sehr hohe elektrische Spannungen von etlichen Kilovolt entstehen. „Obwohl das schon lange bekannt ist, ist es immer noch unklar, was für geladene Teilchen das sind, die bei der Berührung übertragen werden“, so Prof. Rolf Möller. „Das könnten einzelne Elektronen, Atome (Ionen) oder ganze Moleküle aus mehreren Atomen sein.“

Um der Lösung näher zu kommen, müsste man exakt den Moment analysieren, in dem sich die Ladung von einem auf das andere Material überträgt. Das geschieht während der Berührung atemberaubend schnell, nämlich in ein paar Millionstel Sekunden oder sogar noch schneller.

Mit herkömmlichen Geräten lässt sich der Vorgang nicht erfassen. Also hat Möllers Arbeitsgruppe neue elektronische Ladungsverstärker entwickelt, die sehr kleine Ladungen in Mikrosekunden messen. Damit starteten sie ihre Versuche: „Wir haben eine Kugel mit 1 mm Durchmesser aus einer Höhe von ein paar Zentimetern auf eine Platte fallen lassen, sodass die Kugel wie ein Ball viele Male springt. Dabei haben wir gemessen, wie sich die Ladung bei jeder Berührung mit der Oberfläche ändert“, beschreibt der Experimentalphysiker.

Überraschenderweise stellte das Team eine höhere Spannung fest, als es nach dem bekannten Berechnungsmodell hätte sein dürfen. „Das findet man sogar für Metalle, z.B. eine Goldkugel auf einer Kupferplatte“, betont Prof. Möller. „Genau dies, nämlich die Kontaktelektrifizierung zwischen Metallen, gilt aber als einer der wenigen geklärten Prozesse im Bereich der Reibungselektrizität. Wir konnten nachweisen, dass die übertragenen Ladungen, obwohl sie nicht sehr groß sind, ausreichen, um zwischen der Metallkugel und der Metallplatte eine Spannung von 10 Volt auftreten zu lassen.“

Die Geschwindigkeit, mit der die Kugel auf die Platte trifft, spielt eine Rolle – und fehlt in dem bisherigen Modell. „Wir haben daher ein neues Modell auf Basis des alten vorgeschlagen. Dies bezieht die Deformation der Platte und der Kugel bei der Berührung mit ein.“

 

* Die Ergebnisse sind in der OpenAccess-Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht: Kaponig et al., Sci. Adv. 2021; 7 : eabg7595

Im Bild: Prof. Rolf Möller und Andre Mölleken am Aufbau. Foto: UDE/Andreas Reichert

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Das Video zeigt mit der roten Kurve stark verlangsamt den zeitlichen Verlauf des Messsignals. Daraus lässt die blau dargestellte, geometrische Flugbahn berechnen. Zwischen aufeinanderfolgenden Kontakten bleibt das Verhältnis der beiden Größen konstant, es ist bis auf eine durch die Geometrie bestimme Konstante durch die elektrische Ladung auf der Kugel gegeben.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rolf Möller, Experimentalphysik, Tel. 0203/37 9-4220, rolf.moeller@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/37 9-2429, ulrike.bohnsack@uni-due.de

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25.05.2021Berufsmesse vocatium online am 2. und 25. Juni - wir sind dabei!

Physik oder Energy Science oder Lehramt Physik, oder soll ich etwas ganz Anderes studieren? Bist Du noch unentschieden? Dann kannst Du Dich am 2. und 25. Juni 2020, 15:00 bis 18.00 Uhr auf der Online Berufsmesse vocatium von uns beraten lassen.

Link zum Anmelden während der Veranstaltung
© UDE/Schäfer

10.05.2021Genauigkeit von Drehmoment-Sensoren erhöhen - Der Weg zum Quanten-Kreisel

Ihre Berechnungen zeigen, wie sich die Bewegung winziger Partikel durch Licht dämpfen lässt, bis die alltäglichen Gesetze der Physik nicht mehr gelten: Vereinfacht ausgedrückt sind das die Ergebnisse von Physiker*innen der UDE, zu denen gleich drei Veröffentlichungen in renommierten Fachmagazinen* erschienen sind. Obwohl es sich um Grundlagenforschung handelt, könnten die Erkenntnisse helfen, genauere Drehmoment-Sensoren zu entwickeln.

Kreisel finden sich nicht nur in Kinderzimmern – auch als Bewegungssensoren in Fahrzeugen oder als Stabilisatoren in Schiffen werden deren Drehbewegungen eingesetzt. Die meisten Anwendungen beruhen auf der verblüffenden Art, wie sich starre Objekte drehen und auf externe Kräfte und Drehmomente reagieren: Da gibt es die Gyroskop-Stabilisierung, die eine rollende Münze aufrecht hält oder den Tennisschlägereffekt, der das ausufernde Torkeln eines solchen hochgeschleuderten Sportgeräts beschreibt.

In aktuellen Arbeiten haben nun Forschende um Dr. Benjamin Stickler ein Experiment vorgeschlagen, um die Bewegung nanometergroßer Kreisel so weit zu dämpfen, dass sie den Gesetzen der Quantenphysik folgt: „Hiervon erwarten wir uns weitere überraschende Phänomene, die so nur in diesem Zustand vorkommen können“, so der Physiker.

Pinzette aus Licht

Im vorgeschlagenen Experiment wird der Kreisel – ein nur nanometergroßes Siliziumteilchen – in einer optischen Pinzette in der Schwebe gehalten. In dieser aus Laserlicht geformten Falle, deren Erfindung 2018 mit dem Physik-Nobelpreis geehrt wurde, kann ein Teilchen noch eingeschränkt hin- und herschwingen und sich drehen. Um Quanteneffekte zu beobachten und zu nutzen, muss diese verbliebene Bewegung allerdings gedämpft werden: Das ist möglich, indem das Teilchen zwischen zwei Spiegeln platziert wird, die das von ihm gestreute Laserlicht reflektieren und wieder auf das Teilchen zurückwerfen. Das Team konnte nun zeigen, dass es möglich ist, sowohl die Schwingungs- als auch die Drehbewegung des Teilchens bis in den gewünschten Zustand zu dämpfen, wenn das Laserfeld der optischen Pinzette in Form einer Ellipse schwingt.

Dies stellt nicht nur einen bedeutenden Schritt zur grundlegenden Erforschung und Anwendung von Quanten-Kreiseln dar: Die Methode ermöglicht es künftig auch, Effekte zu beobachten, die die Genauigkeit heutiger Drehmoment-Sensoren deutlich erhöhen können.

Im Bild: Das Nanoteilchen (blau) dreht und bewegt sich in einem Laserfeld (rot), wo seine Bewegung durch Reflexion des Lichtes (Wellenlinien) an den nebenstehenden Spiegel gedämpft

*Originalveröffentlichungen:
https://doi.org/10.1103/PhysRevLett.126.163603, https://doi.org/10.1103/PhysRevA.103.043514 und https://doi.org/10.1088/1367-2630/aaece4

Weitere Informationen:
Dr. Benjamin Stickler, Theoretische Physik, benjamin.stickler@uni-due.de

Redaktion: Birte Vierjahn, Tel. 0203/37 9-2427, birte.vierjahn@uni-due.de

Originalmeldung der UDE
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04.05.2021UDE im CHE Ranking - Unterstützung von Studienanfängern erhält Bestnoten

Die UDE bemüht sich nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie, Studienanfängern den Einstieg ins Studium so einfach wie möglich zu machen. Beratungs- und Mentoringangebote wurden systematisch ausgebaut. Dafür gab es jetzt Bestnoten im aktuellen Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in allen bewerteten Studiengängen.*

„Der Übergang von der Schule ins Studium bedeutet immer eine Umgewöhnung“, sagt Prof. Isabell van Ackeren, Prorektorin für Studium und Lehre an der UDE. „In Zeiten, in denen der Hochschulbetrieb in weiten Teilen digital abläuft und es kaum möglich ist, Mitstudierende oder Lehrende persönlich zu treffen, ist diese Phase besonders herausfordernd. Wir freuen uns sehr, dass unsere Bemühungen auf eine positive Resonanz stoßen.“

Auch in anderen Kategorien konnten Studiengänge der UDE punkten. So erhielt die Physik unter anderem Spitzenbewertungen für Betreuung, Lehrangebot, Studienorganisation und die Unterstützung im Auslandsstudium. Für die Studienorganisation bekam auch die Chemie Bestnoten, genauso wie für die Unterstützung im Studium und Vermittlung wissenschaftlicher und methodischer Kompetenzen. Im Fach Sport/Sportwissenschaft wurde die Betreuung und die Unterstützung im Studium als sehr gut bewertet.

In der Forschung überzeugte die Medizin mit den Zitationen pro Publikation und den Habilitationen. Die Informatik sowohl in den Ingenieur- als auch in den Wirtschaftswissenschaften erreichte hier mit der Zahl der Veröffentlichungen ihrer Forschenden ebenfalls einen Spitzenplatz. Die Politikwissenschaft wiederum zeichnete sich mit einem hohen Drittmittelanteil pro Wissenschaftler:in aus.

Das CHE-Hochschulranking ist das umfassendste seiner Art im deutschsprachigen Raum: Mehr als 300 Universitäten und Fachhochschulen wurden untersucht und über 120.000 Studierende befragt. Das Besondere: Neben Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung gehen auch studentische Urteile in die Bewertung ein. Jedes Fach wird im Dreijahresrhythmus neu bewertet.

* Das sind: Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Medizin, Physik, Politikwissenschaft, Sport.

im Bild:
Prof. Marika Schleberger mit Studierenden der Physik.

Weitere Informationen:
http://www.zeit.de/che-ranking

Redaktion: Dr. Thomas Wittek, Tel. 0203/37 9-2430, thomas.wittek@uni-due.de

Originalmeldung der UDE
© Nicolas Wöhrl

29.04.2021Der Goldene Blogger - And the winner is ... Minkorrekt!

Er ist der älteste und wichtigste Social Media-Award Deutschlands: der Goldene Blogger. In diesem Jahr ging er in der Kategorie Wissenschaftsblog an UDE-Physiker Dr. Nicolas Wöhrl und seinen Kollegen Dr. Reinhard Remfort, der an der UDE promoviert wurde. Sie erhielten die Auszeichnung für ihren Blog "Methodisch inkorrekt!", kurz Minkorrekt.

Auch wenn der Preis – internettechnisch gesehen – bereits seit der Steinzeit vergeben wird, genauer gesagt seit 2007, ist diese Kategorie sehr jung: Es gibt sie seit 2019 und wurde pandemiebedingt in diesem Jahr erst zum zweiten Mal verliehen. "Das zeigt sehr schön die wachsende Bedeutung der Wissenschaftskommunikation durch Blogs", freut sich Wöhrl. Wer das Treiben der beiden Physiker schon etwas länger verfolgt, wundert sich nicht, dass sie jetzt Jury und Publikum überzeugen konnten. Neben ihren Aktivitäten in Social Media stehen die beiden auch regelmäßig auf deutschen Bühnen. Dort werden sie als "Rockstars der Wissenschaft" gefeiert und bringen u.a. mit Live-Experimenten ihrem Publikum wissenschaftliche Themen näher.

Auf der Bühne begann für die beiden auch alles: Zunächst traten sie bei Science Slams auf. Seit 2013 produzieren sie im Zwei-Wochen-Rhythmus ihren Podcast Minkorrekt. Sie wollten ausführlicher über Wissenschaft sprechen. "Nicht nur über die Ergebnisse, sondern auch über das ,behind the scenes`", erklärt Wöhrl. Wie funktioniert Wissenschaft? Wie geht Forschung? Was machen Wissenschaftler*innen? Das wollen sie vermitteln. Und so fingen sie an, den Podcast aufzunehmen und aus dem Leben als Forscher an der UDE zu berichten. "Wir haben Spaß an Wissenschaft und würden uns selbst auch privat Experimente zeigen oder über Publikationen sprechen, die wir faszinierend finden. Dass uns dabei noch Menschen zuhören, ist umso schöner", meint der Physiker.

Nicht nur informieren, sondern auch unterhalten

Im Blog stellen die Beiden ihre Podcast-Folgen online. So können die Zuhörenden Kommentare abgeben und Fragen loswerden. Und natürlich gibt es dort auch den Tourplan des Duos – wenn nicht gerade Corona die Auftritte verhindert. Die Themen müssen in der Regel vier Kriterien genügen: Die Publikationen, die sie besprechen, müssen aktuell sein und sie selbst interessieren. "Außerdem müssen wir sie auch erklären können – das geht tatsächlich nicht immer –, und es ist schön, wenn wir es ein wenig mit Spaß und Humor verpacken können. Wir wollen nämlich nicht nur informieren, sondern auch unterhalten," betont Wöhrl.

Bis sie wieder live vor Publikum auftreten können, haben die Physiker noch einen Social Media-Kanal für sich entdeckt: das Live-Streaming-Videoportal Twitch. Dort tauchen sie auch alle zwei Wochen auf. Die Zuseher*innen können während der Sendung Fragen stellen oder die Themen kommentieren. "Denn ganz besonders toll ist es, direkt mit der Öffentilchkeit zu interagieren", begeistert sich der Wissenschaftler.

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28.04.2021Neu an der UDE: Karin Everschor-Sitte - Nanomagnetismus

Die herkömmliche Computertechnik stößt bald an ihre Grenzen: „Magnetische Nanostrukturen eignen sich für neuartige energiesparende Rechenkonzepte“, sagt Prof. Dr. Karin Everschor-Sitte. Die neue UDE-Professorin für Theoretische Physik erforscht an der Fakultät für Physik unter anderem die Physik von magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen, und wie diese genutzt werden können.

Dass die herkömmliche Computertechnik es bald nicht mehr schafft, immer schneller und kleiner zu werden, zeichnet sich schon lange ab, sagt Everschor-Sitte. Neue energieeffiziente Methoden sind notwendig und bereits in der Entwicklung. Die Physik des Nanomagnetismus bietet hierzu viele Ansätze wie Neuromorphic Computing, Reservoir Computing, Stochastic Computing und weitere.

Mit magnetischen Strukturen beschäftigt sich Karin Everschor-Sitte, seitdem sie Mathematik und Physik an der Universität Köln studierte und mit einer ausgezeichneten Diplomarbeit über die Manipulation magnetischer Strukturen abschloss. 2012 wurde sie dort zum Thema „Skyrmionen“ mit Bestnote promoviert; das mittlerweile große Forschungsfeld hat sie mit aufgebaut. Danach forschte sie unter anderem an der TU München (2012/13) und der US-amerikanischen University of Texas, Austin (2013-2015). Bevor sie an die UDE kam, leitete sie eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Universität Mainz.

Ihre Arbeitsgruppe „TWIST – Topological Whirls In SpinTronics“ wird nun in Duisburg forschen. „Wir untersuchen, wie das Zusammenspiel zwischen Skyrmionen, verschiedenen magnetischen Strukturen und Spin- und Ladungsströmen aussieht. Gesteuert wird es durch mikroskopische Mechanismen innerhalb der Materialien, die wir ebenfalls verstehen möchten“, erklärt die 37-Jährige. „Wenn wir mehr über sie wissen, lassen sich die Eigenschaften der magnetischen Nanostrukturen optimal nutzen.“

Ihre Forschung ergänzt die Arbeit der Sonderforschungsbereiche SFB/TRR 270 und SFB 1242 der Fakultät für Physik. Im TRR 270 werden magnetische Materialien untersucht, die effizienter und ressourcenschonender als bisherige in der Energietechnik einsetzbar sind. Der SFB 1242 befasst sich mit ultraschnellen Prozessen im Nichtgleichgewicht. 

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Karin Everschor-Sitte, Theoretische Physik, karin.everschor-sitte@uni-due.de

Redaktion: Alexandra Nießen, Tel. 0203/37 9-1487, alexandra.niessen@uni-due.de 

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26.04.2021Großflächiges 2D-Material hergestellt - Atomschicht schiebt Stufenkanten weg

Ellenbogenmentalität bei einem zweidimensionalen Material: Das hat ein internationales Team unter Federführung des Center for Nanointegration (CENIDE) der UDE kürzlich entdeckt: Den Physikern gelang es, Bor-Schichten entstehen zu lassen, die nur eine Atomschicht hoch sind. Störende Stufenkanten auf der Unterlage schiebt das Material dabei einfach aus dem Weg. Seine Ergebnisse veröffentlichte das Team im Fachmagazin ACS Nano*.

Es ist das Ziel des Teams um UDE-Prof. Michael Horn-von Hoegen, das dünnstmögliche Bor, sogenanntes Borophen, herzustellen. Denn es verspricht Eigenschaften, die den Bau zweidimensionaler Transistoren möglich machen könnten. Die hierzu bisher verwendete Methode der Molekularstrahl-Epitaxie führt zu viel zu kleinen Inselchen, für genauere Untersuchungen und den Einsatz in der Technologie sind jedoch größere Flächen nötig.

In ihrer neu entwickelten Methode der „Segregationsgestützten Epitaxie“ nutzen sie gasförmiges Borazin sowie eine Iridium-Unterlage. Die wesentlichen Bestandteile des Borazin sind Bor- und Stickstoffatome, die in regelmäßigen Sechseck-Strukturen angeordnet sind wie Bienenwaben. Erhitzt man die Iridium-Probe in einer Borazin-haltigen Umgebung, so setzen sich dessen Moleküle an der Oberfläche fest, anschließend verdampft der Stickstoff. Ab 1100°C geht das Bor ins Iridium über, denn dieses kann bei so hohen Temperaturen wie ein Schwamm bis zu einem Viertel seines Volumens an Bor-Atomen zusätzlich aufnehmen. Nachdem das System wieder abgekühlt ist, fällt Borophen – die einatomige Lage aus Bor – an der Oberfläche des Iridium-Kristalls aus. Dabei wächst es nicht über Stufenkanten des darunterliegenden Kristalls hinaus, schiebt diese jedoch in alle Richtungen weg, um selbst so große Flächen zu bilden wie möglich.

Nächster Schritt: Ablösung

Dass es sich bei den Flächen ausschließlich um Bor-Atome handelt und der Stickstoff aus der Probe verschwunden ist, konnten Experten des Interdisciplinary Center for Analytics on the Nanoscale (ICAN) unter der Leitung von UDE-Prof. Frank-J. Meyer zu Heringdorf zweifelsfrei nachweisen.

Wie sich das Borophen nun von der Iridium-Unterlage ablösen lässt, das wollen die Forscher in einem nächsten Schritt untersuchen.

Die Veröffentlichung entstand in Zusammenarbeit mit Physikern der Universität zu Köln sowie des Center of Excellence for Advanced Materials and Sensing Devices in Zagreb (Kroatien).

Im Bild: Bilderserie, die die Entwicklung von der reinen Iridium-Oberfläche (links, pink) hin zur völlig Borophen-bedeckten Oberfläche der Probe (rechts, gelb-orange) zeigt.

*Originalveröffentlichung:
K.M. Omambac, M. Petrović, P. Bampoulis, C. Brand, M.A. Kriegel, P. Dreher, D. Janoschka, U. Hagemann, N. Hartmann, P. Valerius, T. Michely, F.J. Meyer zu Heringdorf, M. Horn-von Hoegen
„Segregation-Enhanced Epitaxy of Borophene on Ir(111) by Thermal Decomposition of Borazine“
ACS Nano, published online March 24, 2021
https://doi.org/10.1021/acsnano.1c00819

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Horn- von Hoegen, Experimentalphysik, Tel. 0203/37 9-1438, horn-von-hoegen@uni-due.de

Redaktion: Birte Vierjahn, Tel. 0203/37 9-8176, birte.vierjahn@uni-due.de

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15.04.2021Studienorientierung@home - Physik und Energy Science

Keine Frage - die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie machen die eigene Studienwahl momentan nicht gerade einfach. Die gute Nachricht: Sie können trotzdem aktiv Ihre Zukunfts-Pläne schmieden! Besuchen Sie unseren Info-Vortrag zu Physik und Energy Science am 20.04.2021 um 15:00 Uhr online via Zoom. Eine Anmeldung ist über den untenstehenden Link möglich.

© UDE/Salamon

30.03.2021Fakultät für Physik trauert um Prof. Dr. Werner Keune

Die Fakultät für Physik trauert um Prof. Dr. Werner Keune, der am 27. März 2021 in Folge einer Krebserkrankung verstarb. Mit Prof. Keune blicken wir auf eine vielseitige und erfolgreiche wissenschaftliche Karriere zurück, welche die Experimentalphysik am Standort Duisburg-Essen maßgeblich mitgestaltet hat.

Nach seiner Diplomarbeit an der TU München 1965 entschied er sich für das damals neue und herausfordernde Feld der Mößbauerspektroskopie, und begann seine Promotion unter Prof. Edgar Lüscher, welche er zwischenzeitlich in Thousand Oaks, Kalifornien, in der Gruppe von Prof. Ulrich Gonser weiterführte. 1969 kehrte Werner Keune nach München zurück, um seine Promotion abzuschließen, mit dem Nobelpreisträger Prof. Rudolf L. Mößbauer als Teil seiner Prüfungskommission.

Im selben Jahr schloss er sich zusammen mit Dr. Alfred X. Trautwein einer neuen Gruppe zur Mößbauerspektroskopie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken an, wo er auch seine zukünftige Frau Ingeborg kennenlernte. Von dort initiierte er viele erfolgreiche Kooperationen mit Gruppen in Ungarn, Indien und Japan, wobei er besonders mit letzteren einen noch viele Jahre währenden Austausch pflegte. Nach seiner Habilitation 1975 folgte Werner Keune einem Ruf an die Gesamthochschule Duisburg, heute Universität Duisburg-Essen, und nahm eine Professur zur Angewandten Physik an. Hier baute er ein neues Labor zur Mößbauerspektroskopie auf, welches bis zum heutigen Tag in Betrieb ist.

Während seiner Laufbahn erarbeitete er sich einen beachtlichen Ruf auf seinem Gebiet, und beging mehrere Forschungsjahre bei engen Kooperationspartnern wie Prof. Yutaka Maeda und Prof. Teruya Shinjo (Kyoto, 1979), Prof. Brent Fultz (Pasadena, 1991), Prof. Dominique Givord (Grenoble, 1996) und Dr. Samuel D. Bader (Argonne, 1996). In den 80er Jahren wurde sogar eine offizielle Kooperation zwischen Kyoto und Duisburg beschlossen, welche den Rahmen für einen regelmäßigen Austausch von Wissenschaftlern zwischen den Universitäten schuf. Besonders eng ist bis heute auch die Kooperation mit den Wissenschaftlern an der Advanced Photon Source (APS) in Argonne, nahe Chicago, eine Synchrotron-Strahlungsquelle, welche 1995 in Betrieb ging und bis heute eine Vorreiterrolle in der Forschung einnimmt.

Im Jahr 2006 ging Prof. Keune in den Ruhestand, blieb aber zeitlebens ein aktives Mitglied der Fakultät für Physik. Sein Nachfolger, Prof. Heiko Wende, brachte seine eigenen Methoden und Expertisen aus Berlin mit, führte aber die Mößbauerspektroskopie nahtlos weiter, sodass die Forschungsgruppe Wende auf einen großen Schatz an Erfahrung und Ausstattung aufbauen konnte. Prof. Keune betreute in den Jahren seines Ruhestandes weiterhin aktiv Gruppenmitglieder von Bacheloranden bis Doktoranden, und nahm noch bis 2016 aktiv an Strahlzeiten an der APS teil. Selbst in seinen letzten Jahren war er in den neuesten Projekten und Planungen involviert, und teilte seinen unermesslich wertvollen Erfahrungsschatz mit den jüngsten und ältesten Mitgliedern der Forschungsgruppe.

Wir alle sind dankbar für die Zeit, die wir mit ihm verbringen konnten, und sehen in ihm nicht nur einen sehr geschätzten Kollegen, sondern auch einen guten Freund. Wir denken stets mit Freude an seine immerzu positive, hilfsbereite und herzliche Art, die ihn auch in schwierigen Zeiten immer auszeichnete. Wir erinnern uns gerne an die vielen Jahre der harmonischen und fruchtbaren Zusammenarbeit, trauern aber ebenso um einen geduldigen Mentor, der vielen jungen Wissenschaftlern zu den Anfängen ihrer Laufbahn verhalf.

Wir möchten allen Angehörigen, insbesondere seiner Frau Ingeborg Keune, seinen Kindern, Enkeln und Freunden unser tiefes Mitgefühl aussprechen.

Im Namen der Kolleginnen und Kollegen und aktiven und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AG Wende und Keune, sowie der Fakultät für Physik der Universität Duisburg-Essen.

Dr. Soma Salamon und Prof. Dr. Heiko Wende

Link zum Nachruf der AG Wende
© FALS

25.03.2021Aus Nanoschülerlabor wird NanoSchoolLab - trotz Corona steht der Betrieb aber nicht still!

Nach 9 äußerst erfolgreichen Jahren unter dem Namen „Nanoschülerlabor – Einsichten in die Nanowelt“ gibt es einen neuen Namen:  NanoSchoolLab – Einsichten in die Nanowelt. Denn das Labor steht nicht nur Schülern, sondern auch Schülerinnen offen!

Obwohl im NanoSchoolLab momentan keine Schüler*innen-Gruppen ihre Experimente machen können, steht der Betrieb keineswegs still. Julian Schröder, Amy Stein, Yanneck Trautmann von der Friedrich-Albert-Lange-Schule in Solingen (FALS) haben am Jugend-forscht Wettbewerb 2021 teilgenommen und dabei auch auf unser Labor gesetzt.

Im Rahmen der Fridays-For-Future-Bewegung hatten sie sich intensiv mit nachhaltiger Mobilität auseinandergesetzt und sind dabei auf Wasserstoff als potentiellen Energieträger gestoßen. Als Speichermedium kommen metallorganische Gerüstverbindungen (MOFs) in Frage, die aufgrund ihrer großen reaktiven Oberfläche in der Lage sind große Mengen Wasserstoff einzulagern.

Im NanoSchoolLab haben sie sich bei der Leiterin, Dr. Kirsten Dunkhorst, Tipps zu möglichen Analyseverfahren geholt. Hinweise zur Herstellung der MOFs kamen von der Uni Dortmund. Produktion der MOFs und die Messungen am Rasterelektronenmikroskop des NanoSchoolLab waren schon für 2020 eingeplant – mussten dann aber coronabedingt ausfallen.

Das hat die Schüler*innen vom FALS aber nicht daran gehindert bei Jugend forscht mit ihrer theoretischen Arbeit den 2. Platz zu machen! Wir gratulieren und freuen uns auf ihren Besuch, um die Messungen dann doch noch im NanoSchoolLab durchzuführen und vielleicht im nächsten Versuch auf Platz 1 zu landen.

Link NanoSchoolLab
Messplatz

23.03.2021Unterwegs mit der Maus – 6 Physiker*innen am Beschleuniger

Was macht die Maus an ihrem Geburtstag? Feiern natürlich, aber danach ging sie sofort wieder ihrem Lieblingshobby nach: Der Forschung. Sie begleitete ein sechsköpfiges Team um Andreas Wucher zum UDE-eigenen Experimentierplatz am Schwerionenbeschleuniger der GSI in Darmstadt.

Schon lange ist bekannt, dass man ein Material zerstäuben kann, indem man mit Ionen drauf schießt. Das funktioniert so ähnlich wie Sandstrahlen. Aber was passiert, wenn man die Ionen immer schneller macht? Zunächst nimmt die Zerstäubungsausbeute ab, bei noch schnelleren Teilchen nimmt sie dann aber wieder sehr stark zu. Bei sehr schnellen Ionen ist nämlich das Sandstrahlen quasi wirkungslos, dafür werden die Elektronen des Materials so stark angeregt, dass die dadurch ausgelösten Sekundärprozesse die Zerstäubungsausbeute in die Höhe treiben. Wie das im Detail aussieht und welche Rolle das Material dabei spielt, hat das Team nun im Detail untersucht. Sechs Tage lang – rund um die Uhr.

Das Forschungsprojekt wird vom BMBF gefördert.

Link zur Forschungsgruppe Wucher
© UDE/Christoph Mecking

15.03.2021freestyle-physics als Video-Wettbewerb – Mit Grips und Handy

  • von Ulrike Bohnsack
  • 15.03.2021

Sorry, liebe Eltern. Jetzt wird die Wohnung zum Labor – freestyle-physics beginnt! Der große Schülerwettbewerb der UDE findet zum 20. Mal statt und wie im Vorjahr online. Es gilt, eine von drei Aufgaben zu lösen. Dafür braucht es neben Grips auch ein Handy, denn die fertige Konstruktion und der Weg dorthin sollen gefilmt werden. Außerdem startet das Physik-Team der Uni ein Schwarmprojekt, für das es unbedingt Hilfe benötigt.

„Baue eine Windmühle oder ein Kaleidoskop, ohne fertige Bauteile zu nutzen; bringe Kristalle mit ungefährlichen Zutaten zum Wachsen. So lauten die Haus-Aufgaben von freestyle-physics diesmal; sie sind ausführlich auf unseren Seiten beschrieben“, sagt Dr. Andreas Reichert. Mitmachen kann, wer die Klassen 5 bis 12 besucht. „Wie Ihr plant und baut und wie das Ergebnis aussieht, sollt Ihr mit dem Smartphone filmen.“ Bis zum 11. Juni muss das Video auf der Wettbewerbs-Homepage hochgeladen sein.

„Nicht nur diese drei Aufgaben gibt es. Wir möchten gemeinsam mit Euch experimentieren und Luftmoleküle wiegen“, bittet Axel Lorke, Erfinder und Leiter von freestyle-physics, um Unterstützung: „Auch dafür braucht Ihr Eure Handys. Viele haben sehr empfindliche Drucksensoren, mit denen etwa Höhenmeter beim Wandern geschätzt werden. Über eine kostenlose App kann auf solche Sensoren zugegriffen werden. Was Ihr tun sollt? Uns mit Messergebnissen versorgen. Wir werten Eure Daten aus und bestimmen, wie schwer ein Luftmolekül im Durchschnitt ist.“

Ob das Schwarmprojekt gelingt? Das wird am 25. Juni verraten, wenn das große Online Finale des Physikwettbewerbs steigt. Eine Jury zeichnet dann die besonders kreativen Windmühlen, Kaleidoskope oder Kristalle aus, ebenso umweltfreundliche Ideen und originelle Videos. Die Besten werden auf dem YouTube-Kanal von freestyle-physics veröffentlicht.

Weitere Informationen:
www.freestyle-physics.de
Aufgaben-2021
Dr. Andreas Reichert, Physik, andreas.reichert@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel. 0203/37 9-2429, ulrike.bohnsack@uni-due.de

Originalmeldung der UDE

08.03.2021Energy Science - ein kurzer Trailer stellt unseren Studiengang vor

Mit einem neuen Video stellen wir sehr kompakt die Philosophie hinter unserem  Studiengang Energy Science vor.

Die zukünftige Versorgung der Menschheit mit Energie ist eine globale Herausforderung für die Wissenschaft. Hier schwingen vielfältige Fragestellungen rund um die natürlichen Ressourcen, das Klima und die Ernährung mit.

„Energy Science“ an der Uni Duisburg-Essen wird deutschlandweit ein immer beliebterer Bachelor-Studiengang. Neben den naturwissenschaftlichen Grundlagen vermitteln wir den Studierenden ein fundiertes physikalisches Wissen über alle Energieformen, den Energietransport und den Energieverbrauch.

Das Auslandsjahr an renommierten Partneruniversitäten in ganz unterschiedlichen Regionen der Welt stellt ein besonderes Highlight dar. Von Trondheim bis Thessaloniki, von Granada bis Hongkong, von Brasilien bis Taiwan. Neben Land und Leuten lernen die Studierenden ihr Fachgebiet aus der Perspektive anderer Kulturen kennen.

Energy Science – shape the future.

Video

08.03.2021Übersicht über Professorinnen und Professoren in unserer Fakultät

Nach dem in den letzten Monaten mehrere Professoren neu berufen worden sind, soll nun eine Übersicht über alle Professorinnen und Professoren in unserer Fakultät für Physik helfen, sich einen Überblick zu machen.

Übersicht
Privat

04.03.2021Tausche Kalifornien gegen Duisburg - NRW-Rückkehrer: Dr. Christopher J. Stein

Am Wetter liegt es vermutlich nicht, vielleicht eher an den knapp 1,25 Millionen Euro vom NRW-Wissenschaftsministerium: Dr. Christopher J. Stein erhält diese Mittel, um eine Forschungsgruppe zum Thema Batterieforschung an unserer Fakultät für Physik aufzubauen. Sein Arbeitsgebiet „physikochemische Prozesse an Grenzflächen“ eröffnet nicht nur viele Anknüpfungsmöglichkeiten zu unseren Sonderforschungsbereichen und zum Exzellenzcluster RESOLV, sondern passt auch hervorragend zum Forschungsprogramm des NETZ, wo Herr Stein mit einem Teil seiner Gruppe sein Büro einrichten und von den hervorragenden Arbeitsbedingungen profitieren wird.

Link zur Pressemeldung der Universität Duisburg-Essen

17.02.2021Dekanat für weitere 4 Jahre bestätigt

Im Rahmen der 101. Fakultätsratssitzung vom 3. Februar 2021 wurde das Dekanat der Fakultät für Physik einstimmig für weitere 4 Jahre bestätigt:
Dekan (oben links)
Prof. Dr. Michael Schreckenberg
Prodekan (oben rechts)
Prof. Dr. Horn-von Hoegen
Prodekan (unten links)
Prof. Dr. Rolf Möller
Studiendekan (unten rechts)
Prof. Dr. Hermann Nienhaus

18.01.2021WDR-Lokalzeit berichtet über die Mars-Forschung in der AG Wurm

Wie es auf unserem Nachbarplaneten Mars aussieht, interessiert wohl jeden - auch die JournalistInnen der Lokalzeit Duisburg. Deshalb waren sie zuerst in der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Gerhard Wurm aus unserer Fakultät für Physik um sich deren neusten Experimente zur Atmosphäre auf dem Mars von Dr. Jens Teiser erklären zu lassen. Den Gegenbesuch als Studiogast beim WDR hat dann Gerhard Wurm übernommen.

Beitrag WDR-Lokalzeit

18.01.2021Nachruf auf Prof. Petr Braun

Am 27. Dezember des vergangenen Jahres verstarb Professor Petr Braun, langjähriges Mitglied der Arbeitsgruppen Haake und Guhr, nach kurzer schwerer Krankheit.

Petr Braun wurde 1943 in Novokaschirsk (Gebiet Moskau) geboren. Im Jahre 1960 begann er das Studium von Physik und Mathematik an der Staatlichen Universität Leningrad, das er 1965 mit dem Diplom abschloss. Er setzte seine Forschungen dort fort, wurde 1971 Kandidat und 1984 Doktor der Wissenschaften Physik und Mathematik.

Im Jahre 1993 wurde Petr Braun auf einen Lehrstuhl für theoretische Physik, insbesondere Quantentheorie, an der Staatlichen Universität Leningrad berufen, den er bis 2005 innehatte. Professor Fritz Haake lud ihn 2001 an die damalige Universität Essen ein. Geplant war ein längerer Besuch, daraus wurde ein Wechsel nach Essen, bzw. später Duisburg-Essen. Petr Braun war bis 2007 Mitglied zunächst der Arbeitsgruppe Haake, danach bis zu seinem Tode der Arbeitsgruppe Guhr.

Petr Braun war ein international bekannter theoretischer Atomphysiker mit tiefer Kenntnis aller Aspekte der Quantenmechanik. Legendär waren auch seine mathematischen Fähigkeiten, sowohl analytisch als auch numerisch. Er war sehr erfolgreich zunächst im SFB 237 "Unordnung und große Fluktuationen", dann von 2003 bis 2015 im SFB/TR 12 "Symmetries and Universality in Mesocopic Systems". Schnell wurde er ein führender Experte in semiklassischer Physik und trug wesentlich zur Begründung der Bohigas-Giannoni-Schmit-Vermutung bei.

Petr Braun war vielseitig interessiert und hochgebildet, weit über die Physik hinaus. Stets freundlich, den Studierenden hilfsbereit zugewandt und den Kollegen überall in der Welt ein hochgeschätzter Ansprechpartner, wird er uns in Erinnerung bleiben. Wir haben einen großen Forscher und liebenswerten Menschen verloren. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen.

Thomas Guhr

13.01.2021WDR-Lokalzeit berichtet erneut über unsere Fakultät - Bilanz: Das Corona-Semester

Die WDR-Lokalzeit Duisburg zieht Bilanz über das Coronasemester 2020/2021. Die Energy Science-Studierenden Carmen Zaitz und Eike Gilcher berichten über ihre Erfahrungen. Dr. Florian Mazur steht als Studiogast Rede und Antwort.

Beitrag WDR-Lokalzeit
© NASA/JPL-Caltech/MSSS

04.01.2021Alles auf Rot – EU-Projekt zum Marsstaub

Der Mars ist der direkte Nachbar zur Erde – karg und faszinierend zugleich. Vieles auf dem roten Planeten ist rätselhaft, etwa die großen Staub- und Eiswolken. Ein internationales Team, zu dem auch UDE-Physiker gehören, will einige dieser Wissenslücken schließen. Das Projekt RoadMap* wird von der EU über das Programm Horizon 2020 für drei Jahre mit rund 1,5 Mio. Euro gefördert.

Kaum ein anderer Planet unseres Sonnensystems ist der Erde so ähnlich wie der Mars, weshalb die Weltraumforschung sich besonders für ihn interessiert. Seit über 50 Jahren kundschaften Raumsonden und Lander den Mars aus. Richtig einladend ist er nicht: von Vulkanen und Kratern zerfurcht; auf dem Boden und in der Atmosphäre rostiger Staub. Es ist Eisenoxid, das die Oberfläche rot färbt.

„Die Vorstellung ist schon witzig, dass der Mensch nach dem Mond in absehbarer Zeit auch diesen Planeten betreten wird“, sagt Astrophysiker und Marsforscher Professor Gerhard Wurm. „Der Mars ist noch nah genug, um hinzukommen, und technisch machbar ist es auch, obwohl es in Sachen Atmosphäre und Temperatur hier und da etwas extrem ist. Kalt und sehr trocken ist es, und immer und überall ist Staub. Fürs Klima auf dem roten Planeten ist der viel wichtiger, als es der Staub für die Erde ist.“

Denn der Staub wird von atmosphärischen Winden um den Planeten verteilt und heizt in Form von Stürmen und Wolken das Marswetter auf oder kühlt es ab – je nach Jahreszeit. Zu wenig weiß man noch über diesen Kreislauf und auch über die Eigenschaften der Staubpartikel selbst. Wie beginnen, wachsen und enden Staubstürme, die manchmal den gesamten Planeten auf einmal einhüllen können? Wie beeinflussen die Verwirbelungen die Atmosphäre? Das sind zwei der Fragen, die im Projekt geklärt werden sollen.

Die Astrophysiker um Professor Wurm haben bereits zu marsianischen Staubteufeln geforscht – das sind besonders heftige Stürme, die bei gutem Wetter entstehen. „Wir werden untersuchen, wie sich kleine Einschläge auf der Marsoberfläche auswirken, wie Staub in die Atmosphäre gelangt und ob elektrische Aufladung auch auf dem Mars eine Rolle spielt. Denn diese kann auf der Erde in Staubstürmen imposante Blitze auslösen.“

Das UDE-Team wird dafür in Windkanälen, im irdischen Labor und wohl auch im Parabelflug unter echter Marsschwerkraft experimentiert. Die Gravitation ist nur ein Drittel so groß wie die der Erde. „Der Mars“, freut sich Prof. Wurm, „ist ein krasser Planet und für uns einfach ein supercooles Forschungsfeld.“

* RoadMap steht für „ROle and impAct of Dust and clouds in the Martian AtmosPhere“. Physiker und Ingenieure aus vier Nationen arbeiten zusammen. Sie kommen von der UDE, dem Königlich-Belgischen Institut für Weltraum-Aeronomie (BIRA-IASB), das auch die Projektleitung hat, von der dänischen Universität Aarhus sowie von zwei spanischen Instituten.

Im BIld:
Der NASA-Rover Curiosity auf dem Mars. Der Rover verfügt über Kameras und verschiedene Instrumente, um Gestein, Atmosphäre und Strahlung untersuchen zu können. Das Selfie stammt von Mitte November 2020.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gerhard Wurm, Experimentelle Astrophysik, Tel. 0203/37 9-1641, gerhard.wurm@uni-due.de

Redaktion: Ulrike Bohnsack, Tel.0203/37 9-2429, ulrike.bohnsack@uni-due.de

Originalmeldung der UDE

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